Kaufleute

Lexikon | Jetzt kommentieren

Erklärung zum Begriff Kaufleute

Kaufleute sind Unternehmer, welche ein Handelsgewerbe gemäß § 1 HGB betreiben.  Das heißt, sie unterliegen mit ihrer Eigenschaft als Kaufmann dem Handelsrecht. Damit müssen Kaufleute, als natürliche oder juristische Personen, als sogenanntes „Rechtssubjekt“ den sehr penibel gestalteten Vorschriften und Anforderungen des HGB Genüge tun.

Kaufleute und das Handelsrecht

Das Handelsrecht kennt eine sehr genau Kategorisierung der Kaufleute und der, entsprechend der Handelstätigkeit anzuwendenden Gesetzbarkeiten. Kauft oder verkauft ein Kaufmann beispielsweise als sein Gewerbe Wertpapiere oder auch Waren gemäß dem § 406 Absatz 1 HGB, wird er ganz selbstverständlich rechtlich nach den § 383 ff. HGB betreffend Kommissionäre behandelt werden. Geschäfte eines Handelsgewerbes werden in § 434 HGB als Handelsgeschäfte beschrieben. Die Verträge, welcher ein Kaufmann abschließt, sind nach § 344 Absatz 1 HBG geltend. Kaufleute haben nach dem § 354 HGB einen Provisionsanspruch, der hier gesetzlich begründet ist.

Rechte und Pflichten ergeben sich aus dem HGB

Kaufleute verlieren im Rechtsverkehr ihre Eigenschaft als Verbraucher, da ihnen gegenüber gewöhnlichen Verbrauchern ein fundiertes geschäftliches Wissen zugesprochen wird. Dies bedeutet aber auch, dass für sie nicht der Verbraucherschutz gilt. Umstritten ist dies jedoch, wie es zu handhaben ist, wenn Kaufleute im Rechtsverkehr als Privatperson auftreten. Hierzu gibt es unterschiedliche Meinungen.

Wann ist man ein Kaufmann?

Umgangssprachlich wird gemeinhin jeder als Kaufmann bezeichnet, der ein Geschäft betreibt, sich also mit dem Kauf und Verkauf von Waren beschäftigt. Das HGB hat indes seine ganz eigene Definition des Kaufmanns. Kaufmann ist demnach gemäß § 1 Absatz 1 HGB, derjenige der ein Handelsgewerbe betreibt. Unter einem Handelsgewerbe versteht man seinerseits gemäß § 1 Absatz 2 HGB jeden Gewerbebetrieb, es sei denn, dass das Unternehmen nach Umfang oder Art einen Geschäftsbetrieb, der in kaufmännischer Art eingerichtet ist, nicht erfordert. § 1 HGB befasst sich mit dem Begriff des klassischen Kaufmanns, also dem sogenannten Istkaufmann. Diesem obliegt es, eine Eintragung im Handelsregister vorzunehmen.

Davon abzugrenzen ist der Kannkaufmann, beispielsweise ein Kleingewerbetreibender. Hier muss kein in kaufmännischer Weise eingerichteter Geschäftsbetrieb vorliegen. Weil es sich aber um einen Kannkaufmann handelt, kann sich dieser in das Handelsregister eintragen, soweit er das möchte.

Welche Kaufmänner gibt es sonst noch?

Ebenfalls bekannt ist der sogenannte Fiktivkaufmann. Für diesen besteht eine Eintragung im Handelsregister, ohne, dass die entsprechende Firma jedoch noch geführt wird. Um den Rechtsschein zu wahren, wird mit der Dauer der Eintragung auch die rechtliche Bedeutung der Fiktivkaufmänner aufrechterhalten.

Weiterhin kennt man noch den Formkaufmann. Hierunter fallen alle eingetragenen Handelsgesellschaften. Diesen wird bereits aufgrund ihrer Form die Definition des Kaufmanns zugesprochen.

Kleine Betriebe

Wenn es sich lediglich um einen kleinen Gewerbebetrieb handelt, kann hierüber ein entsprechender Nachweis erbracht werden. In diesem Fall muss keine Eintragung im Handelsregister erfolgen. Auch eine Bilanzierung ist dann nicht notwendig. Für diese Art von Geschäftsbetrieb ist dann weiterhin auch das BGB einschlägig. Erst wenn diese bereits erwähnten Kannkaufleute eine freiwillige Eintragung im Handelsregister vornehmen, können sie als Vollkaufleute bezeichnet werden. In diesem Fall kommt wieder das HGB zum Tragen.

