Korrespondenzanwalt

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Erklärung zum Begriff Korrespondenzanwalt

Früher war die Einschaltung eines Korrespondenzanwalts erforderlich, wenn die Zulassung zum zuständigen Prozessgericht vor Ort fehlte. Seit der § 78 ZPO neu geregelt wurde und die Singularzulassung von Rechtsanwälten lediglich für den BGH noch vorgesehen ist, wird diese Form der anwaltlichen Zusammenarbeit heute primär genutzt, wenn der Ort der Verhandlung weit vom Heimatort des Mandanten und des Hauptbevollmächtigten entfernt ist oder der Verkehrsanwalt zeitlich verhindert ist.

Wann wird ein Korrespondenzanwalt beauftragt?

Ein Korrespondenzanwalt wird in der Regel dann beauftragt, wenn der jeweilige Rechtsfall nicht am bzw. in großer Entfernung zum Wohnsitz eines Mandanten verhandelt wird. Heute handelt es sich in der Regel um einen zwischengeschalteten Rechtsanwalt, der als Unterbevollmächtigter vor Gericht  auftritt und auch Verhandlungen mit der gegnerischen Partei vor Ort führt. Da es aufgrund der räumlichen Distanz zu Kommunikationsproblemen (z. B. bei der Übersendung von Informationen, Unterlagen etc.) zwischen den beteiligten Parteien kommen kann, regelt der Korrespondenzanwalt den Schriftverkehr zwischen den Beteiligten und ist vermittelnd tätig. Er ist mit den Einzelheiten des Rechtsfalls vertraut und vertritt die Rechtsinteressen des Mandanten, er übernimmt auch die Verteidigung vor Gericht.

Wie wird ein Korrespondenzanwalt vergütet?

Der Korrespondenzanwalt erhält gemäß RVG Nr. 3400 VV für seine Tätigkeit eine Verkehrsgebühr in Höhe von max. 1,0. Diese kann sich jedoch bei einer vorzeitigen Erledigung des Verfahrens auf eine Gebühr in Höhe von 0,8 reduzieren oder bei der Vertretung von mehreren Auftraggebern entsprechend erhöhen. Hat der Korrespondenzanwalt an einer Einigung zwischen den Prozessparteien mitgewirkt, hat er zudem Anspruch auf eine Einigungsgebühr. Auch seine Auslagen sind ihm zu erstatten. Sofern ein ausländischer Korrespondenzanwalt beauftragt wird, sind die Gebühren gemäß eines BGH-Urteils (08.03.2003, VIII ZB 55/04) entsprechend den Gebühren eines deutschen Rechtsanwalts zu erstatten.

In der Praxis ist eine Gebührenteilung die Regel. Rechtsschutzversicherungen übernehmen die durch die Einschaltung eines Korrespondenzanwalts zusätzlich entstehenden Gebühren nur dann, wenn der Versicherungsnehmer vom zuständigen Prozessgericht mehr als 100 km Luftlinie entfernt wohnt.



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Häufige Rechtsfragen zum Thema

