Hadrianische Teilung

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Erklärung zum Begriff Hadrianische Teilung

Bei der Hadrianische Teilung handelt es sich um einen Begriff aus dem Sachenrecht für die Eigentumsfrage an Schatzfunden (Fundrecht), die in § 984 BGB kodifiziert ist.

§ 984 BGB: Schatzfund
Wird eine Sache, die so lange verborgen gelegen hat, dass der Eigentümer nicht mehr zu ermitteln ist (Schatz), entdeckt und infolge der Entdeckung in Besitz genommen, so wird das Eigentum zur Hälfte von dem Entdecker, zur Hälfte von dem Eigentümer der Sache erworben, in welcher der Schatz verborgen war.

Man spricht also deshalb von einer Hadrianische Teilung, da das Eigentum an der Fundsache zur Hälfte an den Entdecker und zur Hälfte an den Eigentümer des Grundstücks, wo der Schatz verborgen war, geht. Diese den vierzehnten römischen Kaiser Hadrian, der von 117 bis 138 n. Chr. herrschte, zurückgehende Regelung wird heutzutage allerdings von dem sog. Schatzregal eingeschränkt.

 

Definitionen und Erklärungen:
Verborgen
ist eine Sache, wenn sie nicht ohne weiteres wahrgenommen werden kann. Eine Sache ist aber dann nicht verborgen, wenn ihre Auffindung aufgrund eines Behältnisses erschwert ist, zum Beispiel bei Münzen in einem Karton auf einem schwer zugänglichen Dachboden (siehe dazu OLGZ Köln 92, 253) oder bei einem Kruzifix, dass einer einer Kiste in der Kapelle unter Schilder versteckt ist (siehe dazu OLG Celle NJW 92, 2576). Darüber hinaus muss die Sache so lange verborgen gewesen sein, dass der Eigentümer gerade deshalb nicht ermittelbar ist.

Entdeckung ist die Wahrnehmung ohne Rücksicht auf Anlass. Bei der Entdeckung handelt es sich ferner um eine Tathandlung, sodass keine Geschäftsfähigkeit beim Entdecker erforderlich ist.

Der Eigentumserwerb erfolgt erst mit Inbesitznahme (vgl. dazu ebenso OLG Celle NJW 92, 2576), dann aber kraft Gesetzes.

 

Die Hadrianische Teilung und das Schatzregal
Bei dem Schatzregal handelt es sich um eines der sog. staatlichen Regalien. Es ist eine rechtliche Regelung, wonach herrenlose, bis zum Zeitpunkt des Fundes verborgene Schätze mit ihrem Auffinden Eigentum des Staates werden, ohne dass dazu ein weiterer (Übertragungs-)Akt erforderlich ist.
Der Begriff des Schatzes ist allerdings in vielen Fällen irreführend, da das Schatzregal lediglich das Auffinden von Bodendenkmälern, also archäologischen und – in manchen Rechtssystemen auch – paläontologischen Kulturdenkmälern umfasst.
Das Institut des Schatzregals findet Konkretisierungen in den Ausgrabungsgesetzen und / oder Denkmalschutzgesetzen der Länder. Diese Regelungen sind nach der Ansicht des Bundesverfassungsgerichts (BVerfG) und des Bundesverwaltungsgerichts (BVerwG) mit dem Grundgesetz vereinbar (vgl. dazu nur BVerwG mit Urteil vom 21. November 1996, Az.: 4 C 33/94).




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