Kommanditgesellschaft auf Aktien

Lexikon | Jetzt kommentieren

Erklärung zum Begriff Kommanditgesellschaft auf Aktien

Die Rechtsform „Kommanditgesellschaft auf Aktien“ für Unternehmen, KGaA abgekürzt, kennt man auch als GmbH & Co KGaA, als AG&Co KGaA. Sie verbindet Grundzüge der Kommanditgesellschaft mit solchen der Aktiengesellschaft.

Im Grunde kann man sie als Aktiengesellschaft beschreiben, bei der es an der Stelle des Vorstandes persönlich haftende Gesellschafter, sogenannte 'Komplementäre' gibt. Die jeweiligen Anteile der nur zu einem Teil ihres Vermögens haftenden Kommanditisten finden sich nochmals in Aktien aufgesplittet.

Die KGaA definiert sich als rechtsfähige, juristische Person in Form einer Kapitalgesellschaft mit Merkmalen einer Personengesellschaft. Die KgaA als juristische Person ist Kaufmann im Sinne des Handelsgesetzbuches, sie ist eine Handelsgesellschaft.

Komplementäre und Grundkapital

Eine KGaA wird immer aus Komplementären, also persönlich haftenden Gesellschaftern und Kommanditaktionären, also denjenigen, die das Grundkapital aufbringen, bestehen. Dieses Grundkapital hat eine Höhe von mindestens 50 000 Euro zu haben. Der Vorteil einer Kommanditgesellschaft ist die Verbindung einer starken Kapitalbasis mit der persönlichen Anbindung der Gesellschafter. So ist eine Fremdfinanzierung möglich, ohne dass Entscheidungskompetenz beziehungsweise Geschäftsführung verloren gehen.

GmbH & Co. KGaA

Bei der Kommanditgesellschaft auf Aktien werden die Komplementäre immer umfänglich mit ihrem persönlichen Vermögen haften. Deswegen erfreute sich diese Rechtsform der Gesellschaft nicht gerade großer Beliebtheit. In 1997 änderte sich dies. Die Kommanditgesellschaft auf Aktien war nun in ihrer Rechtsform erweiterbar. Es ist nunmehr möglich, statt des persönlich haftenden Komplementärs eine GmbH einzusetzen. Also eine Gesellschaft, die nur zu beschränkter Haftung verpflichtet ist. In dieser Gestaltungsform ist die Haftungsfrage also auf eine berechenbare Größe reduziert.

Grundstruktur der KGaA

Grundsätzlich gibt es zwei Gesellschaftertypen. Die Komplementäre, auch Gesellschafter genannt, sind nach den §§ 161 Absatz 2; § 115 und § 116 sowie dem § 125 geschäftsführungsbefugt als auch vertretungsbefugt. Sie unterliegen nach dem § 278 Absatz 2 AktG in wesentlichen Teilen dem Personengesellschaftsrecht. Die Kommanditaktionäre haben nach§ 278 Absatz 3 AktG  die gleichen mitgliedsschaftlichen Rechte wie sie die Aktionäre einer AG haben. Es besteht die Möglichkeit über die Formulierung der Satzung einzelne Gesellschafter, die persönlich haften, von der Vertretung und von der Geschäftsführung auszuklammern. Die persönlich haftenden Gesellschafter, die Komplementäre, bringen das Grundkapital der Kommanditgesellschaft aA auf, dieses ist in Aktien aufgesplittet. Sie haften über ihre Einlage hinaus nicht für Forderungen, die sich gegen die Gesellschaft ergeben.

