Grober Undank - Definition, Erklärung und beim Zurückfordern einer Schenkung

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Erklärung zum Begriff Grober Undank

Eine „Schenkung“ wird gemäß § 516 BGB definiert. Demzufolge wird sie als eine Zuwendung betrachtet, durch die jemand aus seinem Vermögen eine andere Person bereichert und sich beide Beteiligten darüber einig sind, dass sie unentgeltlich erfolgt.

Sollte diese Zuwendung allerdings ohne den Willen des Beschenkten erfolgt, so kann ihn der Zuwendende gemäß § 516 Abs. 2 BGB unter Bestimmung einer angemessenen Frist zur Erklärung über die Annahme auffordern. Die Schenkung gilt dann nach Ablauf dieser Frist als erfolgt, sofern der Beschenkte sie nicht zuvor abgelehnt hat.

„Geschenkt ist geschenkt – widerholen ist gestohlen“, sagt der Volksmund. Doch dies ist in der Rechtsprechung nicht der Fall. Gemäß § 530 Abs. 1 BGB kann die Schenkung innerhalb eines Jahres widerrufen werden, wenn sich der Beschenkte einer schweren Verfehlung gegenüber dem Schenkenden oder eines nahen Angehörigen von diesem des groben Undanks schuldig gemacht hat. Diese Verfehlungen können sich beispielsweise in der Bedrohung des Lebens äußern, aber auch in körperlichen Misshandlungen, schweren Beleidigungen, haltlosen Strafanzeigen oder die Weigerung auf Erfüllung des Wohnrechts, welches der Schenker innehat. Generell muss der grobe Undank anhand der Verfehlungen zu erkennen sein.

Ist der grobe Undank gegeben, so kann dies zum Widerruf der Schenkung führen, wobei allerdings zu beachten ist, dass bei dem Widerruf sämtliche Umstände gewürdigt werden müssen, welche zu der Schenkung geführt haben [BGH, 13.11.2012, X ZR 80/11]. So richtet sich das Ausmaß an Dankbarkeit, welches der Schenker erwarten kann, zum einen nach dem Gegenstand und der Bedeutung der Schenkung, zum anderen nach den Umständen, welche zum Zeitpunkt der Schenkung bestanden haben. Motiv, Art und Umfang der Schenkung werden dem Anlass und der Art der Verfehlung gegenübergestellt und so eine Gesamtwürdigung aller Umstände vorgenommen.



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Häufige Rechtsfragen zum Thema