Der Scheinkaufmann

Bekannt ist auch der Begriff des Scheinkaufmanns. Wer als Kaufmann im Rechtsverkehr auftritt, der soll auch als solcher behandelt werden. Dennoch ist ein Scheinkaufmann kein Kaufmann. Trotzdem kommt es zu einer kaufmännischen Haftung gegenüber gutgläubigen Dritten, die ihn als Kaufmann wahrnehmen und verstehen.

Rechte und Pflichten der Kaufleute

Für die Kaufleute bestehen spezielle Rechte und Pflichten, was die Geschäftsführung angeht. So müssen sie Buch führen, sich gegebenenfalls um eine Bilanzierung kümmern und es muss eine Firma geführt werden.

So kommt es zum Verlust der Kaufmannseigenschaft

Je nachdem, ob es sich um einen Istkaufmann oder einen Kannkaufmann handelt, ist der Verlust der Kaufmannseigenschaft an einen anderen Tatbestand zu knüpfen. Bei einem Istkaufmann kommt es darauf an, dass diese ihren Gewerbebetrieb aufgeben. Sie verlieren ihre Kaufmannseigenschaft nicht schon durch eine Löschung im Handelsregister. Anders ist dies bei einem Kannkaufmann. Hier genügt bereits die Löschung im Handelsregister, damit dieser kein Kaufmann mehr ist.

HGB-Reform

Mit der Gesetzesreform aus dem Jahre 1988 fiel die Differenzierung zwischen sogenannten „typischen“ Warenhandelsgeschäften und dem Handwerk sowie dem Dienstleistungsgewerbe weg. Hier wurde, gerade was den modernen Dienstleistungsverkehr angeht, die Gesetzsprechung so geändert, dass nunmehr sehr einfach jeder Gewerbetreibende Kaufmann im Sinne des Gesetzes ist. Bis dahin galten die Vorausbedingungen des § 2 des Handelsgesetzbuches. Der § 2 HGB besagt, dass jedes Gewerbeunternehmen, das sich im Handelsregister eingetragen findet, ein Handelsgewerbe darstellt, auch für den Fall, dass es sich um ein Kleingewerbe handelt. Ein nicht in das Handelsregister eingetragenes Gewerbe ist nach dem § 2 HGB kein Handelsgewerbe, damit auch kein Kaufmann. So ist das Handelsgewerbe nunmehr sehr eng verbunden mit dem Begriff des Kaufmanns. Der § 1 Absatz 2 HGB beschreibt als Handelsgewerbe einen jeden gewerblichen Betrieb, der aufgrund seiner Beschaffenheit einen kaufmännischen Geschäftsbetrieb notwendig macht. Ein Kaufmann betreibt ein Gewerbe, wobei dieser Begriff rechtlich nicht eindeutig definiert ist. Allgemein versteht man darunter eine Außenwirkung als Markteilnehmer. Eine Tätigkeit mit Gewinnerzielungsabsicht, selbständig und in erlaubter Form. Als Kaufmann wird so jeder bezeichnet und behandelt, der irgendein Gewerbe betreibt. 




Mitwirkende/Autoren:
Erstellt von JuraforumWiki-Redaktion
Zuletzt editiert von


 
 

Haben Sie Fragen zu diesem Begriff? Stellen Sie eine Frage zu dem Begriff im Forum.