  • Benötige einen Anwalt, jedoch sehr große Entfernung zwischen Wohnort und "Ort des Geschehens" Elma01 schrieb am 20.01.2018, 23:23 Uhr:
    Hallo.Folgende Situation:Mal angenommen, es wird ein Anwalt benötigt, für eine Sache die sich jedoch knapp 1000 Kilometer entfernt abspielt. Dort werden auch eventuelle Gerichts- und Behördentermine statt finden.Wäre es in diesem Fall besser, einen Anwalt zu nehmen, der am entfernten Ort ansässig ist oder kann man auch einen Anwalt am... » weiter lesen
  • Unterhaltsbetrug: Konto im Ausland barros19xx schrieb am 12.10.2015, 23:58 Uhr:
    Hallo,die Unterhaltsthematik steht hier im Hintergrund. Sie ist lediglich die "Bühne", auf der sich das Ganze abspielt. Es ist mir schwergefallen, ein geeignetes Forum für dieses Thema auszuwählen. Sollte es woanders hingehören, so bitte ich um einen Verweis.Im folgenden handelt es sich um Person X (Unterhaltspflichtige) und Person Y... » weiter lesen
  • Vorgehensweise Anwalt Natschi74 schrieb am 08.06.2015, 15:33 Uhr:
    Hallo zusammen,ich habe folgende 2 Fragen:Es geht um einen Arbeitsrechtstreit, bei dem ein Vergleich geschlossen wurde. Schlußendlich wurde aus Sicht des Klägers ein Passus des Vergleichs nicht entsprechend angewandt. Es bedurfte einer weiteren Klage zur Festsetzung wie dieser Passus auszulegen sei. Dies geschah vor dem gleichen... » weiter lesen
  • Wer wählt den Korrespondezanwalt am Gerichtsort aus? iami schrieb am 01.07.2014, 09:43 Uhr:
    Am Gerichtsort wird wegen der weiten Entfernung des Prozessbevollmächtigten ein Korrespondenzanwalt benötigt. Der Prozessbevollmächtigte hat einen bekannten Kollegen ausgewählt und der Mandant hat seinerseits eine Kanzlei vorschlagen, die dem er aus einem anderen Verfahren ein Vertrauensverhältnis hat. Wer hat das letzte Wort, wenn der... » weiter lesen
  • Software-Lizenz über dritte Person vertreiben cobain schrieb am 13.11.2012, 20:50 Uhr:
    Hallo ihr Juraprofis, Nehmen wir mal an jemand hat eine Software entwickelt und kann diese aufgrund der Rechtslage nicht in seinem eigenen Land Lizenzen im Monat dafür vermieten. Man sucht sich eine Person im Ausland, welche eine Ltd. hat, die einem anbietet darüber Lizenzen zu verkaufen. Diese Person wird mit einem geringen Anteil... » weiter lesen
  • Privat inso + zivilrechtliche Maßnahmen landship schrieb am 06.11.2012, 12:16 Uhr:
    kennt sich damit jemand aus? Sagen wir mal jemand ist in Privatinsolvenz, das Insolvenzverfahren nehmen wir mal an seit einem halben Jahr eröffnet worden ist, kann gegen denjenigen, wenn er deutlich DANACH neue Schulden macht ein gerichtlicher Mahn-/Vollstreckungsbescheid beantragt und auch erfolgreich durchgesetzt werden? Wie ist... » weiter lesen
  • Klage durch auswärtigen Anwalt logos schrieb am 27.01.2010, 14:30 Uhr:
    Von einer Privatperson soll gegen eine Versicherung AUSKUNFTSKLAGE beim Amtgericht erhoben werden. Unklar dazu: 1. Kann ein auswärtiger Anwalt direkt Klage einreichen, oder geht das nur über einen lokalen Korrespondenzanwalt, d.h. mit zusätzlichen Anwaltskosten, die auch im Erfolgsfall nicht erstattet würden? 2. Nach § 215... » weiter lesen
  • Rechtsschutzversicherung lehnt Reisekosten für RAW ab Hermelinchen schrieb am 07.03.2008, 08:43 Uhr:
    Mal angenommen,ein Dresdner Ehepaar hätte sich vor Jahren an einem geschlossenen Immobilienfonds beteiligt,der inzwischen Schrott ist und würde deshalb rechtliche Maßnahemen ergreifen.Natürlich würden sie eine Rechtsschutzversicherung haben. Nach gründlicherer Recherche würden sie nun einen Stuttgarter Anwalt ausfindig machen,der mit... » weiter lesen


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Korrespondenzanwalt Urteile und Entscheidungen

  • BildWird für den Korrespondenzanwalt nur die Korrespondenzgebühr (Kostenrechnung siehe § 18 Abs.2 BRAGO ) angemeldet, so hat das Gericht nicht zu prüfen, ob daneben in dessen Person die Beweisgebühr und Verhandlungsgebühr (nachträgliche Anordnung des schriftlichen Verfahrens (gem. § 35 BRAGO) entstanden sind.

    » OLG-KOBLENZ, 21.02.2001, 14 W 118/01
  • BildWird ein Terminsverlegungsantrag des nach § 121 ZPO beigeordneten Rechtsanwalts zurückgewiesen, obwohl dieser durch einen früher anberaumten, nicht zu verlegenden Termin an der Vertretung der nicht bemittelten Partei im Termin gehindert ist und auch alle Sozien verhindert/urlaubsabwesend sind, so ist der nicht bemittelten Partei...

    » LAG-NIEDERSACHSEN, 12.07.2006, 10 Ta 351/06
  • BildZur Frage, inwieweit ein Rechtsanwalt seinen Mandanten gebührenrechtlich aufklären muß, wenn er einen Korrespondenzanwalt beauftragt, der aufgrund eigener Postulationsfähigkeit auch als Prozessbevollmächtigter hätte tätig werden können.

    » OLG-SCHLESWIG, 22.08.2002, 11 U 30/01

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