Miterben

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Erklärung zum Begriff Miterben

In aller Regel wird bei einem Todesfall das Erbe des Verstorbenen, des Erblassers, an eine Erbengemeinschaft gehen. Die Mitglieder dieser Erbengemeinschaft nennt man Miterben.

Die Miterbengemeinschaft versteht sich als Gesamthandgemeinschaft. So können die Mitererben über die Gegenstände des Nachlasses lediglich gemeinsam verfügen, jeder der Erben ist angehalten, so steht das in § 2038 BGB, zum Wohle der Erbmasse zu handeln. Das ist nun in der Realität sehr schwierig, da jeder seine eigenen Interessen vertritt. Erbrechtsprozesse sind mit die langwierigsten und kostenintensivsten Art von Prozessen, was natürlich nur geeignet ist, die Erbmasse nachhaltig zu schädigen. Ist ein Testamentsvollstrecker eingesetzt, wird der sich um die Angelegenheit kümmern, denn nicht Bruchteile des Erbes gehören Einzelnen, sondern die Gesamtheit des Erbes allen. 

Miterben und Schulden

Die unangenehme Seite einer Erbschaft können die auf dem Vermögen lastenden Schulden sein. Die Miterben sind nach dem Tod als Gesamtschuldner haftbar. Es ist jedem Miterben möglich, die Erbengemeinschaft sozusagen zu sprengen und eine Nachlassverteilung zu verlangen. Hier ist die Schließung eines Auseinandersetzungsvertrages die übliche Lösung. Kommt die gesetzliche Erbfolge zum Tragen, könnten Miterben der Verpflichtung nachkommen müssen, Leistungen, die sie vor dem Tod des Erblassers erhalten haben, auszugleichen. Geregelt ist dies in § 2050 I BGB, der die Frage der zu Lebzeiten des Erblasser erhaltenen „Ausstattung“ regelt. In § 2057 BGB findet sich die Formulierung „Jeder Miterbe ist verpflichtet, den übrigen Erben auf Verlangen Auskunft über die Zuwendungen zu erteilen, die er nach den §§ 2050 bis 2053 BGB zur Ausgleichung zu bringen hat. Die Vorschriften der §§ 260, 261 BGB über die Verpflichtung zur Abgabe der eidesstattlichen Versicherung finden entsprechend Anwendung.“

Lebensgefährten

Ein Lebenspartner, der nicht verheiratet mit dem Verstorbenen war, hat nur über ein Testament Anspruch auf das Erbe. Ist kein Testament vorhanden, können es sehr entfernte Verwandte sein, die erben, oder gar der Staat. Auch stellt die Gesetzgebung eine weitere Hürde auf. Ein äußerst niedriger Freibetrag von gerade einmal 5200 Euro lässt manche Erbschaft wenig attraktiv erscheinen. Bei Erblassern, die unverheiratet geblieben sind, besitzen die Kinder beziehungsweise die Eltern eine Pflichteilberechtigung, nicht aber die Geschwister.




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Entscheidungen zum Begriff Miterben

