Nacherbe

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Erklärung zum Begriff Nacherbe


Der Rechtsbegriff Nacherbe ist im § 2100 BGB [Bürgerliches Gesetzbuch] legaldefiniert, d.h. seine Definition erfolgt in gesetzlicher Form. Nach § 2100 BGB ist der Nacherbe derjenige, der erst dann Erbe wird, nachdem zuvor eine andere Person (der sog. Vorerbe), Erbe geworden ist (sog. Nacherbfall). Nach Ansicht des Bundesgerichtshofs [BGH] leitet der Nacherbe sein Recht nicht vom Vorerben ab, sondern in gleicher Weise wie der Vorerbe, also unmittelbar vom Erblasser als dessen Erbe und Rechtsnachfolger (vgl. BGHZ 3, 254). Der Vorerbe kann deshalb dem Nacherben die Erbschaft auch nicht beispielsweise durch Testament entziehen. Etwas anderes gilt nur in den Fällen, in denen der Erblasser die Nacherbschaft unter eine entsprechende Bedingung stellt, also dem Vorerben die Möglichkeit einräumt, eine solche Verfügung vorzunehmen.

Im Rahmen der Nacherbfolge ist auch eine sog. gestaffelte Nacherbfolge möglich, d.h. es können als Nacherben auch mehrere Personen hintereinander in der Weise eingesetzt werden, dass der zunächst berufene Nacherbe als Vorerbe gegenüber dem ihm folgenden Nacherben steht.

Es ist zu beachten, dass dann keine Nacherbfolge eintritt, wenn der Vorerbe noch vor dem Erbfall wegfällt. In einem solchen Fall wird der Nacherbe gem. §§ 2102 Absatz 1, 2096 BGB im Zweifel als Ersatzerbe eingesetzt.
Fällt der Vorerbe hingegen erst nach dem Erbfall weg und löst dieser Wegfall dennoch nicht den Nacherbfall aus, weil die Nacherbschaft beispielsweise an ein bestimmtes Alter geknüpft ist, so geht die daraus entstandene Rechtsstellung zunächst auf die Erben des Vorerben über und erlischt dann erst beim Eintritt des Nacherbfalls in deren Person.

Der Nacherbe erhält mit dem Tod des Erblassers zwar noch nicht das Erbe, allerdings bewirkt der Erbfall einen sog. Voranfall der Nacherbschaft an den Nacherben. Er hat also keine Rechtsposition inne, die ihm zum Besitz oder zur Nutzung der Erbschaft oder einzelner Nachlassgegenstände berechtigt, jedoch erlangt er ein Anwartschaftsrecht an der Erbschaft (nicht jedoch an den einzelnen Nachlassgegenständen), da er mit dem Erbfall eine gesicherte Erwartung hat, mit dem Nacherbfall die Erbschaft zu erlangen (vgl. insoweit auch §§ 2113 bis § 2123 und § 2130 BGB). Dies gilt aber nur insoweit, dass der Erblasser den Vorerben durch Verfügung von Todes wegen nicht von solchen Beschränkungen befreit hat (sog. befreite Vorerbschaft, § 2136 BGB).

Verfügt der Vorerbe dennoch entgeltlich über Nachlassgegenstände, so fällt das Entgelt in den Nachlass (sog. Surrogation gem. § 2111 BGB). Im Übrigen trägt der Vorerbe gem. § 2124 BGB die gewöhnlichen Erhaltungskosten der Erbschaft. Verletzt er jedoch seine Verpflichtungen gegenüber dem Nacherben, macht er sich diesem gegenüber schadensersatzpflichtig. Dabei hat der Vorerbe gem. § 2131 BGB allerdings nur für diejenige Sorgfalt einzustehen, welche er in eigenen Angelegenheiten anzuwenden pflegt.

Der Nacherbe hat keinen Anspruch auf einen Pflichtteil, wenn Vor- und Nacherbe Kinder des Erblassers sind. Es hat nämlich nur derjenige einen Pflichtteilsanspruch, wer durch Verfügung von Todes wegen von der Erbfolge ausgeschlossen ist oder das Erbe ausgeschlagen hat.

Der Nacherbe verliert dann seine Rechte am Nachlass, wenn 30 Jahre seit dem Erbfall verstrichen sind. Nach § 2109 BGB wird der Vorerbe in einem solchen Fall nämlich zum sog. Vollerben.




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Entscheidungen zum Begriff Nacherbe

