Plagiat

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Erklärung zum Begriff Plagiat


Unter Plagiat versteht man die Aneignung eines fremden Urheberrechts. Ein Verstoß gegen den § 13 des Urheberrechtsgesetzes oder den § 12, der das ausschließliche Veröffentlichungsrecht betrifft. Der lateinische „Plagiarius“, der französische „Plagiaire“ versteht sich als der Dieb geistigen Eigentums. Es ist derjenige, der es sich anmaßt, die geistigen, schöpferischen Leistungen anderer als die seinen auszugeben.

Ein Plagiat kann die Verletzung der Urheberrechte, der Geschmacksmuster oder der Patentrechte bedeuten. Es verstößt in der Wissenschaft unter Umständen gegen Universitätsrecht, Prüfungsordnungen oder auch Arbeitsverträge. Eine sogenannte „Legaldefinition“ des Begriffes Plagiat findet sich in den deutsche Rechtsprechung jedoch keineswegs. Vielmehr existiert hier eine Grauzone. Ein Plagiat verstößt nicht zwangsläufig gegen geltendes Recht.

Definitionen

Eine umgreifende Definition stammt vom International Center for Academic Integrity. So sei ein Werk dann ein Plagiat, würden Arbeitsergebnisse, Wörter oder Ideen zur Verwendung gelangen, die einer identifizierbaren Quelle zuzuordnen sind, dabei die Quelle nicht in geeigneter Form ausweisen. Weiter soll die Veröffentlichung dabei so passieren, dass man annimmt, eine originäre Autorenschaft würde vorliegen, die Publikation dem Plagiator Vorteile bringt, die nicht zwangsläufig monetärer Natur sein müssen. Die deutsche Rechtschreibung definiert den Begriff des Plagiats bisher als die „unrechtmäßigen Nachahmung und Veröffentlichung eines von einem anderen geschaffenen künstlerischen oder wissenschaftlichen Werkes; Diebstahl geistigen Eigentums“. Diese Definition wurde erweitert um die  „unrechtmäßige Aneignung von Gedanken, Ideen o. Ä. eines anderen auf künstlerischem oder wissenschaftlichem Gebiet und ihre Veröffentlichung; Diebstahl geistigen Eigentums“. Erklärend auch die Deutungen des Verbs „plagiieren“. Hier finden sich die Begriffe leihen, übernehmen, imitieren, fälschen, nachmachen, kopieren, faken, nachäffen, ein Plagiat begehen. Sehr deutlich wird hier die juristisch schwierige Behandlung von Plagiatsfällen.  Grundsätzlich gilt, dass für eine Verletzung des Urheberrechts der Vorsatz einer Person nicht von Belang ist. Hier hergeleitet ist ein Plagiat auch dann ein Plagiat, wenn es in Unkenntnis des Originals gefertigt wird.

Plagiatsformen

Es existieren diverse Formen von Plagiaten. Beim Verbalplagiat werden gewisse Formulierungen ganz genau übernommen, das Totalplagiat erklärt sich von selbst, ebenso das Teilplagiat. Das Ideenplagiat ist äußerst schwer zu fassen. Hier sind lediglich Gedanken übernommen, der Urheber wird nicht zitiert. Ein sogenanntes Autoplagiat liegt vor, wenn der Urheber eigene Arbeiten mehrfach verwertet. Nicht zur Familie der Plagiate gehören Fälschungen. Ist das Werk keine getreuliche Kopie einer Schöpfung, bei der die Urheberschaft verheimlicht wird, sondern vielmehr die eigene Leistung einer anderen Urheberschaft zuzuschreiben, ist es eine Fälschung. Auch Nachahmerprodukte sind keine Plagiate. Die „Me-too-Produkte“ gelangen meist kurz nach einer Innovation auf den Markt. Sie sind dem Originalprodukt in vielerlei Hinsicht ähnlich. Das Gesetz sieht hier jedoch kein Plagiat. Im TV findet sich das sogenannte „Me-too-Format“. Hier werden beliebte Formate, wie zum Beispiel eine Quizsendung, in ähnlicher Konzeption vom Konkurrenzsender ausgestrahlt. Typisch für Me-too-Produkte ist ebenfalls die Ähnlichkeit der Designs der Logos, Verpackungen, Titelbilder.    