  • BildOLG-CELLE, 21.11.2002, 6 U 43/02
    Früchte seit dem Erbfall stehen nicht nur dem durch Vorausvermächtnis bedachten Miterben zu, sondern auch dem durch Teilungsanordnung bevorzugten Miterben.
  • BildBGH, 25.06.2003, IV ZR 285/02
    Macht der Testamentsvollstrecker eines Miterben eine Nachlaßforderung gegenüber einem anderen Miterben ohne Erfolg gerichtlich geltend und werden ihm deshalb die Prozeßkosten auferlegt, kann er grundsätzlich deren Erstattung von den Miterben einschließlich des Prozeßgegners verlangen.
  • BildBVERWG, 31.08.2005, BVerwG 8 C 11.05
    Verzichteten in der DDR verbleibende Miterben in zeitlichem Zusammenhang mit dem Verzicht eines ausreisewilligen Miterben auf ihr durch die Erbengemeinschaft gesamthänderisch gebundenes Eigentum an einzelnen Vermögenswerten, so spricht der Beweis des ersten Anscheins dafür, dass die Nötigung des ausreisewilligen Miterben kausal für den...
  • BildVG-GOETTINGEN, 31.03.2004, 2 B 306/03
    Zum Ausgleichsbetrag gem. § 154 BauGB können Miterben als Gesamtschuldner herangezogen werden.
  • BildOLG-FRANKFURT-AM-MAIN, 23.03.2012, 19 W 2/12
    Eine Klage gem. § 2039 BGB ist wegen Rechtsmissbrauchs unzulässig, wenn die Miterben der Klageerhebung widersprochen haben.
  • BildBVERWG, 30.06.2005, BVerwG 7 C 15.04
    Haben die übrigen Miterben eines verstorbenen Geschädigten vor In-Kraft-Treten des Vermögensgesetzes ihre Anteile an dem Nachlass des Geschädigten einem Miterben übertragen, ist allein dieser Miterbe Berechtigter im Sinne des § 2 Abs. 1 Satz 1 VermG.
  • BildOLG-FRANKFURT, 24.02.2003, 20 W 489/02
    Bei einer ungeteilten Erbengemeinschaft hat der einzelne Miterbe gegen den Willen der anderen Miterben Miterben keinen Anspruch auf Auszahlung eines Kaufpreisanteils hinsichtlich eines von der Erbengemeinschaft aus der Erbmasse verkauften Grundstücks.
  • BildOLG-NAUMBURG, 30.06.2004, 1 AR 17/04 (Zust)
    Der erweiterte Gerichtsstand der Erbschaft erfasst auch Streitigkeiten unter den Miterben, wenn Anlass des Ausgleichsanspruchs eine Nachlassverbindlichkeit ist (hier: Pflichtteilsanspruch eines Dritten) und die Miterben für diese Nachlassverbindlichkeit gesamtschuldnerisch einzustehen haben.
  • BildOLG-KARLSRUHE, 02.10.2002, 15 AR 35/02
    1. Für Beerdigungskosten gilt der besondere Gerichtsstand des § 28 ZPO. 2. § 28 ZPO erfasst auch Rechtsstreitigkeiten unter Miterben.
  • BildBGH, 27.10.2004, IV ZR 174/03
    Anteile von Miterben, die aus einer fortbestehenden Erbengemeinschaft durch Teilauseinandersetzung ausscheiden, wachsen den in der Erbengemeinschaft verbleibenden Miterben im Verhältnis ihrer bisherigen Anteile an (Bestätigung von BGHZ 138, 8, 11).

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  • Miterbe
    Hinterlässt ein Erblasser mehrere Erben, sind diese Miterben. Die Miterben bilden eine Erbengemeinschaft. Der Nachlass wird mit dem Erbfall gemeinschaftliches Vermögen der Miterben.
  • Mitvermächtnis
    Vermächtnis, das mehreren Vermächtnisnehmern zugewandt ist.
  • Nacherbe
    Der Rechtsbegriff Nacherbe ist im § 2100 BGB [Bürgerliches Gesetzbuch] legaldefiniert, d.h. seine Definition erfolgt in gesetzlicher Form. Nach § 2100 BGB ist der Nacherbe derjenige, der erst dann Erbe wird, nachdem zuvor eine andere Person...
  • Nacherbfall
    Zeitpunkt, zu dem die Erbschaft vom Vorerben auf den Nacherben übergeht.
  • Nachlass
    Nachlass meint grundsätzlich das Vermögen des Erblassers als Ganzes im Zeitpunkt des Erbfalls (vgl. § 1922 BGB [Bürgerliches Gesetzbuch]) und umfasst dabei sowohl die Aktiva als auch die Passiva. Zum Nachlass können aber auch verschiedene...
  • Nachlassgericht
    Bei dem Nachlassgericht handelt es sich um das Amtsgericht das für die mit einem Erbfall zusammenhängenden Angelegenheiten zuständig ist (sog. Nachlasssachen). Örtlich zuständig ist dabei in Regel das Amtsgericht, in dessen Bezirk der...

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