Mehrarbeit

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Erklärung zum Begriff Mehrarbeit

Die Mehrarbeit, auf Englisch „surplus labour“, definiert sich nach der „Kritik der politischen Ökonomie“ von Karl Marx als die über die zum Leben benötigte notwendige Arbeit hinausgehende Arbeit, die sich in Gestalt eines Mehrwerts zeigt. Gemeinhin nennt man Mehrarbeit auch Überstunden. Dies ist die Zeit, über die man die tariflich, vertraglich vereinbarte Regelarbeitszeit überschreitet. Das Arbeitsrecht in der Bundesrepublik definiert Mehrarbeit als die Zeit, die über die gesetzliche Arbeitszeit von 8 Stunden hinausgeht. Mehrarbeit ist grundsätzlich freiwillig. Es kann jedoch durchaus Ausnahmen geben, etwa in Notfallsituationen. Hier kommt die sogenannte Treuepflicht zum Tragen. Treu und Glauben (aus dem römischen Recht, bona fides) bezeichnen in der Rechtswissenschaft das Handeln und  Verhalten eines redlichen Menschen.

Pflicht zur Mehrarbeit

Ist eine solche Verpflichtung nicht nachdrücklich in Arbeitsvertrag, Tarifvertrag oder Betriebsvereinbarung verankert, muss lediglich die herkömmliche Arbeitszeit abgeleistet werden. Jedoch kann ein Mitarbeiter, der sich mehrmals weigert, Mehrarbeit abzuleisten oder Überstunden zu machen, wegen Arbeitsverweigerung die Kündigung erhalten. Der § 124 SGB IX erlaubt es Behinderten von Mehrarbeit befreit zu werden. In aller Regel ist es nicht gestattet, die im ArbZG definierten Höchstarbeitszeiten zu überschreiten. Es gibt eine zulässige Höchstarbeitszeit. Wird diese überschritten, existiert ein Beschäftigungsverbot – der Arbeitnehmer kann die Arbeit also diesbezüglich verweigern. Die Wochenarbeitszeit nach § 3 ArbZG ist 48 Stunden. Sie kann auf 60 Stunden pro Woche erhöht werden, wenn nicht in 6 Monaten der Durchschnitt der werktäglichen Arbeitszeiten von 8 Stunden überschritten wird. Es existieren Ausnahmen durch Betriebs- oder Dienstvereinbarungen, Tarifverträge.

Gesundheitliche Folgen

Eine britische Studie beweist, dass das Risiko einen Herzinfarkt zu erleiden, durch Überstunden tendenziell anwächst. Das Risiko ist um 60 Prozent höher. Die meisten Menschen, die Überstunden leisten, so die Wissenschaft, seien Menschen mit Typ A Verhalten. Das meint Menschen mit hoher Bereitschaft zur Konkurrenz aber auch Abgespanntheit. Die Überstunden würden zu Angstgefühlen, Schlafdefiziten und Depressionen führen.




Mitwirkende/Autoren:
Erstellt von , 09.11.2015 14:38
Zuletzt editiert von JuraforumWiki-Redaktion, 09.11.2015 14:38


 
 

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Entscheidungen zum Begriff Mehrarbeit

  • BildBVERWG, 29.04.2004, BVerwG 2 C 9.03
    Die von einem Beamten in Bereitschaftsdienst geleistete Mehrarbeit ist weder nach nationalem Recht noch nach Gemeinschaftsrecht wie Mehrarbeit in "Volldienst" zu vergüten.
  • BildVGH-BADEN-WUERTTEMBERG, 11.12.1997, 4 S 2759/95
    1. Mehrarbeit des Beamten ist nur vergütungspflichtig und damit auch vergütungsfähig, wenn sie ausdrücklich als solche, also als Mehrarbeit, angeordnet worden ist.
  • BildLAG-MUENCHEN, 15.02.2007, 4 Sa 1163/06
    Darlegungs- und Beweislast beim Anspruch auf Vergütung von Überstunden/Mehrarbeit - Einzelfallentscheidung.
  • BildLAG-DUESSELDORF, 14.01.1999, 13 Sa 1291/98
    In Freizeit ausgeglichene Mehrarbeit ist nach der tariflichen Regelung bei der Berechnung des Urlaubsentgelts nicht mitzuberücksichtigen.
  • BildBVERWG, 29.04.2004, BVerwG 2 C 10.03
    Die von einem Beamten in Bereitschaftsdienst geleistete Mehrarbeit ist weder nach nationalem Recht noch nach Gemeinschaftsrecht wie Mehrarbeit in "Volldienst" zu vergüten (wie Urteil vom 29. April 2004 - BVerwG 2 C 9.03 -).
  • BildLAG-KOELN, 17.01.2012, 11 TaBV 80/10
    Die ersatzlose, endgültige Absage geplanter Mehrarbeit fällt nicht in den Anwendungsbereich des § 87 Abs. 1 Nr. 2, Nr. 3 BetrVG.
  • BildLAG-MUENCHEN, 14.04.2005, 4 Sa 1258/04
    Anspruch auf Überstundenvergütung - Anforderungen an die erforderliche "Anordnung" geleisteter Überstunden, auch hinsichtlich einer vom Arbeitgeber verlangten vorherigen Genehmigung von Mehrarbeit
  • BildBSG, 25.06.1999, B 7 AL 16/98 R
    Ist der Fernverkehrsfahrer arbeitsvertraglich verpflichtet, alle erforderlichen Fuhren zu fahren, dann spricht vieles dafür, daß Zuschläge für "Mehrarbeit" ein Teil des normalen Arbeitsentgelts sind.
  • BildLAG-HAMM, 28.05.2013, 1 Ca 137/13
    Die Anordnung von Mehrarbeit - auch für einen längeren Zeitraum - unterliegt weder der Befristungskontrolle gem. § 14 Abs. 1 TzBfG noch der Inhaltskontrolle gem. §§ 307 ff BGB
  • BildLAG-KOELN, 12.03.2012, 2 Sa 998/11
    Wird regelmäßig anfallende Mehrarbeit in Freizeit abgegolten, zählen die betroffenen Mitarbeiter nach § 23 KSchG mit ihrem vertraglichen Beschäftigungsanteil. Durch den Freizeitausgleich erhöht sich die Betriebskapazität nicht.

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