Kunstfehler

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Erklärung zum Begriff Kunstfehler

Inhaltsverzeichnis

Ein Behandlungsfehler wird umgangssprachlich oftmals  als Kunstfehler bezeichnet. Die Erklärung ist das lateinische „lege artis“ oder das englische „state of art“, was „Regeln der ärztlichen Kunst“ bedeutet.

Über Kunst lässt sich immer streiten, ein Fehler stellt einen unerwünschten Unterschied dar, zwischen dem berechneten, gemessenen oder auch beobachteten Zustand einer Sache oder Angelegenheit, und den festgelegten oder wahren oder eigentlich korrekten Vorgängen und Zuständen. Ein Kunstfehler ist nach dem Wissenschaftler Rudolf Virchow die „Gesundheitsschädigung eines Patienten aus Mangel an Aufmerksamkeit oder Vorsicht und zuwider allgemein anerkannten Regeln der Heilkunde“. Der Paragraph 630a des BGB (§ 630a BGB) definiert einen Behandlungsfehler als eine medizinische Behandlung, die nicht den zum Zeitpunkt der Behandlung bestehenden, allgemein anerkannten Standard befolgt, dann, wenn nichts anderes vertraglich vereinbart worden ist.

Fehlerarten

Ein Kunstfehler resultiert aus einem Tun oder Lassen, eine dualistische Sache. Grundlage sind gesicherte medizinische Erkenntnisse, elementare medizinische Grundregeln, der Zugang zu Leitlinien oder Richtlinien, ausdrücklichen Handlungsanweisungen. Der grobe Behandlungsfehler liegt vor, wenn der Arzt ganz ohne Zweifel gegen Behandlungsregeln und Erkenntnisse verstoßen hat, sodass es nicht mehr verständlich ist, angesichts der Qualifikation, die der Arztberuf zwangsläufigerweise mit sich bringen sollte. Ein Kunstfehler kann zur strafrechtlichen, zivil- oder ordnungsrechtlichen Haftung des Arztes, des Behandelnden führen. Der Fehler kann durchaus unterschiedlich geartet sein. So kann es ein Fehler rein medizinischen Charakters sein, genauso gut eine fehlgeschlagene organisatorische Maßnahme oder aber falsches Verhalten Nachgeordneter. Auch die unvollständige, nicht verständliche, irreführende oder gar falsche Aufklärung, Sicherungsaufklärung, therapeutische Aufklärung, kann als Behandlungsfehler gewertet werden. Der Behandelnde oder Arzt, der Vertragspartner im abgeschlossenen Dienstvertrag, ist dem Patienten eine Behandlung ohne Fehler schuldig. Einschränkungen finden sich hier im Implantationsverfahren bei Zahnärzten. Hier ist zu unterscheiden, ob es sich um einen Dienstvertrag im medizinischen Sinne oder aber einen Werkvertrag über zahntechnische Leistungen handelt.

Ursachen

Für jeden Kunstfehler kann es selbstverständlich unendlich viele Gründe geben. Medizinische Unzulänglichkeit, eine mangelnde Fehlerkultur, die Tabuisierung von Fehlern bei der Behandlung, fehlende Analyse und Kommunikation hin zu Vermeidungsstrategien. Auch die Verwechslung bei der Medikation oder, gerade in den letzten Jahren, eine übermäßige Arbeitsbelastung der Behandelnden. Auch Unklarheit über die jeweiligen Verantwortlichkeiten kann ohne weiteres zu einem Kunstfehler führen. Die Änderungen, die mit der Novellierung des Patientenrechts einhergingen, sollen nun die Patientensicherheit stärken.




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