Plagiat und Zitat

Die Verwendung von Zitaten ist im Zitatrecht als eine Begrenzung des Urheberrechts gesetzlich geregelt. Wird ein Zitat verwendet, so muss die Herkunft deutlich sein, also eine Quellenangabe, eine Zitation, einen Literaturnachweis beinhalten. Das Zitat darf nicht zu lang sein. Die Unterscheidung zwischen Plagiat und Zitat fällt schwer. So ist in der wissenschaftlichen Argumentation schon eine Paraphrasierung, also die die sachliche Wiederholung eines durch den § 2 Absatz 2 des Urhebergesetzes urheberrechtlich geschützten Textes mit eigenen Worten, ein Plagiat. Ein Zitat darf gekürzt werden, so es den Sinn nicht entstellt, doch darf es nicht verändert werden. Dies steht niedergeschrieben im § 62 des Urheberrechtsgesetzes, welches den zulässigen Umfang von Änderungen im Rahmen der gesetzlich erlaubten Nutzung eines Werkes regelt. Es gibt diverse Arten von Zitaten. Zu nennen sind das Kleinzitat, also einzelne Gedankengänge oder Sätze, das Großzitat, bei dem ganze Werke zitiert werden, sowie Film-, Bild-, und Musikzitate. Es sei hier das deutsche Urheberrecht zitiert, in dem es im  § 51, mit dem Stand vom 01. Januar 2008 wörtlich heißt: 
„Zulässig ist die Vervielfältigung, Verbreitung und öffentliche Wiedergabe eines veröffentlichten Werkes zum Zweck des Zitats, sofern die Nutzung in ihrem Umfang durch den besonderen Zweck gerechtfertigt ist. Zulässig ist dies insbesondere, wenn einzelne Werke nach der Veröffentlichung in ein selbständiges wissenschaftliches Werk zur Erläuterung des Inhalts aufgenommen werden, Stellen eines Werkes nach der Veröffentlichung in einem selbständigen Sprachwerk angeführt werden, einzelne Stellen eines erschienenen Werkes der Musik in einem selbständigen Werk der Musik angeführt werden.“

Aberkennung eines akademischen Grades

Ein Plagiatsvorwurf, der sich bestätigt, kann den Doktortitel kosten. Die Hochschulen können akademische Grade aberkennen, wenn der Betroffene sich schuldig gemacht hat, in einer wissenschaftlichen Arbeit zur Erlangung eben dieses Titels Täuschung betrieben zu haben. Hier wird dann in aller Regel von einem Plagiat die Rede sein. Auch eine Aberkennung des Titels wegen unwürdigen Verhaltens gab und gibt es. Anzuführen ist hier z.B. eine Aberkennung aus politischen Gründen, die im Dritten Reich Gang und Gäbe war. In Österreich ist die Gesetzgebung weicher. Hier ist es möglich, mit der Promotionsnote zu punkten. Nur dann, wenn wirklich wesentliche Teile zum Zwecke der Täuschung abgeschrieben wurden, ist die Promotion des Plagiators wirklich verloren. 




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Entscheidungen zum Begriff Plagiat

  • BildOLG-KOELN, 24.01.1997, 6 U 91/96
    Die Verurteilung zur Abgabe der Eidesstattlichen Versicherung dahin, daß eine erteilte Auskunft so vollständig und sorgfältig erteilt sei, wie es möglich ist, ist geboten, wenn die Auskunft mehrfach ergänzt oder berichtigt wurde. Das gilt insbesondere, wenn der Inhaber einer Pfandleihanstalt die Unmöglichkeit, ein hereingenommenes...
  • BildVGH-BADEN-WUERTTEMBERG, 13.10.2008, 9 S 494/08
    1. Die nicht gekennzeichnete Übernahme kompletter Passagen aus dem Werk eines anderen Autors in einer Dissertation beinhaltet eine Täuschung über die Eigenständigkeit der erbrachten wissenschaftlichen Leistung. Sofern sie planmäßig und nicht nur vereinzelt erfolgt, kann sie die Hochschule zur Entziehung des verliehenen Doktorgrades...
  • BildOLG-MUENCHEN, 11.12.2003, 29 U 4296/03
    1. Zur Vermutung der Wettbewerbsabsicht bei Äußerungen im Rahmen der öffentlichen Auseinandersetzung zweier Zeitschriftenverlage. 2. Ohne Angabe der den Vorwurf näher konkretisierenden Umstände ist die Bezeichnung des Produkts eines Mitbewerbers als "billiges Plagiat" keine Tatsachenbehauptung, sondern eine Meinungsäußerung. 3....
  • BildVGH-BADEN-WUERTTEMBERG, 19.04.2000, 9 S 2435/99
    1. Zuständig für die Entziehung eines von der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Freiburg verliehenen Doktorgrades (wegen eines Plagiats) ist der Promotionsausschuss. 2. Über einen Widerspruch gegen die Entziehung des Doktorgrads entscheidet der Rektor der Universität. Hat stattdessen der Promotionsausschuss über den...
  • BildVG-KARLSRUHE, 04.03.2013, 7 K 3335/11
    Einwände gegen die Rechtmäßigkeit der Wahl der Mitglieder des für das Entziehungsverfahren zuständigen Promotionsausschusses können nicht - gleichsam als Vorfrage - im Rahmen der Anfechtung der Entziehung des Doktorgrades geltend gemacht werden. Dies folgt aus dem in § 10 Abs. 5 LHG enthaltenen Rechtsgedanken sowie aus allgemeinen im...
  • BildVG-BERLIN, 02.10.2013, 3 K 150.12
    Es ist ermessensfehlerhaft, eine studienbegleitende Prüfung wegen eines schwerwiegenden weil wiederholten Täuschungsversuchs für endgültig nicht bestanden zu erklären, wenn dabei auf eine frühere Prüfungsleistung abgestellt wird, die gerade nicht als Täuschungsversuch sanktioniert, sondern "als Verzweiflungstat" interpretiert...

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