Nachrichten zu Kaufleute


Entscheidungen zum Begriff Kaufleute

  • BildBGH, 30.03.2006, III ZB 74/05
    Die in dem Beitrittsgebiet nach dem Recht der DDR entstandenen - registrierten - LPG waren nach der Wiederherstellung der staatlichen Einheit Deutschlands am 3. Oktober 1990 als (Voll-)Kaufleute kraft Rechtsform anzusehen.
  • BildOLG-KOBLENZ, 26.06.2006, 12 U 685/05
    Die Grundsätze des kaufmännischen Bestätigungsschreibens sind über Kaufleute hinaus auch auf jeden anzuwenden, der ähnlich wie ein Kaufmann am Rechtsverkehr teilnimmt. Das gilt für beide Seiten der geschäftlichen Verhandlungen. Es ist anerkannt, dass im Schweigen auf ein kaufmännisches Bestätigungsschreiben in der Regel das...
  • BildOLG-FRANKFURT, 10.12.2004, 21 AR 138/04
    1. Bei einer Verweisung von Amts wegen durch die KfH nach § 97 Abs. 2 GVG - entgegen dem Antrag beider Parteien - ist besonders sorgfältig zu prüfen, ob nicht doch eine Handelssache vorliegt. 2. Schließen sich Kaufleute als Vertragspartner eines beiderseitigen Handelsgeschäfts auf einer Seite zu einer GbR (sogenannte ARGE) zusammen,...
  • BildOLG-KOELN, 03.03.1993, 13 U 191/92
    1. Unterwirft der Steuerberater die Einnahmen eines Mandanten, die dieser aus der Veranstaltung sog. Flohmärkte erzielt, voll der Umsatzsteuer, obwohl diese Umsätze gem. § 4 Nr. 12 a UStG teilweise steuerfrei sind, so verletzt er die ihm obliegende Pflicht zur umfassenden und optimalen Beratung, 2. Die Óberlassung von...
  • BildEUGH, 16.03.1999, C-159/97
    Quelle: Gerichtshof der Europäischen Gemeinschaften in L-2925 Luxemburg 1 Zwar genügt es den Schriftformerfordernissen des Artikels 17 des Übereinkommens vom 27. September 1968 über die gerichtliche Zuständigkeit und die Vollstreckung gerichtlicher Entscheidungen in Zivil- und Handelssachen nicht, wenn eine Gerichtsstandsklausel auf...
  • BildKG, 01.10.2009, 2 U 17/03 Kart
    1.) Im Hinblick auf die - verjährungsrechtlich relevante - Frage, wann ein Anspruchsinhaber Kenntnis von dem Anspruch erlangt hat (§ 852 BGB a.F. , § 199 Abs. 1 Nr. 2 BGB n.F.), gibt es keinen Erfahrungssatz, dass der Inhalt von Pressemitteilungen stets zeitnah von den Betroffenen zur Kenntnis genommen wird; im Hinblick auf die Frage...
  • BildLG-FREIBURG, 07.01.2014, 12 O 133/13
    Die Zahlung auf die Miete für ein Grundstück, welches ein Gesellschafter oder eine einem Gesellschafter gleichzustellende Person an die Gesellschaft vermietet hat, stellt nicht per se eine Befriedigung einer gleichgestellten Forderung im Sinne von § 135 Abs. 1 InsO dar.
  • BildAG-KEHL, 30.08.2013, 5 C 19/13
    Eine Gerichtsstandsklausel in Allgemeinen Geschäftsbedingungen (Transportbedingungen) eines Speditionsunternehmens geht den widersprechenden Regelungen unter Ziffer 30.2 ADSp vor, wenn diese Transportbedingungen gleichzeitig mit den ADSp als Bestandteil des Transportauftrages vereinbart werden.

Aktuelle Forenbeiträge

  • "Logik" der §§ (28.06.2013, 19:13)
    Guten Tag! Nachdem ich innerhalb kurzer Zeit in 2 Fälle von Mietstreitigkeiten verwickelt war, und nachdem ich (leider) im Rahmen meines Studiums 2 Recht-"Scheine" absolvieren musste, ist in mir ist der Wunsch entstanden, einen allgemeinen Kommentar bezüglich des "Rechts" abzugeben: Je mehr ich mich mit der "Juristerei" beschäftigen...
  • Arbeitgeber schenkt nur Frauen ein Gutschein (09.01.2013, 16:32)
    Hallo, folgende Frage: Mal angenommen, eine Firma schenkt nur an die weiblichen Angestellten einen Gutschein zu Weihnachten und die Männer würden leer ausgehen. Wäre dies ein Verstoß gegen das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz? Mfg. Malekith
  • falsche Ware ausgeliefert (12.12.2012, 15:36)
    Händler A hat ein Produkt an Handelspartner B verkauft, Handelspartner B hat die Auftragsbestätigung unterschrieben und damit akzeptiert. 6 Tage später meldet sich Handelspartner B bei Händler A, dass es sich um falsch gelieferte Ware handelt. Dies ist aber Handelspartner B erst aufgefallen, nachdem sich ein Kunde (mit Sitz im Ausland)...
  • Einspruch gegen akzeptierten Strafbefehl (08.12.2011, 18:01)
    Folgender Sachverhalt: Gegen A wurde ein Strafbefehl wegen Betruges erlassen (160 Tagessätze zu 25 Euro). A war nicht vorbestraft. A hat diesem Strafbefehl widersprochen. Bei der Verhandlung vor dem Amtsgericht konnte A einen Vergleich mit der Geschädigten erzielen. Allerdings hatte A laut Aussage seines Anwalts keine andere...
  • Weitere Strafanzeigen von Geschädigten nach einer Bewährung (11.09.2011, 17:29)
    Hallo, Mustermann wurde 2008 in einem Beschluss verurteilt Geld an Geschädigte (abzocke) zurückzuzahlen und geminschaftliche Arbeit zu leisten.Insgesamt 30 abgezockte Kunden, bisher haben nur 4 Betrugsantzeige gestellt, es können aber weitere aus der Zeit vor 2008 dazukommen, das weiss man ja nicht. Geldzahlung und Stunden abarbeiten...

