Hauptbevollmächtigter

Lexikon | Jetzt kommentieren

Erklärung zum Begriff Hauptbevollmächtigter

In der Regel beauftragt ein Mandant einen Rechtsanwalt mit der Interessenvertretung in einer Rechtsangelegenheit, der in der Nähe seines Wohnsitzes ansässig ist. Dieses ist oftmals auch dann der Fall, wenn die Angelegenheit vor einem Prozessgericht verhandelt wird, das zwar örtlich für den Rechtsstreit zuständig ist, aber seinen Sitz nicht in unmittelbarer Nähe des Wohnsitzes des Mandanten hat. Der beauftragte Rechtsanwalt wird daher mit Zustimmung des Mandanten einen am Ort des Prozessgerichtes ansässigen Kollegen bitten, als Unterbevollmächtigter die Vertretung des Mandanten in der mündlichen Verhandlung zu übernehmen.

Des Weiteren kann es passieren, dass der beauftragte Rechtsanwalt aufgrund von Terminüberschneidungen einen Verhandlungstermin nicht wahrnehmen kann. Auch hier besteht dann die Möglichkeit, dass er als Hauptbevollmächtigter einen Kollegen bittet, ihn in der mündlichen Verhandlung als Terminsvertreter zu vertreten.

Vorteile für den Mandanten

Für den Mandanten hat diese Regelung den Vorteil, dass der von ihm direkt beauftragte Rechtsanwalt als Hauptbevollmächtigter weiterhin sein persönlicher Ansprechpartner an seinem Wohnsitz ist. Der Hauptbevollmächtigte bespricht mit dem Mandanten alle den Rechtsstreit betreffenden Punkte und verfasst den Schriftverkehr mit der Gegenseite und dem Prozessgericht, um den Verhandlungstermin vorzubereiten. Zu dem von ihm beauftragten Unterbevollmächtigten hält der Hauptbevollmächtigte den direkten Kontakt und informiert ihn über alle für den Verhandlungstermin relevanten Punkte. Er bespricht mit dem Kollegen, unter welchen Bedingungen ein Vergleich mit der Gegenseite verhandelt bzw. akzeptiert werden soll oder inwieweit ein Anerkenntnis erfolgen kann. Gleichzeitig wird er vom Unterbevollmächtigten durch einen Terminsbericht über den aktuellen Stand informiert und kann seinerseits den Mandanten informieren.

Die RVG (Rechtsanwaltsvergütungsgesetz) enthält Regelungen für den Fall einer Unterbevollmächtigung bezüglich der Gebührenabrechnung. In der Regel werden die Rechtsanwälte untereinander jedoch eine Gebührenteilung vereinbaren. Diese ist dadurch gerechtfertigt, dass der Hauptbevollmächtigte seinem Kollegen eine Kopie seiner Handakte zur Verfügung stellt, damit dieser sich auf die mündliche Verhandlung vorbereiten kann, um eine ordnungsgemäße Vertretung des Mandanten zu gewährleisten.



Bearbeiten


Häufige Rechtsfragen zum Thema

  • Rechtsanwaltskosten studi-heiko schrieb am 15.12.2010, 21:10 Uhr:
    Hallo, wenn ein Hauptbevollmächtigter Rechtsanwalt einen Rechtsanwalt in Untervollmacht beauftragt einen Termin warzunehmen wer trägt hier die Kosten? In der Regel doch der Rechtsanwalt der die Untervollmacht ausgestellt hat oder der Mandant? Kann der Unterbevollmächtigte auch den Mandanten des Hauptbevollmächtigten, wenn dieser... » weiter lesen

Passende juristische News

  • Vorstandsmitglieder versicherungsfrei
    01.06.2011 | Arbeitsrecht
    Beitrag Nr. 201010 vom 01.06.2011 Vorstandsmitglieder versicherungsfrei Arbeitnehmer sind grundsätzlich in allen Zweigen der Sozialversicherung versichert. Renten- und arbeitslosenversicherungsfrei sind dagegen die Mitglieder des Vorstandes einer Aktiengesellschaft; dies gilt auch für bestimmte Organmitglieder EU-mitgliedstaatlicher Kapitalgesellschaften bei einer Beschäftigung in Deutschland. Vorstände deutscher Aktiengesellschaften Die... » weiter lesen


Hauptbevollmächtigter Urteile und Entscheidungen

  • BildZur Fortdauer einer von einer Aktiengesellschaft als Hauptbevollmächtigter erteilten Untervollmacht zur Anmeldung von Kommanditistenwechseln bei einer Publikums-KG nach Eintragung des Erlöschens der Aktiengesellschaft wegen Vermögenslosigkeit im Handelsregister

    » OLG-FRANKFURT-AM-MAIN, 27.02.2014, 20 W 548/11
  • BildIst im Rahmen bewilligter PKH/VKH antragsgemäß ein auswärtiger Anwalt beigeordnet und die dabei ausgesprochene Einschränkung der Beiordnung auf die kostenrechtlichen Bedingungen eines im Bezirk des Prozeß-/Verfahrensgerichts ansässigen Anwalts bestandskräftig geworden, kommt weder die zusätzliche Beiordnung eines örtlichen...

    » OLG-CELLE, 01.03.2012, 10 WF 21/12
  • Bild1. Die Kosten eines Unterbevollmächtigten, der für einen urlaubsabwesenden Hauptbevollmächtigten einen Termin zur mündlichen Verhandlung wahrgenommen hat, sind auf der Grundlage des § 162 Abs. 1 VwGO regelmäßig nur insoweit erstattungsfähig als sie die Kosten nicht übersteigen, die entstanden wären, wenn der Hauptbevollmächtigte den...

    » OVG-NORDRHEIN-WESTFALEN, 16.11.2009, 7 D 2/09.NE

Kommentar schreiben

12 + V/i.er =
Ja, ich habe die Datenschutzerklärung gelesen.
* Pflichtfeld

Bisherige Kommentare zum Begriff (0)

(Keine Kommentare vorhanden)








Hauptbevollmächtigter – Weitere Begriffe im Umkreis
Untervollmacht
Bei einer Untervollmacht handelt es sich um eine Vertretungsvollmacht in Rechtsgeschäften. Dabei kann es sich um eine direkte Vertretung des Geschäftsherrn oder seines Vertreters handeln. Sie hat nur dann Gültigkeit, wenn der eigentliche...
Terminsbericht
Der Terminsbericht wird vom Terminsvertreter bzw. Unterbevollmächtigten unmittelbar nach Abschluss einer Gerichtsverhandlung schriftlich erstellt. In diesem berichtet der Terminsvertreter dem Hauptbevollmächtigten über die Teilnahme an der...

JuraForum-Suche

Durchsuchen Sie hier JuraForum.de nach bestimmten Begriffen:


Fragen Sie einen Anwalt!
Anwälte sind gerade online.
Schnelle Antwort auf Ihre Rechtsfrage.

© 2003-2018 JuraForum.de — Alle Rechte vorbehalten. Keine Vervielfältigung, Verbreitung oder Nutzung für kommerzielle Zwecke.