Rechtsphilosophie, zuletzt bearbeitet am: 15.05.2024 | Jetzt kommentieren| Jetzt bewerten
Peter-Prinzip: „In einer Hierarchie neigt jeder Beschäftigte dazu, bis zu seiner Stufe der Unfähigkeit aufzusteigen.“ (Laurence J. Peter). Diese These vertreten seit Jahren die englischen Autoren Laurence J. Peter und Raymond Hull.
Sie besagt, dass jedem Angestellten die Tendenz innewohnt, auf der Karriereleiter so weit nach oben zu streben, bis er eine Stufe erreicht, der er nicht mehr gewachsen ist. Er hat dann den Status der Unfähigkeit, der Inkompetenz erreicht.
Es liegt die Vermutung nahe, dass dieses „Peter-Prinzip“ in allen Bereichen der Gesellschaft bis in ihre höchsten Ebenen gilt. Unfähige und inkompetente Menschen, gleich ob Arbeiter, Handwerker, Juristen, Ärzte oder Manager, befinden sich in allen Berufsgruppen und gesellschaftlichen Positionen.
Das Peter-Prinzip unterstellt, dass es den betreffenden Menschen nicht bewusst oder gar gleichgültig ist, wenn sie die mit ihrer Stellung verbundenen Aufgaben nicht oder unzureichend bewältigen, sich in Nebensachen verlieren und mehr oder weniger tiefgreifende Fehlentscheidungen treffen.
Wenn sich die Auswirkungen solchen Verhaltens in Grenzen halten, so liege das nur daran, dass es in der Hierarchie auf niederen Stufen kompetente Angestellte gibt, die als Korrektiv wirken.
Das Peter-Prinzip tritt in manchen Fällen dann ein, wenn ein bisher kompetenter Mensch die Karriereleiter „hinaufgelobt“ wird. Der Personalexperte Matthias Freund gibt dazu ein Beispiel:
Ein Lehrer erteilt einen hervorragenden Unterricht und kommt vorzüglich mit seinen Schülern aus. Das fällt der Schulbehörde auf und sie befördert diesen Lehrer zum Schulleiter.
In dieser Funktion kann er durch völlig andere Arbeitsaufgaben (Verwaltungsarbeit, Planung, Administration, Führung des Lehrkollegiums) schnell überfordert werden. Er hat für die Funktion des Schulleiters unzureichende Kompetenz, sehr wohl aber eine ausgezeichnete, wenn er als „einfacher“ Lehrer weiterarbeiten könnte.
Verallgemeinert hat Scott Adams diese Erscheinung in seinem „Dilbert-Prinzip“. Demzufolge sollen manche Firmen absichtlich inkompetente Mitarbeiter in das Management befördern, weil sie dort den geringsten Schaden anrichten können.
Aus dem Peter-Prinzip kann folgen, dass die eigentliche materielle und geistige Produktion in der Gesellschaft von Bürgern erledigt wird, die ihre individuelle Stufe der Inkompetenz noch nicht erreicht haben.
Dem steht das Phänomen entgegen, dass kaum ein Angestellter mit der von ihm erreichten Hierarchiestufe zufrieden ist, sondern vielmehr nach einer höheren strebt, ohne Rücksicht darauf, ob er dieser persönlich auch gewachsen ist.
Das Wirken des Peter-Prinzips wird dadurch begünstigt, dass Regulative und Kontrollinstanzen sowohl in der Arbeitswelt als auch im politischen Bereich fehlen, welche verhindern, dass Menschen die Stufe der individuellen Inkompetenz von sich aus erreichen oder dass sie in höhere Ämter und Funktionen „befördert“ werden.
In Russland will man von staatlicher Seite gegen das Peter-Prinzip mit einem Projekt im Internet vorgehen. Bürger können ihre negativen Erfahrungen mit Behörden melden. Dafür erhält die Einrichtung auf einer „Karte der Idioten“ einen roten Punkt.
Wird der behördliche Unfug revidiert, erscheint dafür ein grüner Punkt. Beamte, die über das Netz-Projekt als solche „Idioten“ entlarvt werden, müssten dann befürchten, aus dem Dienst entlassen zu werden. Russland will sich auf diesem Weg „der Idioten so entledigen, dass sie nicht wiederkommen“.
Literatur:
Freund, Matthias Zu hoch, zu weit, zu unfähig (In: Allgemeiner Anzeiger für Thüringen 15[(2012]2 9. Helbig, Jan Russisches Projekt: Rot III. (In: Neues Deutschland 16.01.2012. – S. 16). Peter, Laurence J. ; Hull, Raymond The Peter Principle: Why Things Always Go Wrong. – New York: William Morrow and Company, 1969. [Das Peter Prinzip: Warum die Dinge immer schief gehen]
Autor: Jan Bretschneider
Quelle: Erstveröffentlichung im Lexikon freien Denkens, Angelika Lenz Verlag 2015










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