Offizialdelikte - Definition, Erklärung, Beispiele und Liste für Deutschland

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Erklärung zum Begriff Offizialdelikte


Offizialdelikte sind solche Delikte, die dem Offizialprinzip [einer Prozessmaxime im Strafverfahren] unterliegen, also – im Gegensatz zu den Antragsdelikten – von Amts wegen (ex officio) verfolgt werden vgl. §§ 152 Absatz 2, 160 Absatz 1, 163 Absatz 1 StPO [Strafprozessordnung]). Hierrunter fallen alle Verbrechen und die meisten Vergehen.

In der Regel sind alle Straftaten Offizialdelikte, es sei denn ein Strafgesetz verlangt ausdrücklich einen Strafantrag als Verfolgungsvoraussetzung.

Demnach sind unter anderem folgende Verbrechen i.S.d. § 12 Absatz 1 StGB [Strafgesetzbuch] Offizialdelikte:
   –  Mord und Totschlag, §§ 211, 212 StGB
   –  Schwere Körperverletzung, § 226 StGB
   –  Raub, §§ 249 ff. StGB
   –  Schwerer Bandendiebstahl, § 244a StGB
   –  Räuberischer Diebstahl, § 252 StGB
   –  Räuberische Erpressung, § 255 StGB

Ferner sind unter anderem folgende Vergehen i.S.d. § 12 Absatz 2 StGB ebenso Offizialdelikte:
   –  Gefährliche Körperverletzung, § 214 StGB
   –  Nötigung, § 240 StGB
   –  Freiheitsberaubung, § 239 StGB
   –  Diebstahl, §§ 244 ff. StGB
     [soweit kein Familiendiebstahl oder Diebstahl geringwertiger Sachen gem. §§ 247, 248a StGB]
   –  Betrug, § 263 StGB
   –  Urkundenfälschung, § 267 StGB
   –  Verkehrsgefährdung gem. § 315c StGB
   –  Trunkenheit im Straßenverkehr, § 316 StGB
   –  Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, § 113 StGB


Bei den sog. Antragsdelikten ist die Anklageerhebung hingegen Die Behörde kann zwar die Strafverfolgung betreiben, jedoch darf sie nicht die Anklage erheben (sog. absolute oder echte Antragsdelikte; vgl. § 127 Absatz 3 StPO, argumentum e contrario). In Betracht kommen hierbei unter anderem der Hausfriedensbruch (§ 123 StGB), die Beleidigung (§ 185 StGB) oder Diebstahl und Unterschlagung in Haus und Familie (§ 247 StGB).

Es gibt jedoch Antragsdelikte, bei denen ausnahmsweise der Antrag dann nicht erforderlich ist, wenn die Staatsanwaltschaft die Anklage wegen des besonderen öffentlichen Interesses für geboten hält (sog. relative oder unechte Antragsdelikte). In Betracht kommen dabei unter anderem die vorsätzliche und fahrlässige Körperverletzung (§ 223 bzw. § 229 StGB), die Sachbeschädigung (§ 303 StGB) und der Diebstahl und Unterschlagung geringwertiger Sachen (§ 248b StGB).

Beachte:
Liegt ein Antragsdelikt vor, hat der Berechtigte (in der Regel das Opfer) drei Monate Zeitab dem Zeitpunkt, in dem er persönlich Kenntnis von der Tat und dem Täter hat – den Strafantrag zu erheben. Anderenfalls ist eine Strafverfolgung nicht mehr möglich.




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