Flurstück

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Erklärung zum Begriff Flurstück

Der Begriff Flurstück (auch als Katasterparzelle oder früher als Parzelle bekannt) stammt aus dem Baurecht. Er beschreibt die kleinste Buchungseinheit des Liegenschaftskatasters und bezeichnet damit einen amtlich vermessenen und in der Regel örtlich vermarkten Teil der Erdoberfläche, der in Flurkarten, Liegenschaftskarten und Katasterbüchern nachgewiesen wird.

Der Begriff Flurstück findet insbesondere in den entsprechenden Landesgesetzen Anwendung, eine allgemeine Legaldefinition besteht deshalb nicht. Einige Landesgesetze haben den Begriff jedoch definiert, eine entsprechende landesübergreifende Anwendung ist somit also dennoch möglich. So sind Flurstücke zum Beispiel nach § 3 Absatz 2 Satz 2 des Landesgesetzes über das amtliche Vermessungswesen (LGVerm RLP) von Rheinland-Pfalz „eindeutig begrenzte Teile der Erdoberfläche, die durch das amtliche Vermessungswesen geometrisch festgelegt und bezeichnet sind.“

Durch die Flurstücksangabe im Bestandsverzeichnis des Grundbuchs wird ein Grundstück also einem geometrisch festgelegten Teil der Erdoberfläche zugeordnet. Ein Grundstück besteht aus einem oder mehreren Flurstücken, wobei Grundstücksgrenzen (Eigentumsgrenzen) immer auch Flurstücksgrenzen sind. Deshalb definieren Teile der Rechtsprechung und Literatur ergänzend, dass das Flurstück des Liegenschaftskatasters eine zusammenhängende, abgegrenzte Bodenfläche darstellt, die in der Regel einem Eigentümer zuzuordnen ist (vgl. nur BayObLGZ 1954, 258, 262).

Nach allgemeiner Ansicht soll ein räumlicher Zusammenhang eines Flurstücks auch dann noch gegeben sein, wenn dieses durch natürliche oder künstliche Hindernisse wie Straßen, Bahnlinien und Wasserläufe durchschnitten wird.

Darüber hinaus ist zu beachten, dass ein Flurstück auch noch im Kataster in Abschnitte verschiedener Nutzungsarten unterteilt sein kann.

Die Bestimmung von Flurstücksgrenzen richtet sich hingegen grundsätzlich wieder nach den entsprechenden landesrechtlichen Bestimmungen. So bestimmt beispielsweise § 15 LGVerm RLP, dass eine Flurstücksgrenze festgestellt wird, wenn sie unter Mitwirkung der Eigentümerinnen, Eigentümer und Erbbauberechtigten durch eine Liegenschaftsvermessung ermittelt, durch eine Sonderung auf der Grundlage festgestellter Flurstücksgrenzen und des vermessungstechnischen Raumbezugs festgelegt oder in einem öffentlich-rechtlichen Bodenordnungsverfahren einschließlich eines Verfahrens nach dem Flurbereinigungsgesetz oder in einem Enteignungsverfahren aufgrund einer Liegenschaftsvermessung oder einer Sonderung nach Nummer 2 festgesetzt worden ist.


Aufgrund des oben Gesagten werden die Flurstücke innerhalb des jeweiligen Nummerierungsbezirks, also der Flur oder der Gemarkung, auch mit sog. Flurstücksnummern bezeichnet, die entweder aus einer Zahl, aus einer Kombination von Zahl und Buchstabe (z. B. 234 a) oder einer aus Kombination von zweier Zahl besteht (z. B. 234/34 - gesprochen: 234 aus 34; z.B. bei Herausmessung eines Flurstücks aus einem anderen).


Beachte: Das Flurstück ist vom sog. „Zuflurstück“ zu unterscheiden!
Zuflurstücke
sind im vermessungstechnischen Sinne verselbständigte Teile von Flurstücken, die gem. § 2 Absatz 3 GBO [Grundbuchordnung] von einem Flurstück abgeschrieben wurden oder mit einem solchen verschmolzen werden sollen. Sie erhalten deshalb keine eigene Flurnummer und werden auch weder in der Flurkarte noch im Bestandsverzeichnis des Grundbuchs dargestellt (vgl. dazu BayObLGZ 1981, 8, 12 f). Etwas anderes gilt nach allgemeiner Ansicht nur im Falle des § 890 BGB [Bürgerliches Gesetzbuch], wonach entweder mehrere Grundstücke dadurch zu einem Grundstück vereinigt werden können, dass der Eigentümer sie als ein Grundstück in das Grundbuch eintragen lässt, oder ein Grundstück dadurch zum Bestandteil eines anderen Grundstücks gemacht werden kann, dass der Eigentümer es diesem im Grundbuch zuschreiben lässt (sog. Zuschreibung) (vgl. dazu nur BGH LM § 2 GBO Nr 1; BayObLGZ 1954, 258, 266 f.)



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