  • BildLG-BONN, 24.01.2012, 10 O 453/10
    1. Die bei einer Vorerbschaft angefallene Erbschaftssteuer ist eine außerordentliche Last im Sinne des § 2126 BGB. 2. Wird die Steuer erst nach dem Eintritt der Nacherbfolge festgesetzt, muss der Nacherbe den Vorerben von dieser Verbindlichkeit freistellen. 3. Tritt die Nacherbfolge mit dem Tod des Vorerben ein, muss der Nacherbe...
  • BildOLG-MUENCHEN, 12.08.2013, 34 Wx 161/13
    Ist gestaffelte Nacherbschaft angeordnet, so kann beim ersten Nacherbfall der Nacherbe, der einer Verfügung über den der Nacherbfolge unterliegenden Grundbesitz zugestimmt hat, nicht deswegen Grundbuchberichtigung verlangen, weil der Nachnacherbe der Verfügung nicht zugestimmt hat. Die Verfügung bleibt bis zum Nachnacherbfall wirksam.
  • BildOLG-KARLSRUHE, 07.08.2008, 14 Wx 23/08
    1. Zur Auslegung eines Erbvertrags, wonach der darin eingesetzte Vorerbe von gesetzlichen Beschränkungen des § 2113 Abs. 1 BGB befreit sein soll, wenn ein Abkömmling des letztwillig Verfügenden "trotz der im heutigen Erbvertrag angeordneten Pflichtteilsentziehung den Pflichtteil verlangt und durch ein Gericht zugesprochen erhält". 2....
  • BildOLG-KARLSRUHE, 18.02.1999, 19 U 66/98
    Zur Frage der Sittenwidrigkeit eines notariellen Übergabevertrages zwischen einer 73-jährigen Patientin und ihrem Hausarzt, der von der Patientin bereits als Nacherbe nach der zum Zeitpunkt des Übergabevertrages verstorbenen Schwester der Patientin eingesetzt war. Oberlandesgericht Karlsruhe - Urteil vom 18. Februar 1999 - 19 U 66/98...
  • BildKAMMERGERICHT-BERLIN, 11.01.2005, 1 W 124/03
    Eine Gestattung des Erblassers zu getrennter Annahme oder Ausschlagung eines Erbteils gemäß § 1951 Absatz 3 BGB ist jedenfalls dann anzunehmen, wenn der Erblasser einen Erben teilweise zum Erben und teilweise zum Nacherben einsetzt und eine Ersatzerbenanordnung für den Fall trifft, dass der so Bedachte nicht Nacherbe wird.
  • BildBAYOBLG, 01.03.2005, 2Z BR 231/04
    1. Der Vorerbe und der Nacherbe können ohne Zustimmung des Ersatznacherben ein zur Erbschaft gehörendes Grundstück in der Weise auf den Vorerben zu Alleineigentum übertragen, dass das Grundstück aus dem Nachlass ausscheidet und damit von der Nacherbeneinsetzung nicht mehr erfasst wird. 2. In einem solchen Fall kann das Grundbuch nach...
  • BildBAYOBLG, 06.10.2004, 2Z BR 87/04
    1. Der Nacherbe und der Alleinerbe des Vorerben können nicht eine Erbengemeinschaft nach dem Vorerben sein. 2. Erhält ein nicht befreiter Vorerbe im Zug einer Erbauseinandersetzung Alleineigentum an einem zum Nachlass gehörenden Grundstück, so setzt sich die Nacherbenbindung an dem Grundstück fort, sofern die Miterben bei der...
  • BildOLG-OLDENBURG, 29.05.2001, 5 U 181/00
    1) Der Nacherbe ist berechtigt, im Wege der Feststellungsklage die Unwirksamkeit gem. § 2113 BGB einer Verfügung des Vorerben für den Fall des Eintritts der Nacherbfolge geltend zu machen; bei Grundstücksverfügungen kann der Anspruch des Nacherben auf Grundbuchberichtigung nicht vorgemerkt werden. 2) Zu den Voraussetzungen des § 2113...
  • BildOLG-HAMM, 11.10.2013, 10 W 26/13
    Für die Beurteilung der Hoferbfolge mit Eintritt des Nacherbfalls kommt es nicht darauf an, ob die landwirtschaftliche Besitzung, die im Zeitpunkt des Erbfalls ein Hof i.S.d.HöfeO war, bis zum Eintritt des Nacherbfalls die Hofeigenschaft verloren hat. Nacherbe des Hofes wird derjenige, der zum Hoferben des Eigentümers berufen wäre,...
  • BildOLG-BREMEN, 06.11.2003, 2 U 69/03
    1. Veräußert der von der Beschränkung der Verfügungsbefugnis über ein zur Erbschaft gehörendes Grundstück befreite Vorerbe dieses Grundstück und wird der Kaufpreis auf einem Girokonto gutgeschrieben, das der Vorerbe bereits vor dem Erbfall eingerichtet und auch später für nicht mit dem Erbfall in Zusammenhang stehende Rechtsgeschäfte...

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    Erblasser A und B haben ein Berliner Testament mit Einsetzung der einzigen Tochter A als Schlusserbin für die Immobilie und Enkel A für ein Sparbuch. Erblasser A ist bereits verstorben. Erblasserin B (über 90) hat nun durch manipulative Aufforderung von Tochter A die Immobilie an Enkel B übertragen. Tochter A hat auf ihren Pflichtteil...
  • Erbanspruch Vorerbe Nacherbe (23.07.2013, 17:19)
    Gegeben ist folgender fiktiver Fall: Person A verfügt per Testament, dass dessen Kind (Person B) nach dem Tod der Frau (Person C) den Nachlass erben soll. Person B verfügt per Testament, dass dessen Kind (Person D) nach dem Tod der Frau (Person E) den Nachlass erben soll. Nun stirbt zunächst Person B und ein Jahr später Person C. Somit...

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  • Nacherbfall
    Zeitpunkt, zu dem die Erbschaft vom Vorerben auf den Nacherben übergeht.
  • Nachlass
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