Ist eine Scheidung ohne Anwalt möglich?

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Erklärung zum Begriff Scheidung ohne Anwalt

Anwaltszwang beim Scheidungsverfahren. (© Andrey Popov - Fotolia.com)
Anwaltszwang beim Scheidungsverfahren. (© Andrey Popov - Fotolia.com)

Bei der Hochzeit sind die Gedanken an eine mögliche Scheidung ganz weit weg. Doch wenn es einmal so weit kommen sollte, stellt sich manch ein Paar die Frage, ob auch eine Scheidung ohne Anwalt möglich ist.

Schließlich hat man auch ohne Anwalt geheiratet. Da wäre es schön, die Scheidung ohne Anwalt durchzuziehen und sich so einen mitunter enormen Kostenfaktor zu sparen. So einfach ist es jedoch nicht.

Anwaltszwang beim Scheidungsverfahren

Ohne Anwalt können sich Ehepartner prinzipiell nicht scheiden lassen. Beim Familiengericht muss prinzipiell ein Scheidungsantrag gestellt werden. Dies können die Ehepartner nicht selbst, der Antrag muss stets durch einen Anwalt eingereicht werden. Daher herrscht vor dem Familiengericht ganz klar Anwaltszwang. Dies ist auch gesetzlich festgelegt in § 114 Absatz 1 FamFG: „Vor dem Familiengericht und dem Oberlandesgericht müssen sich die Ehegatten in Ehesachen und Folgesachen und die Beteiligten in selbstständigen Familienstreitsachen durch einen Rechtsanwalt vertreten lassen.

“ Von dieser gesetzlichen Regelung gibt es auch keine Ausnahmen. Aber auch mit Rechtsbeistand, müssen die Parteien zunächst das Trennungsjahr abwarten. Erst dann kann der Scheidungsantrag eingereicht werden. Im Übrigen kann auch nicht das Scheidungsverfahren vor Gericht umgangen werden. Denn eine Ehe kann nur durch eine Verhandlung vor dem Familiengericht rechtskräftig geschieden werden. Um einen Scheidungsanwalt werden die Parteien also nicht herumkommen.

Die Anwaltspflicht erstreckt sich auf die Ehesachen und die damit verbundenen Folgesachen, etwa dem Versorgungsausgleich, aber auch auf abgetrennte Familiensachen, wie zum Beispiel den Unterhalt. Merke: Eine Scheidung ganz ohne Anwalt ist NICHT möglich. Zumindest eine der Parteien muss einen Anwalt haben!

Warum ist ein Scheidungsanwalt verpflichtend?

Dass eine Scheidung ohne Anwalt nicht möglich ist, hat durchaus seinen Grund. Eine Scheidung geht oftmals mit einer hohen emotionalen Belastung beider Parteien einher, vielfach sind Wut und Enttäuschung im Spiel. Die Situation vor Gericht ist also nicht selten emotional sehr aufgeladen, so dass ein objektiver Vermittler angebracht scheint. Diese Aufgabe übernimmt der Scheidungsanwalt.

Eine Scheidung ohne Anwalt ist darüber hinaus aber auch deshalb nicht realisierbar, weil es für juristische Laien schwer bis unmöglich ist, die Gesetzeslage zu überblicken und die entsprechenden Berechnungen und Recherchen durchzuführen, die mit einer Scheidung einhergehen. Die Trennung ohne Anwalt durchzuführen, würde also mitunter auch Nachteile für die Parteien bedeuten, da die Rechtsfolgen der Scheidung nicht richtig erfasst werden könnten. Ein entsprechend ausgebildeter und kompetenter Jurist wird sich hingegen um alle Belange seines Mandanten in dieser für ihn meist schwierigen Situation kümmern.

Die einvernehmliche Scheidung – Es geht auch nur mit einem Anwalt

Ganz ohne Anwalt geht es also nicht. Es gibt jedoch die sogenannte einvernehmliche Scheidung, bei der es durchaus möglich ist, auf einen zweiten Anwalt zu verzichten. Dadurch können die Scheidungskosten in der Regel gesenkt werden. Eine einvernehmliche Scheidung kommt dann in Frage, wenn sich beide Parteien weitestgehend einig sind, was u.a. die vermögensrechtlichen Belange, die Übernahme der Ehewohnung, das Umgangsrecht, Unterhaltsfragen oder auch Sorgerecht angeht. Es genügt dann, wenn nur der Partner, der den Scheidungsantrag stellen möchte, einen Rechtsbeistand beauftragt.

Auf einen zweiten Anwalt durch die andere Partei kann dann verzichtet werden, dem gestellten Scheidungsantrag muss lediglich noch zugestimmt werden. Fraglich ist dann aber, wer die Kosten für den einen Anwalt zu tragen hat. Für eine einvernehmliche Trennung ist es daher sinnvoll, wenn eine Kostenteilungsvereinbarung verfasst wird. Darin wird festgelegt, dass bei einer einvernehmlichen Scheidung die Kosten für den einen Anwalt von beiden Parteien zu gleichen Teilen getragen werden. Nur so lässt sich sicherstellen, dass auch wirklich beide Seiten Kosten sparen, wenn auf einen zweiten Anwalt verzichtet wird. Ohne eine solche Vereinbarung müsste der Auftraggeber des Anwalts die Kosten allein übernehmen, während die andere Partei keinerlei Kosten zu tragen hätte.

Hinweis: Zu beachten ist dabei aber, dass der Rechtsbeistand nur der Vertreter des Ehegatten ist, der ihn beauftragt hat. Eine rechtliche Beratung kann also nur für den eigenen Mandanten erfolgen! Andernfalls würde es zu einer Interessenkollision kommen. Im Zweifel wird der Rechtsanwalt eher dazu geneigt sein, im Sinne des eigenen Mandanten, der ihn beauftragt hat, zu handeln. Dies sollte von dem anderen Ehegatten berücksichtigt werden. Im Übrigen fallen auch die Gerichtskosten niedriger aus.

Denn bei einer einvernehmlichen Scheidung sind üblicherweise weder Gutachter noch Zeugen nötig. Zudem kann der gesamte Scheidungsprozess deutlich schneller abgewickelt werden. Hinweis: Auf einen zweiten Anwalt kann aber dann nicht verzichtet werden, wenn Streit herrscht und der andere Ehegatte eigene Anträge stellen will. Auch dann ist nämlich wieder die Beauftragung eines eigenen Anwalts notwendig.

Scheidung ohne Anwalt auch online nicht möglich

Ehepartner, die sich trennen wollen und beabsichtigen, Kosten einzusparen, sollten sich nicht von falschen Angeboten im Internet täuschen lassen. Eine Scheidung ohne Anwalt ist nicht möglich, auch nicht online. Online lassen sich durchaus Dokumente für die Scheidung auszutauschen, letztlich wird es aber immer darauf hinauslaufen, dass der Scheidungsantrag vor Gericht durch einen Anwalt gestellt wird.



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Häufige Rechtsfragen zum Thema

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35 - E in.s =
Ja, ich habe die Datenschutzerklärung gelesen.
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