Mobbing

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Erklärung zum Begriff Mobbing


Unter Mobbing wird jede Handlung verstanden, die darauf abzielt, eine Person zu schikanieren und ihr seelisches Leid zuzufügen. Mobbing kann an verschiedenen Orten stattfinden, so etwa am Arbeitsplatz, in der Schule oder im Gefängnis. Findet das Mobbing im Internet statt, wird es als Cyber-Mobbing bezeichnet.

1. Wie kann Mobbing erfolgen?

Mobbing muss nicht zwangsläufig nur verbal erfolgen. Es kann sich ebenfalls durch Körpersprache äußern, etwa wenn dem Opfer umgangssprachlich der Vogel gezeigt wird. Auch durch bewusste und provozierende Ignoranz kann bei dem Opfer ein Gefühl des Unwohlseins erzeugt werden. Dasselbe gilt für Mobbing, das in organisatorischer Form ausgeübt wird. Dies ist z.B. dann der Fall, wenn das Opfer zunehmend an seiner Arbeitsstätte degradiert und an immer schlechtere Arbeitsplätze versetzt wird.

2. Wie kann man sich gegen Mobbing wehren?

Wer selbst zum Opfer von Psychoterror wird sollte Möglichkeiten in Betracht ziehen, sich zu wehren. Im ersten Schritt kann dies ein klärendes Gespräch mit dem Täter sein. An dieses sollte mit Ruhe und Vernunft herangegangen werden, um die Situation nicht zum Eskalieren zu bringen. Unbeteiligte können als Vermittler agieren. Handelt es sich um einen Fall von Mobbing am Arbeitsplatz, was in der Praxis mit zu den häufigsten Fällen gehört, und führt das Gespräch nicht zu dem gewünschten Erfolg, kann eine Beschwerde wegen ungerechter Behandlung bei dem Arbeitgeber eingereicht werden. Dieser entscheidet dann, ob die Beschwerden zulässig oder unzulässig ist. Im ersten Fall muss für eine Verbesserung der Arbeitsplatzsituation gesorgt werden. Zudem kann die Möglichkeit bestehen, dass die Mobbinghandlung sogar einen Straftatbestand erfüllt. Dies  ermöglicht dem Opfer die Erstattung einer Anzeige. Erfüllt der Arbeitgeber nicht seine Fürsorgepflicht und hilft dabei, die Mobbinghandlungen zu unterbinden, macht er sich ggf. schadensersatzpflichtig. Auch die Forderung von Schmerzensgeld kann im Raum stehen.

Wichtig ist es, als Opfer so viele Details wie möglich zu sammeln und möglichst alle Mobbinghandlungen aufzuzeichnen bzw. niederzuschreiben. Im besten Fall lassen sich auch Zeugen finden, die die Angriffe bestätigen können um den Aussagen des Opfers an Gewicht zu verleihen.

3. Folgen des Mobbings

Wer wiederholt Schikanen und Misskredit ausgesetzt ist, läuft Gefahr, unter Angstzuständen oder gar Panikattacken zu leiden. Das eigene Selbstbewusstsein leidet und das Opfer beginnt, sich zurückzuziehen und Situationen mit den Tätern aus dem Weg zu gehen, was jedoch in vielen Fällen, insbesondere am Arbeitsplatz und in der Schule nicht leicht ist. Auch Schlafstörungen und Appetitlosigkeit können Folge andauernder Mobbingattacken sein.

