Quotenvorrecht – Verkehrsunfall

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Erklärung zum Begriff Quotenvorrecht – Verkehrsunfall


Von einem Quotenvorrecht – Verkehrsunfall bzw. einem allgemeinen Quotenvorrecht wird immer dann gesprochen, wenn Schadensersatz für einen Geschädigten zunächst durch eine gesetzliche oder private Krankenversicherung oder durch eine eigene Vollkaskoversicherung oder durch die Entgeltfortzahlung eines Arbeitgebers gezahlt worden ist.

Immer dann, wenn der Anspruch auf Ersatz gegen den Schädiger nicht ausreicht, zum Beispiel bei einem Verkehrsunfall, wenn dem Geschädigten zumindest eine Teilschuld zukommt, tritt das Problem Quotenvorrecht - Verkehrsunfall auf. Typisch für ein Quotenvorrecht – Verkehrsunfall ist ein Schadensfall, bei dem der Schadensersatzanspruch aufgrund einer Mithaftung des Geschädigten oder bei Überschreiten der Haftungshöchstgrenze beschränkt ist.

Das Quotenvorrecht – Verkehrsunfall folgt im Privatversicherungsrecht aus dem § 86 Abs. 1 S. 2 VVG (n.F.). Das Quotenvorrecht allgemein wurde im § 116 SGB X neu geregelt, um einen besseren Schutz des Opfers zu gewährleisten. Diese Neuregelung bezieht sich explizit im Absatz 2 auf die Haftungsbegrenzung durch Haftungshöchstgrenzen und im Absatz 3 auf die Begrenzung durch Mithaftung.

Mithaftung ist gerade bei Verkehrsunfällen ein großes Thema

Eine Mithaftung liegt vor, wenn der Geschädigte mitverantwortlich für den Schaden ist. Dann wird der Anspruch auf Ersatz begrenzt. Tritt dies ein, geht nach Absatz 1 der Anteil für den Ersatzanspruch auf die Versicherung oder den Träger der Sozialhilfe über. Die Höhe wird vom Hundertsatz genommen, für den der Schädiger Ersatz leisten müsste. Durch das Quotenvorrecht wird der Geschädigte bessergestellt, da er obwohl er zu einem bestimmten Prozentsatz mithaftet, die berechnete Quote sehr viel höher ausfallen kann.

So stellt das Amtsgericht München in einem Urteil vom 07.12.2011 fest, dass bei einem Verkehrsunfall, bei dem das Verschulden nicht eindeutig einer Partei zugewiesen werden kann, der Schaden je zur Hälfte getragen werden muss. Begründet wird das Urteil mit der Tatsache, dass von beiden Verkehrsteilnehmern eine gleichwertige Betriebsgefahr ausging. { Amtsgericht München, Urteil vom 07.12.2011, 322 C 21241/09 ]

Beste Absicherung: eine Vollkaskoversicherung

Die beste Absicherung im Falle eines Verkehrsunfalles mit Mithaftung ist, wenn statt der obligatorischen Haftpflichtversicherung eine Vollkaskoversicherung für ein Fahrzeug abgeschlossen wurde. Nicht selten ergibt sich bei der Abwicklung eines Unfallschadens keine eindeutige hundertprozentige Haftung zugunsten oder zu Lasten einer bestimmten Unfallpartei. Oftmals wird für beide Parteien eine Haftungsquote gebildet. In der Praxis bedeutet das, dass die Schäden der anderen Partei gemäß der eigenen Haftungsquote erstattet werden müssen. Wer eine Vollkaskoversicherung für sein Fahrzeug abgeschlossen hat, kann nicht nur mit der gegnerischen Haftpflichtversicherung abrechnen, sondern zusätzlich die bestehende Kaskoversicherung in Anspruch nehmen. In diesem Fall kann zumindest der eigene Sachschaden trotz ggf. erheblicher Mithaftung nahezu vollständig ausgeglichen werden.




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