Gläubiger

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Erklärung zum Begriff Gläubiger

Bei dem Gläubiger handelt es sich um einen Rechtsbegriff des Zivilrechts. Er handelt sich dabei um eine sog. Lehnübersetzung aus dem Italienischen (Creditore, von credere = glauben; im Rechnungswesen: Kreditor). Der Gläubiger glaubt demnach seinem Schuldner, dass dieser dessen Schuld erbringen wird (ital.: Debitore, von debere = schulden; im Rechungswesen: Debitor).
 

I.  Die Person des Gläubigers
Ein Gläubiger kann sowohl ein natürliche als auch eine juristische Person sein. Kennzeichnend ist für die Person des Gläubigers, dass er eine Forderung auf eine bestimmte Leistung gegenüber den Schuldner hat.
 

II.  Begründung der Gläubigerstellung

1. Im Schuldrecht
Nach § 241 Absatz 1 Satz 1 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) wird die Gläubigerstellung kraft Schuldverhältnisses begründet. Liegt ein wirksames Schuldverhältnis vor, so hat der Gläubiger einen Anspruch i.S.d. § 194 Absatz 1 BGB gegenüber dem Schuldner, von dem der Gläubiger bei Fälligkeit sodann die versprochene Leistung fordern kann.

Liegt hingegen ein gegenseitiger Vertrag vor, ist jede Person sowohl Gläubiger als auch Schuldner. Insoweit gilt die römische Rechtsformel „do ut des“ („Ich gebe, damit Du gibst.“). Der Gläubiger ist als Schuldner aufgrund des gegenseitigen Vertrages zu einer vereinbarten Leistung verpflichtet. Im Gegenzug erhält dieser dann die vereinbarte Gegenleistung vom Schuldner.

Beispiel: Kaufvertrag
Bei einem Kaufvertrag ist der Käufer zunächst Gläubiger hinsichtlich der Verpflichtung des Verkäufers, die gekaufte Sache dem Käufer zu liefern und ihm das Eigentum daran zu verschaffen. Im Gegenzug ist der Käufer allerdings auch Schuldner (und der Verkäufer somit Gläubiger) hinsichtlich der Verpflichtung, den vereinbarten Kaufpreis zu entrichten und die gekaufte Sache abzunehmen.

Der Gläubiger hat also aufgrund eines Schuldverhältnisses regelmäßig nicht nur Rechte, sondern auch Pflichten.
 

Es besteht jedoch grundsätzlich die Möglichkeit des Wechsels der Person des Gläubigers:

Dabei kommt insbesondere eine wirksame Abtretung nach § 398 BGB in Betracht. Ein Anspruchsinhaber kann so mithilfe einer Abtretungserklärung seine Forderung an eine beliebige Person übertragen. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass kein Abtretungsverbot nach § 399 BGB sowie § 400 BGB vorliegt und es sich bei der Forderung um eine bestimmbare Forderung handelt.

Darüber hinaus kann ein Gläubigerwechsel durch den Tod des Anspruchsinhabers eintreten. Im Rahmen der Gesamtrechtsnachfolge (§ 1922 BGB) erwerben der Erbe bzw. die Erben den Anspruch auf die Forderung. Sie werden somit Gläubiger.


2. In der Zwangsvollstreckung
Der Begriff des Gläubigers findet allerdings nicht nur im materiellen Recht (also dem Schuldrecht) Anwendung, sondern auch im Verfahrensrecht. So ist in der Zwangsvollstreckung gem. der §§ 704 der Zivilprozessordnung (ZPO) ein (Vollstreckungs-)Gläubiger derjenige, der aus einem vollstreckbaren Titel vollstreckt. (Vollstreckungs-)Schuldner ist, gegen wen aus dem vollstreckbaren Titel vollstreckt wird. Es bedarf insoweit also eines vollstreckbaren Titels.