Kommentar schreiben

47 - D_/rei =

Bisherige Kommentare zum Begriff (0)

(Keine Kommentare vorhanden)



Fragen Sie einen Anwalt!
Anwälte sind gerade online.
Schnelle Antwort auf Ihre Rechtsfrage.


Kaufleute – Weitere Begriffe im Umkreis

  • Inventar
    Alle Vermögensgegenstände und Schulden eines Unternehmens werden in einem sogenannten Inventar aufgeführt. Es ist nach § 240 Abs. 1 HGB von jedem Kaufmann zu Beginn seines Handelsgewerbes und zum Schluss eines jeden Geschäftsjahres sowie...
  • Inventur
    Eine Inventur ist die Bestandsaufnahme sämtlicher Vermögensgegenstände und Schulden eines Unternehmens, welche in der Bilanz dem Grundsatz nach angesetzt werden müssen. Diese Ermittlung des Vermögens erfolgt an einem bestimmten Stichtag und muss...
  • Jahresüberschuss/Jahresfehlbetrag
    Der Jahresüberschuss oder der Jahresfehlbetrag stellen den im laufenden Geschäftsjahr neu erzielten Gewinn oder Verlust, also das Jahresergebnis dar. Er bildet in der Gewinn- und Verlustrechnung die letzte Position im Gliederungsschema...
  • Kammer für Handelssachen
    Besonderer Spruchkörper des Landgerichts, der in Handelssachen anstelle der Zivilkammer entscheidet; Fall der gesetzlichen Geschäftsverteilung.
  • Kapitalgesellschaft
    Normal 0 21 false false false DE X-NONE X-NONE...
  • Kaufmann
    Kaufleute sind Personen, die in gewerbsmäßiger Weise ein Geschäft tätigen, Ware kaufen und weiterverkaufen, das Ganze mit dem Gedanken der Profitmaximierung. Das Handelsgesetzbuch stellt in § 1 Absatz 1 HGB fest: 'Kaufmann im...
  • Kaufmann kraft Eintragung
    Gemäß § 1 HGB wird als Kaufmann angesehen, wer ein Handelsgewerbe betreibt, außer es handelt sich dabei um ein Handelsgewerbe, welches von seiner Größe her keinen kaufmännisch eingerichteten Geschäftsbetrieb benötigt. "Kaufmann kraft...
  • Kaufmannsbegriff
    Der Kaufmannsbegriff spielt im Handels- und Gesellschaftsrecht eine wichtige Rolle. Er ist der bedeutsamste Begriff des Handelsrechts. Die Geschichte des Kaufmannsbegriffes Im Altertum und der Antike teilte sich die Gesellschaft...
  • Kaufmannseigenschaft
    Inhaltsübersicht 1. Allgemein 2. Der Kaufmannsbegriff 2.1 Kaufmann kraft Gewerbebetrieb/Musskaufmann 2.2 Kaufmann kraft Eintragung (Kannkaufmann) 2.3 Kaufmann kraft Rechtsform...
  • Kleinunternehmer
    Als Kleinunternehmer werden gemäß dem Umsatzsteuergesetz jene selbständig oder gewerblich Tätigen angesehen, deren jährlicher Gessamtumstz inklusive der darauf entfallenden Umsatzsteuer bestimmte Umsatzgrenzen nicht überschreiten. Diese Grenzen...

Top Orte der Anwaltssuche zum Rechtsgebiet Handelsrecht

Weitere Orte finden Sie unter:

JuraForum-Suche

Durchsuchen Sie hier JuraForum.de nach bestimmten Begriffen:

© 2003-2017 JuraForum.de — Alle Rechte vorbehalten. Keine Vervielfältigung, Verbreitung oder Nutzung für kommerzielle Zwecke.