Scheidungsgründe – das sollten Sie wissen!

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Erklärung zum Begriff Scheidungsgründe

Grund für die Scheidung. (© Ideenkoch - Fotolia.com)
Grund für die Scheidung. (© Ideenkoch - Fotolia.com)

Eine Ehe zerbricht nicht über Nacht. Meist geht einer Scheidung ein monate- wenn nicht sogar jahrelanges vergebliches Versuchen beider Ehepartner voraus, an der Beziehung zu arbeiten und die Probleme zu lösen. Gemeinsame Höhen und Tiefen werden durchlebt. Doch oftmals hilft alles Versuchen nichts und die Liebe ist in einem meist schleichenden Prozess erloschen.

Was hoffentlich noch bleibt, wenn die Tiefen den Höhen überwiegen, ist der gegenseitige Respekt voreinander und die Absicht, die Scheidung einvernehmlich hinter sich zu bringen. Dabei können ganz unterschiedliche Scheidungsgründe gegeben sein, aus denen eine Ehe beendet werden soll.

Das Schuldprinzip gibt es nicht mehr

Grundsätzlich müssen die Ehepartner seit 1977 keine Gründe mehr nennen, warum sie eine Scheidung wollen. Der Anwalt kann also für die jeweilige Partei den Scheidungsantrag bei Gericht einreichen, ohne dass in diesem noch explizite Scheidungsgründe genannt werden müssen. Damals mussten die Ehegatten noch nachweisen, wen die Schuld an der Scheidung trifft. Derjenige, der für die Verfehlung in der Ehe verantwortlich war, etwa, weil er Ehebruch begangen hatte, konnte dadurch u.a. seine Unterhaltsansprüche oder sein Sorgerecht verlieren.

Das ehemals angewandte Schuldprinzip gilt jedoch heute nicht mehr. Stattdessen kommt heute das sogenannte Zerrüttungsprinzip zum Tragen. Demnach kann eine Ehe geschieden werden, wenn diese gescheitert ist. Damit man vom Scheitern der Ehe ausgehen kann, muss ein Trennungsjahr absolviert werden.

Anwaltstipp: Wer eventuell Schuld am Scheitern der Ehe trägt, spielt für die Scheidung an sich also keine Rolle mehr. Daher müssen auch keine Scheidungsgründe mehr angegeben werden, da kein Schuldiger mehr benannt werden muss.

Das Trennungsjahr

Das deutsche Recht sieht vor, dass eine Scheidung erst nach Ablauf eines Trennungsjahres wirksam vorgenommen werden kann. Innerhalb dieses Jahres sollen die Ehegatten Bedenkzeit haben und sich ihre Entscheidung bewusst machen. So sollen übereilte Entscheidungen vermieden werden. Und manch ein Paar findet während des Trennungsjahres auch wieder zusammen. Wenn dies nicht der Fall ist und die Ehegatten sicher beabsichtigen, die Beziehung zu beenden, muss eine „Trennung von Tisch und Bett“ erfolgen.

Am klarsten erkennbar ist dies, wenn einer der Partner aus der gemeinsamen ehelichen Wohnung auszieht. Die Trennung kann aber auch gelebt werden, wenn beide Partner in der gemeinsamen Wohnung verbleiben. Es darf jedoch kein gemeinsames Wirtschaften mehr erfolgen, jeder ist für seine Belange und Erledigungen allein verantwortlich. Ein gegenseitiges Bekochen oder das Waschen der Wäsche des anderen sowie ähnliches, entfallen.

Für Räume, die von beiden genutzt werden, vornehmlich Bad und Küche, werden am besten Zeitpläne erstellt. Zwar wird das Gericht in der Regel keine Überprüfung durchführen, doch ist es immer gut im Nachhinein detailliert darlegen zu können, wie die Trennungsphase gestaltet wurde, um das Scheitern der Ehe zu untermauern.

Ausnahmen vom Trennungsjahr

Es gibt auch Ausnahmen vom Trennungsjahr. Nämlich dann, wenn besondere Härte zu bejahen ist. Dann muss das Trennungsjahr nicht eingehalten werden und die Scheidung vom Ehegatten kann schon früher vollzogen werden. Besondere Härte ist u.a. gegeben, wenn Gewalt in der Ehe herrscht.

In diesem Fall wäre es dem Partner, der die Gewalt erfährt, nicht zuzumuten, noch ein weiteres Jahr auf die Scheidung zu warten. Eine Scheidung aufgrund besonderer Härte kann jedoch nicht pauschal bejaht werden. Es kommt immer auf den Einzelfall an, den das Gericht zu beurteilen hat.

Aus diesen Gründen lassen sich Paare am häufigsten scheiden

Jede Trennung ist emotional und individuell und keine Scheidung ist wie die andere. Dennoch gibt es einige Scheidungsgründe, aus denen Ehen besonders häufig geschieden werden. In der Regel haben sich die Paare auseinandergelebt, ein Prozess, der sich über Monate oder Jahre hinwegziehen kann. Irgendwann ist kein gemeinsamer Nenner mehr vorhanden und die jeweiligen Lebensplanungen triften auseinander. Häufige Scheidungsgründe sind zudem Untreue und Gewalt in der Ehe. Treue und gegenseitiges Vertrauen bilden die Basis einer gesunden Partnerschaft und damit auch Ehe.

