Erwerbstätigkeit - Definition, Bedeutung & Statistik

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Erklärung zum Begriff Erwerbstätigkeit

Nach dem Europäischen System der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen 1995 (ESVG 1995 11.11) sind Erwerbstätige wie folgt definiert:

Erwerbstätige sind alle Personen – Arbeitnehmer und Selbständige -, die einer Erwerbsarbeit nachgehen.

Ausübungsformen der Arbeit

Alternative Formen der Arbeit sind das Ehrenamt, die Zwangsarbeit oder die unbezahlte Haus- und Familienarbeit (es sind allerdings auch Mischformen möglich).

Ausübungsformen der Arbeit sind unter anderem: Arbeiter, Angestellter, Selbstständigkeit, Freiberufler, Vorübergehende Beschäftigung.

Nach dem Labour Force Konzept der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) setzen sich die Erwerbspersonen aus den Erwerbstätigen und den (sofort verfügbaren) Erwerbslosen zusammen.

Zu den Erwerbstätigen zählen danach alle Personen im Alter von 15 und mehr Jahren, die in einem Arbeitsverhältnis stehen (Arbeitnehmer) oder selbstständig ein Gewerbe, einen freien Beruf oder eine Landwirtschaft betreiben (Selbstständige, -->Unternehmer) oder als mithelfende Familienangehörige im Betrieb eines Verwandten mitarbeiten, ohne dafür Lohn oder Gehalt zu beziehen. Personen, die lediglich eine geringfügige Tätigkeit (Mini-Job) ausüben oder als Aushilfe nur vorübergehend beschäftigt sind, zählen ebenso als Erwerbstätige wie auch Personen, die einem Ein-Euro-Job nachgehen. Die Zuordnung zu den Erwerbstätigen ist unabhängig von der Bedeutung des Ertrags dieser Tätigkeit für den Lebensunterhalt und unabhängig von der tatsächlich geleisteten oder vertragsmäßig vereinbarten Arbeitszeit. Der internationalen Praxis folgend gelten auch Personen, die zwar nicht arbeiten, bei denen aber Bindungen zu einem Arbeitgeber bestehen (z.B. Personen in Mutterschutz oder Elternzeit, die diesen Urlaub aus einer bestehenden Erwerbstätigkeit angetreten haben), als erwerbstätig.

Die Zahl der Erwerbstätigen wurde zuletzt bei der Volkszählung 1987 ermittelt und wird seit dieser Zeit hochgerechnet. Als Indikatoren dienen dabei etwa 45 unterschiedliche Berichtsdokumente. Dazu zählen u.a. die Statistiken für einzelne Wirtschaftsbereiche, sowie die Statistik der Bundesanstalt für Arbeit über sozialversicherungspflichtig Beschäftigte und geringfügig Beschäftigte, Angaben der Personalstandstatistik über das Personal im Öffentlichen Dienst, die Ergebnisse des Mikrozensus und weitere Meldungen einzelner Institutionen und Ministerien.

Nach einer Neuberechnung der Erwerbstätigenzahlen im Rahmen der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen hatten im Durchschnitt des Jahres 2004 rund 38,8 Mill. Erwerbstätige ihren Wohnort und rund 38,9 Mill. Erwerbstätige einen Arbeitsplatz in Deutschland.

Siehe auch

Arbeitslosigkeit, Arbeitsvertrag, Beschäftigungsverhältnis, Nebentätigkeit, Kapitalismus, Marxismus

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Entscheidungen zum Begriff Erwerbstätigkeit

  • BildNIEDERSAECHSISCHES-OVG, 24.08.2006, 7 ME 36/06
    Versagung der Erlaubnis zur Aufnahme einer Erwerbstätigkeit eines geduldeten Ausländers.
  • BildVG-FRANKFURT-AM-MAIN, 01.03.2006, 10 E 6854/04
    Prozesskostenhilfe; Ausbildungsförderung; Förderungshöchstdauer; Kindererziehung; Erwerbstätigkeit; Studienverzögerung infolge langwierigen BAföG-Prozesses
  • BildBGH, 06.10.2004, XII ZR 319/01
    Zur Obliegenheit eines getrennt lebenden Ehegatten, eine angemessene Erwerbstätigkeit aufzunehmen.
  • BildBSG, 14.03.2012, B 14 AS 18/11 R
    Kurzarbeitergeld ist Einkommen aus Erwerbstätigkeit und deshalb bei der Berechnung von Freibeträgen beim Bruttoarbeitsentgelt zu berücksichtigen.
  • BildVG-STUTTGART, 15.09.2005, 12 K 2329/05
    Zu den Voraussetzungen eines Aufenthalts zum Zweck der Erwerbstätigkeit nach Einreise zum Zwecke der Familienzusammenführung.
  • BildOLG-CELLE, 17.05.2001, 12 WF 103/01
    Einem Unterhaltsschuldner ist nicht zuzumuten, neben vollschichtiger Erwerbstätigkeit noch eine bezahlte Nebentätigkeit aufzunehmen.
  • BildOLG-ZWEIBRÜCKEN, 24.08.2000, 1 Ss 157/00
    Zur Berechnung der Tagessatzhöhe beim Zusammentreffen von positiven Einkünften und Verlusten aus gleichartiger Erwerbstätigkeit.
  • BildLSG-BADEN-WUERTTEMBERG, 22.11.2012, L 6 U 2461/11
    Dass ein Versicherter infolge eines Versicherungsfalls (hier Arbeitsunfall) einer Erwerbstätigkeit nicht mehr nachgehen kann, erfordert, dass keinerlei Erwerbstätigkeit mehr möglich ist; dafür ist selbst die volle Erwerbsminderung iSd § 43 II 2 SGB VI nicht ausreichend.
  • BildBAYOBLG, 20.12.2004, 4 St RR 184/04
    Die Gewährung einer entgeltlichen Erwerbstätigkeit bei Ausländern, die unter die Positivliste der Durchführungsverordnung zum Ausländergesetz fallen, kann dann eine objektive Förderung des unerlaubten Aufenthalts darstellen, wenn gerade die Aufnahme der Erwerbstätigkeit des Ausländers aus dessen erlaubten Aufenthalt einen unerlaubten...
  • BildBSG, 01.07.2010, B 11 AL 31/09 R
    Für die Anrechnungsfreiheit von Nebeneinkommen ist die nahtlose Fortführung einer vor Entstehung des Alg-Anspruchs ausgeübten Erwerbstätigkeit nicht erforderlich.

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Bisherige Kommentare zum Begriff (1)

Tarper  (01.06.2015 21:14 Uhr):
Das Wort "selb-ständig" leitet sich aus der Gründerzeit freier Städte ab. Und bezeichnet seitdem Personen "vom selben Stand" wie dereinst die in Zünften organisierten Handwerker. Weder leibeigen noch dem Adel zugehörig. Die moderne Form "selbst-ständig" versucht ganz subtil dem unveräußerlichen Grundrecht auf Gewerbefreiheit ein politisch motiviertes Preisschild mit der Aufschrift "wirtschaftlich autark" umzuhängen, um unverschuldet in Not geratenen Selb-Ständigen ihren vom Grundgesetz garantierten Stand abstreitig zu machen.



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