Vor- und Nachteile einer Kommanditgesellschaft auf Aktien

Ein genereller Vorteil ist sicherlich, dass die Kommanditgesellschaft auf Aktien als ausgesprochen übernahmeresistent eingeschätzt wird. Es steht ebenfalls fest, dass die Kapitalbeschaffung wesentlich einfacher ist, als sie sich bei einer herkömmlichen Kommanditgesellschaft gestaltet. Auch wenn hier große Kapitalanlagen eingelegt werden, ist eine persönliche Verbindung des Unternehmers an die Gesellschafter gegeben. Auch wenn beschlossen wird, weitgehende Teile des Grundkapitals des Unternehmens an den Aktienmarkt zu werfen, haben beispielsweise in einem alteingesessenen Familienunternehmen die Eigentümer die Möglichkeit, einen großen Teil ihres Kontrolleinflusses zu bewahren. Die Nachteile einer KGaA sind offensichtlich. Wie oben bereits erwähnt, wird der Komplementär mit seinem gesamten Vermögen, einer vermutlich hohen Kapitalanlage, für Verluste des Unternehmens haften. Durch die Möglichkeit, eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung an die Stelle des Komplementärs zu setzen, ist die Kompletthaftung einer Person ausgeschlossen. Ein Nachteil der zu sehen ist, wird die fehlende Einflußnahmemöglichkeit der Kommanditaktionäre sein. Ein Nachteil könnte ferner sein, dass neben dem relativ hohen Anfangskapital, das zur Gründung einer solchen Gesellschaft notwendig ist, die Möglichkeit besteht, dass, wenn eine GmbH an Stelle des Komplementärs tritt, die Struktur, die Organisation der GmbH, von außen nicht mehr definierbar wird.

Zuständigkeitsverteilung in einer KGaA

Wenn die KGaA auch große Ähnlichkeit mit der Aktiengesellschaft hat, wenn es um die Zuständigkeitsverteilung geht, unterscheidet sich die der AG ganz beträchtlich von der der Kommanditgesellschaft aA. In der KGaA ist es nicht möglich, irgendeine Entscheidung, ganz egal ob es ein Grundlagengeschäft oder es eine außergewöhnliche Geschäftsführungsmaßnahme ist, ohne die Einwilligung der persönlich haftenden Gesellschafter durchzusetzen. Auf der einen Seite haben die Kommanditaktionäre in der KGaA noch weitergehende Befugnisse als es die Aktionäre in einer Aktiengesellschaft haben. So liegt beispielsweise die Beschlussfassung für den Jahresabschluss mit in ihren Händen, sie haben auch Einfluss auf außergewöhnliche Geschäftsführungsmaßnahmen. Auf der anderen Seite gestaltet sich ihr Einfluss aber auch geringer als der der Aktionäre bei einer Aktiengesellschaft.

Der Aufsichtsrat hat nicht die Möglichkeit, die Komplementäre zu bestellen oder abzuberufen. Das will heißen, ihnen mangelt es an mittelbarer Personalkompetenz für die Geschäftsleitung. Der § 84 AktG, der bestimmt, dass der  Aufsichtsrat Mitglieder des Vorstands auf höchstens fünf Jahre bestellt, eine Verlängerung der Amtszeit, jeweils für maximal fünf Jahre möglich ist, wird nicht wirksam. Sollen neue Gesellschafter, die persönlich haften, aufgenommen werden, oder soll beispielsweise einem Geschäftsführer die Vertretungsbefugnis entzogen werden, wird die Zustimmung der Gesellschafter notwendig sein.

Weiter steht dem Kontrollgremium einer KGaA keine Mitwirkungsmöglichkeit an der Geschäftsführung zu. Der § 111 Absatz 4 Satz 2 wird nicht zur Anwendung kommen. Im Gegensatz zur Aktiengesellschaft gibt es eine relativ umfassende Gestaltungsfreiheit, was die Satzung einer KGaA angeht. Zumeist ist so eine Konstituierung von Zustimmungsrechten für die Kommanditaktionäre möglich.

KGaA und Familienunternehmen

In einer KGaA wird der Komplementär, unter der Voraussetzung die Satzung wurde in entsprechendem Sinne abgefasst, auch wenn er nur eine geringe oder auch gar keine Kapitalanlage einbringt, weiterhin die Geschäftsführung behalten.  Der Einfluss auf die Führung der Geschäfte ist nicht wie bei der AG zwingend von der Vermögensbeteiligung abhängig.

