Schleudertrauma

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Erklärung zum Begriff Schleudertrauma

Das Schleudertrauma, englisch „Whiplash injury“ ist das Symptombild von Sprachstörungen, Schwindel, Schmerzen, das bei einer blitzartigen Beschleunigung und Überstreckung des Kopfes, in den meisten Fällen während eines Autounfalles, hier bei einem Heckaufprall vorkommt. Doch auch seitliche Kollisionen können Schleudertraumata verursachen, genauso wie sie bei Tauchunfällen passieren. Die moderne Wissenschaft bezeichnet das Schleudertrauma als „Akzelerations-Dezelerationsmechanismus mit Energieübertragung auf die Nackenregion ...“.

Die Symptome eines Schleudertraumas

In aller Regel besteht kurz nach dem Unfall eine auch längere, schmerzfreie Zeitspanne. Dann treten Schmerzen im Nackenbereich, am Hinterkopf auf. Eine eingeschränkte Bewegung des Kopfes und Schmerzen im Mundbodenbereich sowie Schluckbeschwerden. Letztere Symptome sind Anzeichen für ein gravierenderes Trauma. Hier finden sich auch Kribbeln und Taubheitsgefühle in den Händen und Sehstörungen beziehungsweise akustische Probleme.

Die rechtliche Situation

Das Halswirbelsyndrom ist recht diffus, da es keine substantiellen Schäden gibt, die auf Röntgenaufnahmen oder anderen Medien erkennbar wären. Das Urteil des Arztes beruht lediglich auf den Angaben des Patienten. Aus diesem Grund wurde bislang und immer noch häufig von den Gerichten kein Bezug auf die Diagnose des Arztes genommen, wenn es um Schmerzensgeldansprüche ging. Nur die objektiven Feststellungen sollen zu einem Urteil führen. So nimmt die Rechtsprechung an, dass eine durch die Kollision zweier Fahrzeuge bedingte Geschwindigkeitsveränderung, wenn die Geschwindigkeit beim Aufprall zwischen 4 und 10 Stundenkilometer gelegen habe, dies nach biomechanischen Gutachten eine Verletzung der Halswirbelsäule ausschließe. Hier existiere eine sogenannte „Harmlosigkeitsgrenze“.

Revolutionäre Entscheidung

Im Jahre 2003, genauer am 28. Januar entschied der Bundesgerichtshof mit VI ZR 139/02 NJW 2003,1116 [BGH, 28.01.2003 - VI ZR 139/02], dass der Befund des Arztes, welcher die Erstbehandlung vornimmt, sogar derart wichtig sein könnte, dass keinerlei andere Gutachten zur Feststellung der Realität eines Halswirbel-Schleudertraumas notwendig seien. Er stellte fest, dass diese Verletzungen nicht nur durch die Veränderung der Geschwindigkeit zustande kämen, sondern vielmehr von einer Vielzahl von Faktoren abhängig seien. Grundsätzlich aber bleibt die Schmerzensgeldforderung bei einem HWS-Trauma problematisch.




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Nachrichten zu Schleudertrauma


Entscheidungen zum Begriff Schleudertrauma

  • BildKG, 12.02.2004, 12 U 219/02
    Ist zwischen den Parteien streitig, ob die Klägerin bei dem streitgegenständlichen Unfall überhaupt verletzt wurde, gilt für die Feststellung der behaupteten unfallbedingten Verletzungen (HWS-Schleudertrauma, LWS-Syndrom mit posttraumatischer Wurzelreizung C 6/7, Quetschung des Nervs des rechten Armes) das Beweismaß des § 286 ZPO.
  • BildOLG-KOELN, 09.07.1999, 19 U 193/98
    Indizien für gestellten Unfall BGB § 823; StVG §§ 7, 17, 18 Aus dem Umstand, daß der Schädiger bei einem seinem ganzen Erscheinungsbild nach gestellten Verkehrsunfall ein Schleudertrauma erleidet und eine Woche lang eine Schanz'sche Krawatte tragen muß, ergibt sich nicht zwingend, daß der Unfall unfreiwillig war. - 19 U 193/98 -...
  • BildSG-HAMBURG, 19.05.2006, S 40 U 116/03
    Nach dem Ergebnis der medizinischen Beweisaufnahme ist nicht mit der im Unfallversicherungsrecht erforderlichen Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die durch den Kläger geltend gemachten gesundheitlichen Beeinträchtigungen in Folge des Unfallgeschehens vom 17.07.1998 entstanden sind. Als kausal und im Sozialrecht erheblich werden...
  • BildOLG-CELLE, 08.07.2005, 4 AR 68/05
    Streitgenossenschaft i.S.v. § 60 ZPO liegt nicht vor und die Bestimmung eines gemeinsamen Gerichts nach § 36 Abs. 1 Nr. 3 ZPO kommt nicht in Betracht, wenn der Kläger einen Verkehrsunfall mit abgeschlossen geglaubten Folgen erlitten hat, etwa ein Jahr später einen weiteren Verkehrsunfall mit anderem Gegner an anderem Ort erleidet und...
  • BildOLG-KOBLENZ, 07.11.2005, 12 U 1240/04
    Ein Kraftfahrer darf in einer unübersichtlichen Kurve an einem liegen gebliebenen Fahrzeug auf der Gegenfahrbahn vorbeifahren, jedoch nur, wenn er dabei besondere Vorsicht walten lässt. Er muss sich darauf einstellen, bei Gegenverkehr sofort anhalten, ausweichen oder die Gegenfahrbahn räumen zu können. Reagiert er trotz besonders...
  • BildOLG-CELLE, 02.11.2000, 14 U 277/99
    1. Steht eine bei einem Unfall erlittene Verletzung fest ( hier: HWS-Schleudertrauma Typ II ), reicht es gem. § 287 ZPO für die haftungsausfüllende Kausalität aus, wenn weitere Beschwerden erheblich wahrscheinlich sind. 2. Liegt nicht nur ein bloßes Bagatellereignis vor, ist es für die Haftung des Schädigers unerheblich, dass die...
  • BildVG-DUESSELDORF, 07.05.2012, 23 K 2583/09
    1. Lehnt ein Dienstherr die Übernahme von Behandlungskosten aus Mitteln der Dienstunfallfürsorge ab, nachdem solche Kosten nach anerkanntem Dienstunfall über einen Zeitraum von ca. 10 Jahren übernommen worden waren, so handelt es sich nicht um die Aufhebung einer dauerhaften Bewilligung, da die Kostenübernahme regelmäßig eine...
  • BildAG-HASSFURT, 12.02.2013, 2 C 115/12
    1. Hinsichtlich der Prüfung, ob die von der Klagepartei geklagten Gesundheitsbeschwerden (hier u.a. HWS-Distorsion, HWS-Schleudertrauma und Tinnitus) auf einen Verkehrsunfall zurückzuführen sind, sind die strengen Anforderungen des Vollbeweises gemäß § 286 ZPO zu Grunde zu legen. Insbesondere kann daher kein Schadensersatzanspruch im...
  • BildVG-DUESSELDORF, 07.05.2012, 23 K 2582/09
    1. Es besteht im Hinblick auf medizinische Fragen keine Bindung der Verwaltungsbehörde oder des Verwaltungsgerichts an die Entscheidung eines ordentlichen Gerichts in einem Schadensersatzprozess, in dem es auf die gleichen oder ähnliche medizinische Fragen ankam. Die der Entscheidung des ordentlichen Gerichts zugrunde liegenden...

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