Kindeswohl

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Erklärung zum Begriff Kindeswohl

Kindeswohl“ oder auch „Wohl des Kindes“ ist ein unbestimmter Rechtsbegriff, welcher im Familienrecht, im Adoptionsrecht, im Jugendhilferecht sowie im Recht von Scheidungsfolgen von immenser Bedeutung ist und der das gesamte Wohlergehen eines Kindes umschreibt. Um dieses Wohlergehen bestimmen zu können, wird das Kindeswohl anhand folgender Kriterien beurteilt:

  • Haltung des Kindes sowie dessen Eltern zur Gestaltung ihrer Beziehungen im Falle einer Trennung/Scheidung
  • Innere Bindungen des Kindes
  • Kindeswille
  • Kontinuität und Stabilität von Erziehungsverhältnissen
  • Positive Beziehungen zu beiden Elternteilen

Kindeswohl bei Trennung der Eltern

Insbesondere ist das Wohl des Kindes bei der Trennung beziehungsweise Scheidung seiner Eltern von Bedeutung. Grundsätzlich behalten beide Elternteile auch nach einer Scheidung das gemeinsame Sorgerecht. Ein Elternteil hat gemäß 1671 Abs. 1 BGB allerdings das Recht, das alleinige Sorgerecht für das Kind zu beantragen. Diesem Antrag gemäß § 1671 Abs. 2 BGB stattgegeben, wenn der andere Elternteil dem zustimmt. Dabei ist zu beachten, dass Kinder ab 14 Jahren dem wiedersprechen dürfen. Sollte also ein Kind dieses Alters nicht mit der Übertragung des Sorgerechts auf einen Elternteil einverstanden sein, so hat das betreffende Familiengericht das Wohl des Kindes zu überprüfen.

Sollte hingegen der andere Elternteil der Übertragung des alleinigen Sorgerechts auf den Antragsteller nicht zustimmen, so überprüft das Familiengericht ebenfalls, ob eine derartige Übertragung dem Kindeswohl am besten entspricht. Ist dies der Fall, wird dem Antrag stattgegeben. Die Prüfung erfolgt hinsichtlich der Klärung individueller Fragen, wie beispielsweise der, wo das Kind bisher gelebt hatte, welcher Elternteil in der Vergangenheit den Großteil der Erziehung übernommen hatte und bei welchem Elternteil das Kind leben möchte.

Doch auch in Fällen, in denen der leibliche Vater nicht mit der Mutter seines Kindes verheiratet gewesen ist, ist das Kindeswohl von Bedeutung. So hat der leibliche Vater nur einen Anspruch auf ein gemeinsames Sorgerecht, wenn dieses dem Kindeswohl dient. Ist dies nicht der Fall, so bleibt das Sorgerecht alleine bei der Mutter des Kindes [OLG Schleswig-Holstein, 22.12.2011, 10 UF 171/11].

Gefährdung des Kindeswohls

Es ist in den meisten westlichen Ländern dem Staat nicht gestattet, in das Erziehungsrecht der Eltern einzugreifen. Dies ist nur in begründeten Ausnahmefällen möglich, wie beispielsweise bei der Gefährdung des Kindeswohls. Dabei muss jedoch beachtet werden, dass die Auslegung dieser Gefährdung immer bei der Rechtsprechung liegt, da es sich ja beim Kindeswohl um einen unbestimmten Rechtsbegriff handelt. Dies bedeutet in der Praxis, dass individuell geprüft werden muss, ob und gegebenenfalls in welchem Ausmaß eine Gefährdung des Kindeswohls vorliegt. Diese ist beispielsweise gegeben, wenn durch Vernachlässigung seitens der Eltern eine seelische oder körperliche Gefährdung des Kindes zu befürchten ist beziehungsweise diese bereits vorliegt.

Die Gefährdung des Kindeswohls kann in drei verschiedene Kategorien eingeteilt werden:

  • Vernachlässigung des Kindes
  • Erziehungsgewalt und Misshandlung
  • Sexuelle Gewaltanwendung

Kinder haben laut der deutschen Rechtsprechung ein Recht auf eine gewaltfreie Erziehung, und der Staat als „Wächter“ hat dafür zu sorgen, dass ihnen dieses Recht auch zugesprochen wird. Wird nun festgestellt, dass eine Gefährdung des Kindeswohls gegeben ist, muss der Staat eingreifen und das betreffende Kind schützen, wofür ihm gemäß § 1666 BGB diverse Möglichkeiten zur Verfügung stehen; als letzte Möglichkeit hierfür kommt eine Entfernung des Kindes aus dem Familienverband in Betracht. Ist das betreffende Kind bei einem Verbleib in seiner Familie seelisch oder körperlich nachhaltig gefährdet, so wird seinen Eltern das Recht auf Erziehung abgesprochen.