Im Gegensatz zur AG sind auch Mehrfachstimmrechte für einzelne Aktionäre möglich. Im Allgemeinen spricht man deshalb vom KgaAs als 'übernahmeresistent'. Sie eigenen sich deshalb in besonderer Weise für Familienunternehmen, die an der Börse Kapital aufnehmen möchten oder müssen. Mit dem Schachzug, persönlich haftende Gesellschafter oder Mehrheits-Gesellschafter der Komplementärgesellschaft (GmbH etc.) zu sein, werden Familienmitglieder so auch die Kontrolle über das Unternehmen behalten, wenn Aktien im Wert von mehr als 50 Prozent des Grundkapitals an fremde Aktionäre gehen. 

Bedeutung der KGaA

Bis zu der Entscheidung des BGH im Jahre 1997, die den Weg dafür öffnete, dass auch Komplementärgesellschaften wie eine GmbH oder eine KG als persönlich haftende Geschäftsführer eingetragen werden dürfen, interessierte diese Form der Kommanditgesellschaft nur wenige. Folgt man der Umsatzsteuerstatistik des Statistischen Bundesamtes, wurden von KgaAs in 2002 26,4 Milliarden Euro erwirtschaftet. Im Jahre 2010 sind in der Bundesrepublik Deutschland 240 Kommanditgesellschaften auf Aktien notiert. Die Zahl wächst ständig.




Mitwirkende/Autoren:
Erstellt von JuraforumWiki-Redaktion
Zuletzt editiert von


 
 

Haben Sie Fragen zu diesem Begriff? Stellen Sie eine Frage zu dem Begriff im Forum.



Aktuelle Forenbeiträge

  • Wird Lolicon Hentai als Kinderpornographie klassifiziert, so daß ... (27.10.2004, 01:29)
    Ich habe in einigen anime Foren gelesen, daß es bereits Fälle gab, wo Menschen, die in Besitz von lolicon hentai waren, und/oder solche Bilder im Internet veröffentlicht haben, nach § 184b StGB verurteilt worden sind. Dies könnten jedoch auch einfach Gerüchte sein. Ich würde gern wissen ob hentai ( = + 1. keine realen Photos, nur...
  • Festnahmerecht und Körperverletzung (11.11.2009, 23:56)
    A beobachtet am Fahrkartenautomaten, dass B an C ein bereits gebrauchtes Länderticket der Deutschen Bahn AG für einen Betrag von 5 Euro weiterverkauft. Nach der Geldübergabe greift er ein, indem er beiden sofort und unmissverständlich zu verstehen gibt, dass sie vorläufig festgenommen sind. Darauf gerät C in Panik und versucht sich der...
  • Brauche bitte Hilfe bei § 263 -> Vermögensverfügung Bankangestellter (26.08.2009, 21:01)
    Hallo zusammen, ich schreibe gerade an einer Strafrecht HA und hocke vor einem Problem bei dem ich Hilfe benötige. Und zwar geht es darum, dass ein Bankmitarbeiter ein Darlehen gewährt und das aufgrund einer Täuschung. Nun hänge ich im § 263 beim Prüfungspunkt der Vermögensverfügung und weiß nicht weiter. Es ist doch offensichtlich...
  • "Die Kosten trägt die Staatskasse" (22.01.2008, 15:28)
    Ich sehe manchmal diese Gerichtsshows. Und nicht selten entpuppt sich jemand anderer als der Angeklagte als der Täter. In diesen Fällen wird dann der Angeklagte freigesprochen, soweit so gut. Aber dann kommt der Spruch, die Kosten des Verfahrens trage die Staatskasse - also die Steuerzahler. Das finde ich eine Unversch.... - die Kosten...
  • Religionsfreiheit - Pro und Contra (19.07.2011, 18:34)
    Die Religionsfreiheit und wie damit umgegangen wird stinkt mir! Schön und gut, jeder soll ruhig frei an irgend etwas glauben dürfen. Auch habe ich nichts gegen Versammlungen gemäßigter Gläubiger.War mir aber wirklich stinkt, ist die penetrante Art, mit der fundamentalistische und extremistische Organisationen versuchen, ihre...