  • Kleingeschenk verbrannt - Ist das grober Undank? AlanSmithee schrieb am 11.11.2017, 12:16 Uhr:
    Liebe Rechtsfreunde!Wir haben letztens beim Fußball über ein rechtliches Thema spekuliert und sind nicht weitergekommen. Daher wollte ich eure Meinung mal erfahren und zwar zu folgendem fiktiven Fall:Fussballfan M schenkt Fussballfan A nach einem Wochenendausflug nach Hamburg eine Mütze (z.B. vom FCSP) im Wert von 30 Euro. A bedankt... » weiter lesen
  • Leihgabe Geld - oder Geschenk? janine1934 schrieb am 13.10.2017, 09:49 Uhr:
    Folgender fiktiver Fall:In einer mehrjährigen Beziehung überweist Partner A immer wieder Geld an Partner B. Partner B verdient deutlich weniger als Partner A. Partner B sieht dieses Geld grundsätzlich immer als Leihgabe, jedoch betont Partner A immer wieder, dass es ein Geschenk in der gemeinsamen Beziehung sei. Es gibt keine... » weiter lesen
  • Mietvertrag ungültig bzw. grober Undank ? bob1967de schrieb am 19.10.2014, 02:53 Uhr:
    Liebe Forumsmitglieder,eine harte Nuss aus verschiedenen Gebiete:-------------Eine Mutter (80 Jahre) hat Ihrem Sohn zu Lebzeiten große Teile ihres Vermögens geschenkt. Mehrere Hundert Tausend Euro aus dem Verkauf einer geerbten Wohnung sowie Bargeld aus einer Erbschaft.Sie hat auch ihre damals bewohnte Eigentumswohnung verkauft, da... » weiter lesen
  • Schenkung/Leihe, grober Undank & Beweißmittel joie286 schrieb am 06.10.2014, 19:07 Uhr:
    Hallo, ich wollte fragen, ob die hier als Begründung verwendeten Gesetze richtig verwendet worden sind. Ziemlich breit gefächert, aber beim Bilden des Sachverhalts sind noch weitere Fragen aufgetaucht.Zunächst der Sachverhalt:Person A erhielt von Person B Geschenke. Person A dachte, dass Person B die Geschenke aus Großzügigkeit und... » weiter lesen
  • Grober Undank Max1991 schrieb am 15.03.2013, 13:18 Uhr:
    Hallo Liebes Forum!Ich bin neu hier und benötige eure Kompetente Hilfe zu folgendem Fall. Vielen Dank schon mal im Vorraus.:erschlageThema grober Undank:Schenkerin A, die Mutter der Beschenkten B und C überträgt 2007 ihren gesamten Besitz jeweils hälftig auf B und C.Eine Passage der Schenkungsurkunde regelt den Altenteil, in dem es... » weiter lesen
  • Zinsloses Darlehen - Grober Undank dandeman schrieb am 27.06.2012, 14:02 Uhr:
    Es wurde einem Familienmitglied (Mutter) ein grosser Geldbetrag als zinsloses Darlehen zur Verfuegung gestellt (vom Sohn). Das Darlehen war besichert durch ein erwartetes Erbe. Erbfall nun eingetreten, die Person die das Darlehen erhalten hat hat eine ueble Verleumdungskampagne innerhalb der Familie gestartet. Ton war "Er will mich... » weiter lesen
  • Rücktritt von Schenkung möglich? schlager schrieb am 08.04.2010, 21:09 Uhr:
    Im Rahmen einer vorgeweggenommenen Erbfolge wurde A von B vor ca. 6 Jahren eine Wohnung geschenkt. B bewohnt weiter eine zweite Wohnung im Haus. Nun möchte B die Schenkung rückgängig machen (größerere Streitigkeiten zwischen A und B) und auf der Schiene "grober Undank" reiten. Allerdings ist das Zerwürfnis bzw. der Streit zw. A und B,... » weiter lesen
  • Grober Undank Nappo schrieb am 04.02.2008, 18:53 Uhr:
    Hallo, ich hatte letztens eine private Diskussion zum Thema " Grober Undank ". Anscheinend gibt es hierzu keine feste Definition, oder doch ??? Meine Frage an Alle: Wo fängt "grober Undank" an und was fällt alles darunter ??? Ein Anwalt sagte mir mal, "grober Undank" sei eine Bedrohung , Körperverletzung oder gar Mord. Sprich, um... » weiter lesen


Passende Rechtstipps

  • Allgemein wird davon ausgegangen, dass ein Geschenk auch als ein solches zu bewerten ist, und dass es nicht gestattet ist, es wiederzuholen. Nicht von ungefähr heißt es im Volksmund: „Geschenkt ist geschenkt, wiederholen ist gestohlen.“ Doch ist das wirklich so? Kann eine einmal getätigte Schenkung nicht widerrufen werden? Schenkung wiederrufen wegen groben Undanks Der Widerruf einer Schenkung ist durchaus... » weiter lesen


Grober Undank Urteile und Entscheidungen

  • BildDas Fehlen eines gesetzlichen Wettbewerbsverbots schließt nicht aus, daß die Gründung eines Konkurrenzunternehmens durch einen Kommanditisten als grober Undank gegenüber dem Schenker des Gesellschaftsanteils zu werten ist.

    » BGH, 04.12.2001, X ZR 167/99
  • BildDer bei der Übertragung des Eigentums an einem Grundstück vorbehaltene Anspruch auf Rückübereignung für den Fall, dass eine Schenkung von Gesetzes wegen rückgängig gemacht werden kann - Verarmung, grober Undank - ist vormerkungsfähig (im Anschluss an BGH, Beschluss vom 13.06.2002 - V ZB 30/01 -)

    » OLG-DUESSELDORF, 24.07.2002, 3 Wx 320/01
  • BildBGB § 530 Auch eheliche oder ehebedingte Verfehlungen können groben Undank des von den Eltern des anderen Ehegatten beschenkten Ehegatten zum Ausdruck bringen. Zur Annahme, der Beschenkte habe es in grober Weise an der Rücksichtnahme fehlen lassen, die der Schenker habe erwarten können, bedarf es jedoch besonderer Umstände, die gerade...

    » BGH, 19.01.1999, X ZR 60/97

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