3. Im Insolvenzverfahren
Im Insolvenzverfahren der Insolvenzordnung (InsO) sind nach der Legaldefinition von § 38 InsO diejenigen (Insolvenz-)Gläubiger, die gegen den (Insolvenz-)Schuldner eine Forderung haben, die schon vor dem Zeitpunkt der Eröffnung des Insolvenzverfahrens begründet war. Insoweit bedarf es also wieder einen Rückgriff auf den schuldrechtlichen Gläubiger.

Im Insolvenzverfahren vertreten die Gläubiger ihre Interessen gemeinschaftlich. Sie können dazu eine Gläubigerversammlung nach § 74 InsO errichten, welche die wesentlichen Entscheidungen im Insolvenzverfahren trifft. Daneben besteht die Möglichkeit, einen Gläubigerausschuss einzusetzen, der den Insolvenzverwalter bei der Durchführung seiner Aufgaben unterstützen und überwachen soll (§ 69 InsO).




Mitwirkende/Autoren:
Erstellt von , 01.06.2013 00:00
Zuletzt editiert von JuraforumWiki-Redaktion, 14.05.2015 07:59


 
 

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Nachrichten zu Gläubiger


Entscheidungen zum Begriff Gläubiger

  • BildVG-LUENEBURG, 17.12.2003, 3 A 108/02
    Zur Frage, wer Gläubiger eines Kostenersatzanspruchs nach § 73 NVwVG ist.
  • BildBGH, 12.03.2009, IX ZR 85/06
    Leistet ein Schuldner in anfechtbarer Weise an einen vom Gläubiger mit dem Empfang der Leistung beauftragten Dritten, ist der Gläubiger zur Rückgewähr der Leistung verpflichtet.
  • BildKAMMERGERICHT-BERLIN, 23.11.2004, 7 U 73/04
    Der vorläufige Insolvenzverwalter hat nur das Vermögen des Schuldners zu Gunsten aller Gläubiger zu sichern und nicht einzelne Gläubiger vorab zu befriedigen.
  • BildBAYOBLG, 02.08.2001, 4Z BR 11/01
    Wird ein Schuldenbereinigungsplan durch einen neuen ersetzt, so sind benannte Gläubiger im Sinne des § 309 Abs. 1 Satz 1 InsO nur mehr die im neuen Schuldenbereinigungsplan genannten Gläubiger.
  • BildBGH, 17.07.2001, X ZR 29/99
    Die Darlegungslast für ersparte Aufwendungen des Schuldners bei vom Gläubiger zu vertretender Unmöglichkeit trifft grundsätzlich den Gläubiger. Diesem können jedoch bei der Darlegung im Einzelfall Erleichterungen zugute kommen.
  • BildBGH, 24.05.2007, IX ZR 105/05
    Eine die Gläubiger benachteiligende Treuhandvereinbarung gilt als in dem Zeitpunkt vorgenommen, in dem Treugut entsteht.
  • BildBGH, 04.10.2001, IX ZR 81/99
    Zur Zahlungseinstellung des späteren Gesamtvollstreckungsschuldners und zur Kenntnis von dessen Zahlungsunfähigkeit durch einen pfändenden Gläubiger.
  • BildBGH, 05.02.2004, IX ZR 473/00
    Die Befriedigung einer fremden Schuld ist dem Gläubiger gegenüber nicht gemäß § 30 Nr. 2 KO anfechtbar.
  • BildOLG-FRANKFURT, 17.04.2001, 3 WF 1/97
    Dem Gläubiger der eidesstattlichen Versicherung darf diese nicht gegen seinen Willen aufgedrängt werden.
  • BildBGH, 09.10.2008, IX ZR 59/07
    In der Insolvenz eines selbstschuldnerischen Bürgen können von ihm erbrachte Zahlungen gegenüber dem Gläubiger angefochten werden.

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Bisherige Kommentare zum Begriff (1)

sab  (08.07.2016 06:22 Uhr):
guten morgen kann man als gläubiger zurück treten? mfg



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