Mobbing - Beispiel

Vor dem Landgericht Bonn ging es um einen Fall des Cyber-Mobbings. Zwei 13-jährige Schüler haben ein diffamierendes Video über einen Klassenkameraden erstellt und dieses auf die Videoplattform Youtube hochgeladen. Es ging darin um einen aus Afrika stammenden Klassenkameraden und dessen Familie, die sich rassistischen und sexistischen Äußerungen und Beleidigungen ausgesetzt sahen. Das Opfer erfuhr durch Schulfreunde von dem Video und informierte seine Familie. Daraufhin wurde Anzeige gegen die beiden minderjährigen Schüler erstattet. Daraufhin wurde das Video aus dem Netz entfernt. Die Familie des Mobbingopfers forderte Schmerzensgeld in Höhe von 14.000 Euro sowie die Unterzeichnung einer Unterlassungserklärung. Das Landgericht strebte eine gütliche Einigung an, die von beiden Parteien angenommen wurde. Durch den Vergleich wurde der Familie des Opfers 5.000 Euro Schmerzensgeld zugesprochen. Zudem mussten die verklagten Jugendlichen die geforderte Unterlassungserklärung unterschreiben. [Landgericht Bonn, 08.04.2013, 9 O 433/12]




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Entscheidungen zum Begriff Mobbing

  • BildLAG-BERLIN, 06.03.2003, 18 Sa 2299/02
    Zu den Voraussetzungen eines Schmerzensgeldanspruchs wegen Mobbing
  • BildOVG-NORDRHEIN-WESTFALEN, 12.12.2013, 1 A 71/11
    Einzelfall des von einem Beamten geltend gemachten immateriellen Schadens wegen Verletzung seines allgemeinen Persönlichkeitsrechts durch "Mobbing". Zur Anwendbarkeit des Rechtsgedankens des § 839 Abs. 3 BGB in "Mobbing"-Fällen. Zur Verwirkung von Schadensersatzansprüchen wegen "Mobbing"-Handlungen.
  • BildBAG, 16.05.2007, 8 AZR 709/06
    In Mobbing-Fällen beginnt die Ausschlussfrist wegen der systematischen, sich aus mehreren einzelnen Handlungen zusammensetzenden Verletzungshandlung regelmäßig erst mit der zeitlich letzten Mobbing-Handlung.
  • BildLAG-MUENCHEN, 20.10.2005, 4 TaBV 61/05
    Keine offensichtliche Unzuständigkeit der Einigungsstelle bei angestrebter Betriebsvereinbarung zum Bereich "Mobbing".
  • BildARBG-WUPPERTAL, 01.03.2012, 6 Ca 3382/11
    Entschädigung, Schemerzensgeld, Ersatz materieller und immaterieller Schäden wegen Diskriminierung, Mobbing und Verletzung des Persönlichkeitsrechts
  • BildLAG-KOELN, 21.04.2006, 12 (7) Sa 64/06
    Zur Darlegungs- und Beweislast bei der Geltendmachung von Schadensersatzansprüchen wegen Mobbing.
  • BildOVG-NORDRHEIN-WESTFALEN, 24.06.2011, 6 B 445/11
    Erfolgloser Antrag eines Polizeihauptkommissars auf Erlass einer einstweiligen Anordnung mit dem Ziel, den Dienstherrn zu verpflichten, Mobbing-Handlungen zu unterlasen.
  • BildVG-GELSENKIRCHEN, 19.10.2010, 12 K 3063/09
    Mobbing, bei dem es sich überlicherweise um eine Mehrzahl kleinerer Ereignisse handelt, vermag regelmäßig einen Dienstunfall nicht zu begründen.
  • BildLAG-KOELN, 10.03.2008, 14 Sa 1251/07
    Begehrt ein Arbeitnehmer Schadensersatz wegen einer arbeitgeberseitigen Kündigung, die er auf Mobbing des Arbeitgebers zurückführt, muss er die Kündigung rechtzeitig innerhalb der dreiwöchigen Klagefrist angreifen.
  • BildLAG-KOELN, 03.06.2004, 5 Sa 241/04
    Für Schadensersatzansprüche eines Arbeitnehmers wegen Mobbing beginnt die tarifliche Verfallfrist gemäß § 70 BAT spätestens mit dem Ausscheiden des Arbeitnehmers aus dem Arbeitsverhältnis.

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