Erwachsenenadoption – Wie hoch sind die Kosten und wie läuft das Verfahren ab?

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Erklärung zum Begriff Erwachsenenadoption – Kosten, Dauer und Verfahren in Deutschland

Voraussetzungen für die Adoption eines Erwachsenen. (© md3d - Fotolia.com )
Voraussetzungen für die Adoption eines Erwachsenen. (© md3d - Fotolia.com )

Von der Adoption eines Erwachsenen hört man weniger oft, als der eines Kindes oder eines / einer Minderjährigen. Wenn gute Gründe dafürsprechen, wie beispielsweise die Übergabe eines Betriebes oder die Weitergabe einer Wohnung, dann macht die Adoption eines Erwachsenen durchaus Sinn und ist auch ein gerechtfertigtes Anliegen. Dieser Ratgeber liefert eine Übersicht über Voraussetzungen, Möglichkeiten, Durchführung und Kosten der Adoption von Erwachsenen.

Welcher Unterschied zwischen Kindes- und Erwachsenenadoption liegt

Grundsätzlich wird bei Erwachsenen, also Personen, die nicht mehr minderjährig sind, die Verbindung zur leiblichen Familie nicht zwingend zerschnitten, dennoch begründet die Adoption die rechtliche Stellung eines Kindes desjenigen, der adoptiert wird.

Es gibt im Adoptionsrecht den Begriff der „schwachen Wirkung“ und damit wird der am meisten gewählte Vorgang bei der Adoption Erwachsener beschrieben: Die familienrechtlichen Beziehungen gibt es nur für die Adoptiveltern, nicht aber zu den anderen Verwandten der Adoptivfamilie. Es gibt beispielsweise auch nicht den Status der „Großeltern“.

Für die Adoptiveltern der angenommenen Person entsteht hinsichtlich deren Kindern jedoch eine vorrangige Unterhaltsverpflichtung vor deren leiblichen Verwandten. Ebenso werden durch die Adoption Verantwortungen gegenüber den neuen Eltern begründet, beispielsweise die finanzielle Unterstützung. Im Bedarfsfall können Pflege- und Unterhaltskosten regressiert werden.
Adoptierte Erwachsene erben von beiden Elternfamilien auf gleicher Ebene mit den anderen Kindern.

Ebenso sind noch folgende Auswirkungen möglich:

  • Namensänderung der angenommenen Person
  • Unterhaltsrechte und -pflichten werden begründet oder vermehrt
  • Gegenüber den leiblichen Eltern kann eine Unterhaltsverpflichtung entstehen
  • Wenn die so adoptierte Person stirbt, stehen die leiblichen Eltern und die Adoptiveltern als „Erben 2. Ordnung“ auf einer Ebene nebeneinander.

Bei bereits verheirateten Personen, die adoptiert werden sollen, empfiehlt es sich jedenfalls über die Namensgebung eine Vereinbarung zu treffen.

Um eine erwachsene Person mit den gleichen Wirkungen zu adoptieren (Volladoption), die auch eine Minderjährigen-Adoption hat, sind folgende Voraussetzungen erforderlich:

  • wenn auch ein minderjähriges Geschwisterkind des zu adoptierenden angenommen werden soll
  • bereits eine Familienzugehörigkeit über einen längeren Zeitraum besteht (der Anzunehmende hat schon als minderjähriges Kind in der Adoptivfamilie gelebt)
  • Stiefkindadoption, wenn das leibliche Kind des Ehegatten angenommen werden soll
  • der Anzunehmende war zum Zeitpunkt der Antragstellung noch minderjährig

Eine Volladoption muss gesondert beantragt werden.
Die rechtlichen Grundlagen für die Erwachsenenadoption finden sich im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB), §§ 1767 – 1772 BGB.
 

Wenn Ehegatten Geschwister werden

Dieser Fall kann eintreten, wenn die Eltern, den Gatten oder die Gattin adoptieren. Das Paar ist miteinander verheiratet, gleichzeitig sind sie rechtlich gesehen auch Geschwister. Diesen Status kann selbst eine Trennung oder Scheidung nicht mehr aufheben.

Voraussetzungen für die Adoption eines Erwachsenen

Vom Familiengericht wird geprüft ob hinter der Adoption ein gerechtfertigtes Anliegen steht, und die Adoption sittlich gerechtfertigt ist. Eine sittliche Rechtfertigung liegt insbesondere dann vor, wenn die Person schon lange (zum Beispiel als minderjähriges Kind) in der aufnehmenden Familie gelebt hat, oder die leiblichen Eltern die Adoption bisher verweigert haben.

Allerdings gibt es auch Grenzen, die gegen eine Adoption sprechen und die in der Regel auch zu einer Ablehnung des Ansuchens durch das Familiengericht führen. In erster Linie ist das dann der Fall, wenn sich herausstellt, dass die wirtschaftlichen Interessen überwiegen. Schließlich kann eine Adoption ja auch ein spannendes Modell sein, um die Erbschaftssteuer zu verringern oder gar einen Adelstitel zu erhalten.

Wenn die Person, die adoptiert wird, verheiratet ist, ist auch die Zustimmung des Ehepartners erforderlich.

Wodurch das Annahmeverhältnis aufgehoben werden kann

Wenn später wichtige Gründe auftauchen, kann das Gericht das Annahmeverhältnis aufheben (§ 1771 BGB), wenn der Annehmende oder der Angenommene einen entsprechenden Antrag stellt. Sinngemäß sind hier die Vorschriften des § 1760 Abs 1 bis 5 BGB) zutreffend, der Antrag also unter anderem durch Drohungen, Täuschungen und Störungen der Geistestätigkeit zustande gekommen ist.

