Geburtsschaden

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Erklärung zum Begriff Geburtsschaden

Die Medizin definiert den Begriff „Geburtsschaden“ als eine vorgeburtlich erworbene bzw. angelegte Organfehlgestaltung.

Es kann sich dabei auch um mehrere Organe drehen, dies nennt man dann ein „Fehlbildungssyndrom“. Fehlbildungen, die nur einen sehr geringen klinischen Umfang aufweisen, bezeichnet man auch als „Anomalien“. Die Ursache der Fehlbildungen oder Anomalien kann durch umweltbedingte Einflüsse auftreten, genauso aber genetisch bedingt sein. Auch spontane Fehlbildungen ohne eine mit dem heutigen Stand der Wissenschaft erkennbare Erklärung können auftreten.

Mutation oder äußere Einwirkungen

Ein Geburtsschaden kann vielerlei Ursachen haben. Eine Ursache kann die Mutation sein, eine Änderung der Erbsubstanz, genauso auch eine Einwirkung von außen. Bekannte Atavismen sind Polydaktylie und Hermaphroditismus. Die nichtevolutionären, auf die Umwelt und das Verhalten der Mutter zurückzuführenden Faktoren sind weitaus häufiger. Ein akuter Mangel an Mikronährstoffen der Mutter, Cobalamin-, Folsäure- und Jodmangel, führt zu Fehlgeburten und Geburtsschaden. Auch Infektionskrankheiten wie Windpocken oder auch Röteln könne diverse Schädigungen an Auge, Ohr oder Herz bewirken. Toxoplasmose kann durch den Genuss von rohem Fleisch, nicht gewaschenem Gemüse und auch durch sehr engen Hautkontakt mit Haustieren auftreten. Der Erreger verursacht Augen- und Gehirnschäden. Auch die Einwirkung radioaktiver Elemente wie Röntgenstrahlen ist gefährlich für den Fötus. Besonders betroffen sind die Keimdrüsen mit den frühen Stadien der Keimzellen.

Medikamente und Drogen, Alkohol

Der Contergan-Skandal in den 1950ger Jahren war auf das Medikament Thalidomid zurückzuführen. Auch zahlreiche Antibiotika und Neuroleptika besitzen eine sogenannte „teratogene“ Wirkung. Das größte Risiko findet in sich in den ersten drei Monaten der Schwangerschaft. Zu diesem Zeitpunkt ahnen die meisten Frauen noch nichts von ihrer Schwangerschaft, konsumieren Alkohol und Medikamente. Gefährlich sind grundsätzlich alle

Zytostatika, Antineoplastika, Retinoide, Benzodiazepine, Antikoagulantien, Antiepileptika, Antikonvulsiva, Sexualhormone oder auch multipler Substanzmissbrauch und, von immenser Bedeutung, Chemikalien der Industrie und des Konsums. Hier sind beispielsweise die als das „dreckige Dutzend“ bekannten, das Erbgut nachhaltig verändernden Chlororganischen Verbindungen und Dioxine aufzuzählen. Diese Materie nennt man Stoffe mit reproduktionstoxischer Wirkung.




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Entscheidungen zum Begriff Geburtsschaden

  • BildOLG-NAUMBURG, 28.11.2001, 1 U 161/99
    1. Zur Bemessung des Schmerzensgeldes bei einem Geburtsschaden (hier: 500.000,00 DM Kapitalbetrag und 600,00 DM monatliche Geldrente). 2. Ein völlig uneinsichtiges vorgerichtliches und prozessuales Verhalten des Schadensersatzpflichtigen (bzw. der ihn vertretenden Versicherung) kann eine signifikante Erhöhung des...
  • BildVG-AUGSBURG, 12.12.2013, Au 2 K 12.1186
    Recht der Landesbeamten; ruhegehaltsfähige Dienstbezüge; Familienzuschlag der Stufe 1; Aufnahme eines Kindes in die Wohnung der Beamtin; anderweitige Unterbringung des Kindes auf Kosten der Beamtin; Mittel, die für den Unterhalt des aufgenommenen Kindes zur Verfügung stehen; Leistungen des Trägers der Sozialhilfe;...
  • BildOLG-ZWEIBRUECKEN, 27.03.2012, 5 U 7/08
    Zur Haftung des Belegarztes und des Krankenhausträgers wegen fehlerhafter Organisation betreffend die Durchführung einer Notsectio.
  • BildOLG-FRANKFURT-AM-MAIN, 28.01.2011, 1 W 37/10
    1. Hat das Ausgangsgericht bei seiner Nichtabhilfeentscheidung über die sofortige Beschwerde gegen die Versagung von Prozesskostenhilfe einen Schriftsatz des Antragstellers nicht zur Kenntnis genommen, steht es bei Entscheidungsreife im Ermessen des Beschwerdegerichts, ob es ohne Zurückverweisung selbst in der Sache entscheidet.2....

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