Patient

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Erklärung zum Begriff Patient

Unter „Patient“ versteht man eine Person, die Dienstleistungen von Ärzten oder anderen Menschen, die Heilbehandlungen ausführen, in Anspruch nimmt.

Der Wortstamm ergibt sich aus dem lateinischen „patiens“, was ertragend, erduldend, geduldig, aushaltend bedeutet. Patienten in psychotherapeutischer Behandlung nennt man dagegen in aller Regel Klienten, vom lateinischen „kliens“, das heißt Schutzbefohlener. Allgemein wird ein Patient krank sein oder an den Folgen eines Unfalles leiden. Doch auch gesunde Kranke kann es geben. Hierzu zählen beispielsweise Blutspender, Neugeborene oder Schwangere, genauso Lebendorganspender oder Impflinge, Menschen die Präventionsleistungen empfangen oder Patienten bei Früherkennungsuntersuchungen, Vorsorgeuntersuchungen, Schönheitsoperationen.

Patientenrechte

Der Patient schließt mit dem Behandelnden einen Dienstvertrag, den Behandlungsvertrag. Wird man stationär behandelt, ist dies in aller Regel der Krankenhausaufnahmevertrag. Somit tritt man also in eine Rechtsbeziehung. Der Vertragspartner schuldet dem Patient eine ordnungsgemäße Behandlung nach dem zum Zeitpunkt der Behandlung bekannten wissenschaftlichen Standards. Die Regeln der ärztlichen Kunst „Lege artis“ sind zu befolgen, der Arzt oder Heilbehandelnde hat sich professionell um die Wiederherstellung und Erhaltung der Gesundheit des Patienten, um eine Linderung seines Leidens zu bemühen. Kommt für die Kosten die Gesetzliche Krankenversicherung nach SGB V auf, nennt man den Patient „Kassenpatient“. Auch der Begriff „Allgemeinpatient“ findet Verbreitung. Privat versicherte Patienten, beziehungsweise nicht gesetzlich versicherte Bürger heißen Privatpatienten.

Ausweitung der Patientenrechte

Neue Gesetze und weitere Regelwerke schufen eine Präzisierung und Ausweitung der Patientenrechte. Am 5. Februar im Jahre 2013 traten die Neuregelungen des Gesetzes zur Verbesserung der Rechte von Patientinnen und Patienten in Kraft. Sie beinhalten die Grundlagen, nach denen der Behandlungsvertrag konzipiert ist genauso wie eine Bündelung der Rechte der Patienten bei Behandlungs- oder Kunstfehlern. Auch Akteneinsicht, Beweislastumkehr, Behandlungsbeschleunigung und nicht zuletzt Datenschutz und Schweigepflicht wurden novelliert.

Beziehung zwischen Patient und Heiler

Eine sehr wichtige, immer wieder thematisierte Angelegenheit ist die Beziehung zwischen dem Arzt und dem Patienten. In aller Regel verläuft diese asymmetrisch. Will heißen, die Unterschiede in der Themakompetenz sind so erheblich, dass ein erhebliches Gefälle existiert. Das therapeutische Gespräch, das anamnesische Gespräch und auch die Interaktion bei therapeutischen Maßnahmen oder der Krankheitsdiagnose lassen in aller Regel ein sehr enges Verhältnis zwischen Heiltherapeuten, Ärzten, Psychologen, Krankenpflegern, den Angehörigen der Heilberufe und den Patienten und Klienten entstehen. Dieser Dialog, oder, wenn als Dritte die Angehörigen einbezogen werden, ist von entscheidender Wichtigkeit für den Verlauf und Erfolg der Behandlung. Die Medizinsoziologie wie ebenfalls die Sozialforschung hat sich dem Thema Patientenzufriedenheit schon lange verstärkt zugewandt.




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Entscheidungen zum Begriff Patient

  • BildOLG-HAMM, 14.09.2012, 26 U 204/10
    Die unterlassene Befunderhebung stellt dann keinen Sorgfallsverstoß dar, falls der Patient eine solche Untersuchung verweigert und der Patient auf die Gefahr einer solchen Verweiterung hingewiesen worden ist.
  • BildOLG-STUTTGART, 02.04.2002, 1 U 7/02
    Vor einer Diskektomie muss der Patient nicht darüber aufgeklärt werden, dass statt eines Palacos-Dübels ein Eigeninterponat verwendet werden kann.
  • BildOLG-HAMM, 14.07.1999, 3 U 171/98
    Aufklärung im Arzthaftungsprozeß Es kann unerheblich sein, daß ein Patient über das (allgemeine) Risiko der Materialermüdung nicht aufgeklärt worden ist.
  • BildLG-DORTMUND, 11.11.2009, 4 S 192/08
    Wenn der Patient den provisorisch eingebrachten Zahnersatz verschluckt, behält der Zahnarzt seinen Vergütungsanspruch ohne Neuherstellung, es sei denn der Patient beweist, dass ihn an dem Verschlucken kein Verschulden trifft.
  • BildOLG-OLDENBURG, 15.11.2006, 5 U 68/05
    Zur Schmerzensgeldhöhe bei Sepsis nach einer Operation, wenn der Patient zuvor nicht über das wegen langjähriger Cortisonbehandlung erhöhte Infektionsrisiko hingewiesen worden ist.
  • BildLG-GIESSEN, 28.06.2012, 7 Qs 63/12
    Wer als zuständiger Arzt einer pasychiatrischen Klinik nicht zur Verhinderung eines freiverantwortlich begangenen Selbstmordes ubnternimmt, macht sich nicht strafbar, auch wenn der betreffende Patient wegen Suizidgefahr überwiesen wurde.
  • BildBGH, 16.06.2009, VI ZR 157/08
    Die mangelnde Mitwirkung des Patienten an einer medizinisch gebotenen Behandlung schließt einen Behandlungsfehler nicht aus, wenn der Patient über das Risiko der Nichtbehandlung nicht ausreichend aufgeklärt worden ist.
  • BildOLG-OLDENBURG, 25.06.2008, 5 U 10/08
    Vor einer chiropraktischen Manipulation an der Halswirbelsäule ist der Patient über die damit verbundenen Risiken aufzuklären (hier: Verletzung der Arteria vertebralis mit Durchblutungsstörungen einzelner Hirnareale).
  • BildOLG-OLDENBURG, 04.07.2007, 5 U 106/06
    Der Einwand, der Patient hätte sich auch bei ordnungsgemäßer Aufklärung für den Eingriff entschieden, kann nicht erstmals in der Berufungsinstanz erhoben werden.
  • BildOLG-MUENCHEN, 15.09.2005, 1 U 2925/05
    Leidet der Patient neben einem Bandscheibenvorfall an einer Osteochondrose, muss der Arzt darüber aufklären, dass deren Beschwerden durch eine Bandscheibenoperation nicht beseitigt werden können.

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