Erbstreit

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Erklärung zum Begriff Erbstreit

Hat ein Verstorbener kein Testament hinterlassen, gibt es um den Wert der Hinterlassenschaft Uneinigkeit in der Gemeinschaft der Erben, ist ein Erbstreit vorprogrammiert. Ist das Testament also ungültig, sind mehrere Erben mit gleicher Berechtigung aufgeführt, ist das Vermögen im Besitz der Erbengemeinschaft, also Verwandte, die nicht unbedingt immer gut miteinander auskommen müssen. Die Entscheidung der Erbengemeinschaft muss in aller Regel einstimmig ausfallen, so kann ein einzelnes Mitglied der Erbengemeinschaft eine Entscheidung, die beispielsweise den Verkauf eines Grundstückes oder Gebäudes vorsieht, ohne weiteres blockieren. Auch kann jedes Mitglied der Erbengemeinschaft die Einschätzungen wie Gutachten von Experten, was den Wert des Vermögens betrifft, anzweifeln und eigene Gutachten vorbringen.

Mehrheitsbeschlüsse selten erlaubt

Die Gesetzeslage im Erbrecht in der Bundesrepublik Deutschland macht Mehrheitsentscheidungen unter der Erbengemeinschaft im Erbfall nahezu Unmöglich. Sie sind, so hat das Oberlandesgericht in Koblenz entscheiden, nur in Ausnahmefällen möglich. Die Bedingung für einen Verkauf ist dabei, dass die Immobilie mit ihrem Verkauf nicht die Wertigkeit des Erbvermögens an sich reduziert. Dies wird nur sehr selten der Fall sein. Es ist also durchaus anzuraten, schon vor dem Ableben innerhalb der Familie klar zu stellen, wer welches Objekt erhält. Auch sollten Reserven seitens derjenigen geschaffen werden, die zum Beispiel das Wohngebäude übernehmen möchten, denn sie müssen die anderen auszahlen. Wer das ehemals vom Erblasser bewohnte Gebäude übernimmt und mindestens 10 Jahre bewohnt, geht im Übrigen steuerfrei aus.

Vermeidung von formalen Fehlern

Wenn ein letzter Wille rechtlich nicht gültig ist, kann die Konstellation der Erben auf einmal vollkommen anders aussehen als vom Erblasser geplant. Es ist deswegen anzuraten, sich von einem Notar oder Rechtsanwalt für Erbrecht beraten zu lassen. Auch ein Erbvertrag erscheint sinnvoll. Vorerst letzter Weg für die Erben ist das Nachlassgericht, welches jedoch nur mittelnde Funktion hat. Dann muss der zivilrechtliche Weg beschritten werden. Dazu wird vorher die Erbengemeinschaft aufgelöst.




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