Kommentar schreiben

37 - V ier =

Bisherige Kommentare zum Begriff (0)

(Keine Kommentare vorhanden)



Fragen Sie einen Anwalt!
Anwälte sind gerade online.
Schnelle Antwort auf Ihre Rechtsfrage.


Kommanditgesellschaft auf Aktien – Weitere Begriffe im Umkreis

  • Kollektives Arbeitsrecht
    Bei dem kollektiven Arbeitsrecht handelt es sich um das Recht der arbeitsrechtlichen Koalitionen (Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände), das Tarifvertragsrecht, das Arbeitskampfrecht (Streiks und Aussperrungen) sowie das...
  • Kollisionsverhütungsregeln
    Die Kollisionsverhütungsregeln (KVR) - offiziell "Internationale Regeln von 1972 zur Verhütung von Zusammenstößen auf See" - stellen internationales Seeverkehrsrecht dar. Sie sollen Havarien verhüten. Die KVR wurden 1972 von der IMO...
  • Kollusion
    Der Begriff Kollusion findet sich häufig im Bereich der Stellvertretung wieder. Damit ist das planmäßige Zusammenwirken zum Nachteil eines anderen gemeint.
  • Kollusives Zusammenwirken bei der Stellvertretung
    Eine wirksame Stellvertretung hat zur Folge, dass die Willenserklärung des Vertreters unmittelbar für den Vertretenen wirkt. Dies gilt grundsätzlich sogar dann, wenn der Vertreter seine Vertretungsmacht missbraucht. Etwas anderes gilt...
  • Kommanditgesellschaft
    Personenhandelsgesellschaft, bei der in Abgrenzung zur Offenen Handelsgesellschaft (OHG) die Haftung bei einem Gesellschafter (Kommanditist) gegenüber den Gläubigern der Gesellschaft auf dessen Einlage begrenzt ist.
  • Kommanditist
    Gesellschafter einer Kommanditgesellschaft, der gegenüber den Gläubigern der Gesellschaft grundsätzlich nur mit seiner Einlage haftet.
  • Kommission
    Der Begriff Kommission kann zweierlei Bedeutung haben: Zum einen handelt es sich bei einer Kommission um ein Komitee bzw. um ein Ausschuss, also um eine Gruppe von Personen mit bestimmten Qualifikationen oder Befugnissen, der ein Auftrag...
  • Kommissionär
    Kommissionär ist die Bezeichnung für einen Kaufmann (österr. Unternehmer), der Waren oder Wertpapiere nicht auf eigene Rechnung verkauft, sondern gegen eine Provision ausstellt und verkauft, siehe Kommissionsverkauf. Nach dem Abschluss des...
  • Kommissionsverträge
    Kommissionsverträge können allein von Kaufleuten im Rahmen ihres Handelsgewerbes geschlossen werden. Wird ein Kommissionsvertrag geschlossen, müssen sie in eigenem Namen Wertpapiere oder Waren verkaufen oder kaufen. De facto erfolgt der...
  • Kommunale Selbstverwaltung
    Die kommunale Selbstverwaltung ist eines der Grundprinzipien der Demokratie und besitzt durch die Selbstverwaltungsgarantie des  Art. 28 Abs. 2 GG Verfassungsrang. Die kommunale Selbstverwaltung umfasst das Recht der Kommunen, einen Großteil...

JuraForum-Suche

Durchsuchen Sie hier JuraForum.de nach bestimmten Begriffen:

© 2003-2017 JuraForum.de — Alle Rechte vorbehalten. Keine Vervielfältigung, Verbreitung oder Nutzung für kommerzielle Zwecke.