Mitwirkende/Autoren:
Erstellt von , 01.06.2013 00:00
Zuletzt editiert von JuraforumWiki-Redaktion, 01.06.2013 00:00


 
 

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Nachrichten zu Kindeswohl


Entscheidungen zum Begriff Kindeswohl

  • BildOLG-HAMM, 11.01.2007, 10 UF 112/07
    Die Einbenennung muss für das Kindeswohl unabdingbar notwendig sein. Diese Voraussetzung liegt vor, wenn sich aufgrund der Namensungleichheit eine Erkankung des Kindes (hier: Asthma) entscheidend verschlechtert hat.
  • BildOLG-MUENCHEN, 27.01.2006, 33 Wx 68/05
    Das Vormundschaftsgericht hat seine Entscheidung, wen es zum Bezugsberechtigten des Kindergeldes erklärt, nach pflichtgemäßem Ermessen zu treffen. Hierbei hat es entscheidend das Kindeswohl zu berücksichtigen.
  • BildOLG-NAUMBURG, 03.08.2005, 8 UF 136/05
    Eine Einbenennung scheidet aus, wenn zwischen dem Kind und dem leiblichen Vater eine tragfähige Beziehung besteht. Für die Ersetzung reicht aber auch nicht aus, dass die Namensangleichung zweckmässig und dem Kindeswohl dienlich erscheint, sondern die Einbenennung muss für das Kindeswohl unabdingbar sein (BGH NJW 2002, 300).
  • BildOLG-BRAUNSCHWEIG, 09.03.2012, 2 UF 174/11
    Einem Antrag des nichtehelichen Vaters auf Begründung der gemeinschaftlichen elterlichen Sorge ist stattzugeben, wenn die Übertragung dem Wohl des Kindes dient (§ 1672 Abs. 1 BGB). Auch bei einem funktionierenden Umgangsrecht widerspricht die Begründung der Mitsorge dem Kindeswohl, wenn eine am Kindeswohl orientierte gleichberechtigte...
  • BildSAARLAENDISCHES-OLG, 16.07.2007, 9 UF 37/07
    Lehnt der allein sorgeberechtigte Elternteil die Umgangskontakte des anderen Elternteils mit dem gemeinsamen Kind in einer das Kindeswohl gefährdenden Weise ab, kommt in Betracht, ihm das Aufenthaltsbestimmungsrecht für die Dauer der Umgangskontakte zu entziehen und eine Umgangspflegschaft anzuordnen.
  • BildBRANDENBURGISCHES-OLG, 23.03.2011, 10 UF 2/11
    Auf den Antrag eine Kindersvaters ist grundsätzlich die gemeinsame elterliche Sorge anzuordnen. Denn es entspricht grundsätzlich dem Kindeswohl, wenn das Kind in dem Bewusstsein lebt, dass beide Elternteile für es Verantwortung tragen.
  • BildSAARLAENDISCHES-OLG, 24.09.2009, 9 WF 67/09
    Es entspricht grundsätzlich nicht dem Kindeswohl, eine bereits vollzogene einstweilige Anordnung über das Aufenthaltsbestimmungsrecht ohne schwerwiegende Gründe abzuändern und vor der Entscheidung in der Hauptsache über einen erneuten Ortswechsel des Kindes zu befinden.
  • BildOLG-FRANKFURT, 06.05.2009, 20 W 472/08
    Eine nach Durchführung einer hinduistischen Zeremonie durch ein Gericht auf Bali/Indonesien ausgesprochene Adoption, bei welcher der Auslandsbezug nicht berücksichtigt und das Kindeswohl keiner eigenen gerichtlichen Überprüfung unterzogen wurde, kann in Deutschland nicht anerkannt werden.
  • BildAG-NEUSTADT-A-RBGE, 09.10.2008, 34 F 94/08 KI
    Im Vaterschaftsanfechtungsverfahren muss die klagende Mutter ihre ladungsfähige Anschrift angeben.Prozesskostenhilfe für eine Vaterschaftsanfechtung kann über den Anwendungsbereich des § 1600a Abs. 4 BGB hinaus nicht gewährt werden, wenn die beabsichtigte Klage voraussichtlich das Kindeswohl gefährden wird.
  • BildOLG-CELLE, 21.11.2001, 21 UF 96/01
    Ein verlängerter Unterhalt über drei Jahre hinaus kommt schon dann in Betracht, wenn der Aufschub der Aufnahme der Erwerbstätigkeit durch die Mutter aus objektiver Sicht wegen der besonderen Bedürfnisse des Kindes als vernünftig und dem Kindeswohl förderlich erscheint

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Bisherige Kommentare zum Begriff (1)

kalinku  (03.11.2015 16:40 Uhr):
Mein kleiner Bruder ist mit 14 Jahren weggelaufen, so wie ich und mein anderer Bruder. Sein und mein Wunsch ist es, dass er zu mir (33 J.) kommt, was auch seine Betreuer befürworten. Der Kindesvater hat der gegenwärtigen Jugendhilfeeinrichtung erlaubt, dass er dort bleiben darf, aber auf keinen Fall zu mir kommen darf. Wir haben einen Antrag auf Entzug des Sorgerechts gestellt. Dieser wird aber aufgrund der nicht mehr vorherrschenden Kindeswohlgefährdung abgelehnt. Wie erwähnt sind auch mein anderer Bruder und ich weggelaufen. Bei mir wurde das Sorgerecht entzogen. Meine Mutter leidet unter einer Psychose und mein Vater wahrscheinlich unter einer Antisozialen Persönlichkeit. Aufgrund der Krankheit würde er sich nie Hilfe holen. Zudem ist er nicht in der Lage Fehler einzusehen oder im Sinne des Kindeswohls zu handeln. Aufgrund seiner Krankheit steht im Mittelpunkt, dass er über alles Macht haben muss. Außerdem ist er nicht in der Lage Mitgefühl für andere Menschen zu haben. Kann man wirklich nichts machen? Muss mein Bruder wirklich im Heim bleiben, weil mein Vater das nicht erlaubt?????



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