Und genau dieses Vertrauen leidet erheblich, wenn einer von beiden fremdgeht. Oftmals bleiben nur noch Unsicherheit und Misstrauen und das vormals vorhandene Vertrauen dem anderen gegenüber kann nicht wieder aufgebaut werden. Sollte es also zum Seitensprung in der Ehe kommen, ist dies oftmals für den anderen ein Scheidungsgrund, da er schlichtweg nicht mehr in die alte Vertrauensbeziehung zurückfinden kann. Was jedoch genau unter fremdgehen fällt, muss jedes Paar für sich festlegen. Für den einen ist es schon ein klarer Vertrauensbruch, wenn der Partner eine andere Person küsst, für den anderen setzt ein Seitensprung Verkehr voraus. Ein häufiger Scheidungsgrund ist auch Gewalt in der Ehe. Die vom einen Ehegatten ausgehende Gewalt kann dabei physischer wie psychischer Natur sein. Hier ist es zunächst wichtig, sich professionelle Hilfe zu suchen und sich an entsprechende Stellen zu wenden, etwa ein Frauenhaus.

Der Betroffene sollte sich der von Gewalt geprägten Situation zunächst entziehen. Als nächsten Schritt wählt der betroffene Partner dann meist die Scheidung. Ist Gewalt im Spiel, kann das Gericht auf von einem Härtefall ausgehen und hier einzelfallabhängig entscheiden, das Trennungsjahr auszusetzen. Es gibt jedoch noch mehr Scheidungsgründe, die von Ehepartnern im Rahmen einer Trennung häufig angegeben werden. Dazu gehört auch das Fehlen von gegenseitigen Zärtlichkeiten. Wenn das zwischenmenschliche dauerhaft zu kurz kommt, der eine Partner sich nach Zärtlichkeit und Zuwendung sehnt, während der andere sich zurückzieht und abweisend reagiert, schlägt dies schnell in Frust um. Eine lieblos gewordene Ehe kann daher auch zur Scheidung führen, wenn auch klärende Gespräche nicht mehr weiterhelfen. Der Partner, der sich zurückgewiesen fühlt, sollte dies klar kommunizieren und mitteilen, dass ihm in der Beziehung etwas fehlt.

Hier kann auch eine Paartherapie dabei helfen, dass die Partner wieder zueinander finden. Weiterhin zählen schwere Verfehlungen zu den häufigen Scheidungsgründen. Dazu gehört etwa der Drogenmissbrauch durch einen Ehepartner, der für den anderen Ehegatten überaus belastend sein kann. Die Beziehung zu einem Suchterkrankten kann das gesamte Leben des anderen Partners beeinflussen, mitunter entsteht hier sogar eine Co-Abhängigkeit.

Aber auch andere Gründe führen oftmals zur Scheidung wie:

  • Einengung und fehlender Freiraum
  • krankhafte Eifersucht
  • fehlender Respekt
  • Desinteresse am Anderen
  • großer Altersunterschied
  • gravierende Kommunikationsprobleme

Bemerkenswert ist sicherlich auch, dass die meisten Scheidungen in Deutschland von Seite der Frau initiiert werden. Die Scheidungsgründe für Frauen sind dabei laut Statistik vor allem in einem Mangel an Kommunikation zu sehen. Können Frauen einen Seitensprung anscheinend eher verzeihen, ist Fremdgehen bei den Scheidungsgründen für Männer an erster Stelle.

Manche Ehen enden kurios – skurrile Scheidungsgründe

Während es vergleichsweise viele Paare gibt, die sich etwa aufgrund eines Seitensprungs scheiden lassen oder sich einfach auseinandergelebt haben, gibt es auch einige recht skurrile und einzigartige Scheidungsgründe.

  • So endete eine Ehe in Oklahoma, USA, deswegen, weil der Ehemann seiner Frau aus übertriebenem Sparsinn ein neues Gebiss verweigerte. Seiner Meinung nach hätte sie auch seines benutzen können.
  • Ebenfalls in den USA sah sich ein Paar vor dem Scheidungsrichter wieder, nachdem der Kontrollzwang des Mannes überhand nahm. So brachte er jeden Tag Kreide auf den Schuhsohlen seiner Frau an, um so erkennen zu können, ob sie das Haus verlassen hat.
  • Letztendlich genug hatte auch die Frau eines US-Offiziers, die ihren Mann stets mit „Herr Major“ ansprechen und vor ihm salutieren musste.
  • In Pennsylvania sah sich eine Frau genötigt die Scheidung einzureichen, weil sie die liebste Freizeitbeschäftigung ihres Mannes einfach nicht mehr ertragen konnte: Das Herunterschießen von Blechdosen vom Kopf seiner Gattin.

Doch auch in Deutschland lassen sich einige skurrile Scheidungsgründe finden.

  • Ein Münchner Ehemann etwa verlangte von seiner Frau, Nacht für Nacht mit ihm in einer Hängematte zu verbringen. Nachdem sie mehr als ein Dutzend Mal aus selbiger gefallen war, nahm sie dies als Anlass, nach 23 Jahren Ehe die Scheidung einzureichen.
  • Ebenfalls in München musste sich eine Ehefrau täglich benoten lassen. Noten gab es für das Essen, ihre Putzkünste oder das Erscheinungsbild. War der Ehemann mit dem Zwischenzeugnis nicht zufrieden, wurde der Frau das Haushaltsgeld gekürzt. Nach zwei Jahren zog die Gattin die Notbremse und reichte die Scheidung ein.
  • Etwas länger hielt es eine Ehefrau aus Stuttgart bei ihrem Mann aus. Nach sieben Ehejahren wollte aber auch sie die Scheidung, weil sie es satt hatte sich im Auto des Mannes immer bücken zu müssen, wenn eine seiner Freundinnen zu sehen war.

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Scheidungsgründe Urteile und Entscheidungen

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