Konzern

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Erklärung zum Begriff Konzern

Im umgangssprachlichen Sinne wird der Begriff „Konzern“ meist als Synonym für ein Großunternehmen verwendet. In Fachkreisen allerdings werden nur solche Firmen mit diesem Begriff bezeichnet, die durch den Zusammenschluss mindestens eines abhängigen Unternehmens unter der wirtschaftlichen Führung eines leitenden Unternehmens entstehen. Jedes der zugehörigen Konzernunternehmen tritt dafür die finanzielle und wirtschaftliche Unabhängigkeit ab. Trotzdem muss jedes Konzernunternehmen eine eigene Bilanzierung und Gewinnermittlung vornehmen. Die konzernangehörigen Unternehmen bleiben rechtlich gesehen selbständig und werden gemeinhin auch als Konzernunternehmen bezeichnet. Das leitende Hauptunternehmen eines Konzerns wird als Mutterkonzern und die davon abhängigen Unternehmen als Tochterunternehmen bezeichnet.

I. Verstoß gegen Arbeitnehmerüberlassungsgesetz durch konzerninterne Leiharbeitnehmer

Mit Beschluss aus dem Jahr 2008 urteilte das Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein, dass eine konzerninterne Arbeitnehmerüberlassung einen Verstoß gegen das Arbeitnehmerüberlassungsgesetz darstellt. Im vorliegenden Fall hatte ein Unternehmen eine konzerninterne Gesellschaft zur Arbeitnehmerüberlassung gegründet, welche ausschließlich nur eigene Leiharbeiter beschäftigen sollte, welche zu wesentlich schlechteren Konditionen bezahlt werden sollten, als die eigene Stammbelegschaft [LAG Schleswig-Holstein, 18.06.2008, 3 TaBV 12/08, 3 TaBV 08/08].

II. Betriebswirtschaftliche Differenzierung

In der Betriebswirtschaft wird eine Differenzierung zwischen vertikalem, horizontalem und lateralem Konzernstrukturen vorgenommen.  

  • Vertikaler Konzern:

Hier wurden Unternehmen miteinander verbunden, die aufeinanderfolgende Wertschöpfungsketten besitzen und benötigte Produkte/Leistungen selbst innerhalb des Konzerns erbringen oder herstellen lassen. Dadurch müssen keine Produkte externer Firmen zugekauft werden. So könnte ein Unternehmen des Verbundes  z.B. selbst Erdöl fördern, um das Erdöl dann in einem Tochterkonzern zu Plastik zu verarbeiten, welches in einem dritten Tochterkonzern zu Verpackungsmaterial verarbeitet wird.

  • Horizontaler Konzern:

In horizontalen Konzernen besitzen alle zugehörigen Unternehmen die gleiche Handels- und Produktionsstufe. Alle Tochterunternehmen versuchen einen möglichst großen Bereich mit einem bestimmten Produkt abzudecken, um dadurch eine Monopolstellung zu erreichen. So könnte ein Brauereikonzern in verschiedenen Tochterunternehmen unterschiedliche Biermarken herstellen, um eine möglichst hohe Verbreitung der Produkte zu ermöglichen.

  • Lateraler Konzern:

Von einem lateralen Konzern spricht man, wenn es sich um einen Mischkonzern handelt, bei welchem die Unternehmen untereinander nur über begrenzte Geschäftsbeziehungen verfügen. Die jeweiligen Unternehmen sind in ganz unterschiedlichen Geschäftsbereichen tätig. So könnte es beispielsweise aus Unternehmen bestehen, bei denen ein Tochterkonzern Lebensmittel produziert, während ein anderer Tochterkonzern Ersatzteile für die Automobilindustrie herstellt.




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  • BildLAG-NIEDERSACHSEN, 18.03.2002, 11 TaBV 58/01
    Die Entgeltsgruppe E 9 des Konzern ETV erfordert kumulativ als drittes Eingruppierungsmerkmal, dass es sich um Tätigkeiten handelt, die nur nach Abschluss einer Fachhochschulausbildung ausgeübt werden können.
  • BildAG-DORTMUND, 08.08.2012, 425 C 6285/12
    Ein gewerblicher Großvermieter hat keinen Anspruch auf Erstattung von Inkassokosten, die bei einem zum Konzern des Vermieters gehörenden Inkassoinstitut angefallen sind.
  • BildLAG-MUENCHEN, 26.04.2007, 4 TaBV 123/06
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    (Kein) Abfindungsanspruch aus einer Sozialplan-Betriebsvereinbarung, die die ehemalige Konzern(groß)muttergesellschaft der Arbeitgeberin des klagenden Arbeitnehmers mit eigenen Betriebsräten und gleichzeitig mit Betriebsräten (ehemaliger) Konzerntochtergesellschaften, darunter der ehemaligen Arbeitgeberin der Klagepartei, abgeschlossen...

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