Wie das Verfahren der Adoption Erwachsener abläuft

Jede Adoption – so auch die von erwachsenen Personen – wird vom zuständigen Familiengericht geprüft. Sämtliche erforderlichen Unterlagen müssen notariell beglaubigt sein. Die erforderlichen Unterlagen dazu sind:

  • der Antrag
  • Einwilligungserklärung der künftigen Adoptiveltern
  • Einwilligungserklärung des Angenommenen
  • Einwilligungserklärungen möglicher Ehepartner des Angenommenen

In einem ersten Schritt wird das Gericht prüfen, ob Gründe gegen die Adoption sprechen. Falls die Adoptivfamilie Kinder hat, wird geprüft ob eine eventuelle Schmälerung der Unterhalts- oder erbrechtlicher Ansprüche gegen die Interessen der Kinder verstößt.
Ebenso kann es sein, dass leibliche Kinder der adoptierten Person gerechtfertigte Einsprüche erheben könnten. Kindern beider Seiten steht somit ein Anhörungsrecht zu.

Es wird auch geprüft, ob bereits ein Eltern-Kind-Verhältnis besteht, oder dieses auch tatsächlich entstehen kann. Ein Beispiel eines solchen Verhältnisses könnte ein langjähriges Pflegeverhältnis sein, dass dann durch Adoption einem leiblichen Verhältnis gleichgestellt wird.
Es können wirtschaftliche Gründe für eine Adoption bestehen, die sollten aber nicht der Hauptgrund und ausschlaggebend für die Adoption sein. Laut gängiger Rechtsprechung soll ein „gewisser Abstand“ an Lebensjahren vorliegen. Eine Altersbegrenzung – nach oben oder unten – ist nicht vorgegeben.

Falls alle Voraussetzungen gegeben sind, spricht das Gericht, nach einer Anhörung aller Beteiligten, die Annahme des Volljährigen durch Beschluss aus. Die Dauer vom Antrag bis zur Genehmigung kann regional unterschiedlich sein und hängt auch von der Vollständigkeit und Richtigkeit aller Unterlagen ab. Nur ein gut vorbereiteter Adoptionsantrag führt zu einer schnellen Adoption.

Erwachsenenadoption von ausländischen Personen

Es können auch Personen, mit ausländischer Staatsbürgerschaft adoptiert werden, wenn sie über 18 Jahre alt sind. Die Adoption begründet aber keine deutsche Staatsbürgerschaft und es gibt auch keine Sicherheit ob das Aufenthaltsrecht zuerkannt wird.
Es liegt auch keine sittliche Rechtfertigung vor, wenn durch die Adoption eine drohende Ausweisung unterbunden werden soll.

Die Kosten einer Erwachsenen-Adoption

Abhängig davon, ob das Ansuchen mit Unterstützung eines Rechtsanwaltes erfolgt, fallen zu den Anwaltskosten noch die Kosten des Notars an. Für die Bemessung ist dafür der sogenannte „Gegenstandswert“ ausschlaggebend. Zur Berechnung dieses Wertes wird das Vermögen und die Einkommensverhältnisse des Adoptierenden herangezogen.

Ab 500.000 EUR Gegenstandswert belaufen sich die Kosten auf ca. 800 EUR, zuzüglich Steuern und Auslagen, insgesamt also rund 1000,-- EUR (falls alle Dokumente gemeinsam beurkundet werden).
An Gerichtsgebühren sind nochmals rund 900,-- EUR zu kalkulieren und schlussendlich kommen noch die Kosten eines Anwalts hinzu, wenn dieser in Anspruch genommen wird.



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Erwachsenenadoption – Kosten, Dauer und Verfahren in Deutschland Urteile und Entscheidungen

  • BildPersonen ohne deutsche Volkszugehörigkeit, die als Volljährige von einem Vertriebenen deutscher Volkszugehörigkeit vor dem Verlassen des Vertriebenengebiets adoptiert wurden, sind grundsätzlich keine Abkömmlinge iSd Art 116 Abs 1 GG und haben deshalb nicht am 01.08.1999 nach § 40a S 1 StAG (StARefG) die deutsche Staatsangehörigkeit...

    » VGH-BADEN-WUERTTEMBERG, 30.05.2005, 13 S 2125/03
  • Bild1. Der Begriff der familiären Lebensgemeinschaft in § 56 Abs. 1 Satz 1 Nr. 4 AufenthG ist wie in anderen Vorschriften des Aufenthaltsgesetzes (z. B. in den §§ 27 ff. AufenthG) auszulegen am Maßstab des durch Art. 6 GG vermittelten Schutzes von Ehe und Familie, das heißt der familiären Bindungen, die im Rahmen ausländerrechtlicher...

    » VG-FREIBURG, 04.04.2007, 4 K 515/07
  • BildZur (reduzierten) Bindung an ein rechtskräftiges verwaltungsgerichtliches Urteil, mit dem eine Klage gegen eine (reine) Ermessensentscheidung abgewiesen wurde. Maßgeblicher Zeitpunkt für die Beurteilung der Sach- und Rechtslage in einem Rechtsstreit über die Dauer der Befristung der Wirkungen einer Ausweisung nach § 11 Abs. 1 Satz 3...

    » VG-FREIBURG, 28.01.2010, 4 K 817/08

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