Erbengemeinschaft

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Erklärung zum Begriff Erbengemeinschaft

Unter einer Erbengemeinschaft versteht man mehrere Erben, welche gemeinsam den Nachlass eines Erblassers, mit allen gesetzlichen Rechten und Pflichten, übernommen haben. Da den Personen einer solchen Gemeinschaft ein gemeinschaftliches Vermögen zusteht, wird diese auch als Gesamthandsgemeinschaft bezeichnet. In § 2032 BGB finden sich weiterführende gesetzliche Regelungen zu Erbengemeinschaften. Die Erben dieser Gemeinschaft werden auch Miterben genannt.

Gesetzliche Erbfolge

Eine Erbengemeinschaft entsteht entweder durch Bestimmung von Gesetzes wegen (gesetzliche Erbfolge) oder durch den letzten Willen des Erblassers (Testament). Im Rahmen der gesetzlichen  Erbfolge finden sowohl die verwandtschaftlichen Verhältnisse als auch das Erbrecht für Ehegatten Berücksichtigung. Die erbrechtlichen Vorschriften im BGB sehen eine gesetzliche Erbfolge in folgender Reihenfolge vor:

  1. Ehegatte (§1931 BGB) bzw. Lebenspartner (§10 LPartG)
  2. Erben erster Ordnung: Kinder (Abkömmlinge) des Erblassers
  3. Erben zweiter Ordnung: Eltern des Erblassers und deren Kinder (Abkömmlinge)

Sollten keine gesetzlichen Erben bekannt sein, so wird eine Erbenermittlung im weiteren Verwandtenkreis  des Verstorbenen durchgeführt.

Gemeinsame Verwaltung des Nachlasses und Erbstreitigkeiten

Die Verwaltung des Erbes durch die Miterben einer Erbengemeinschaft erfolgt gemeinschaftlich. Die Miterben sind nach § 2038 BGB verpflichtet, an Maßnahmen mitzuwirken, welche für eine ordnungsgemäße Verwaltung des Nachlasses notwendig sind. Sie sind entsprechend der Größe des Erbteils an diesen Maßnahmen stimmberechtigt und müssen die Entscheidungen zur Verwaltung des Erbes gemeinschaftlich treffen.

Einen Konsens zu finden ist hierbei nicht immer einfach, da die Miterben ggfs. unterschiedliche Interessen verfolgen. Während ein Miterbe beispielsweise eine Immobilie möglichst schnell verkaufen möchte, möchte ein anderer diese vielleicht lieber selbst bewohnen oder vermieten. Kommt es zu Rechtsstreitigkeiten innerhalb einer Erbengemeinschaft, so kann die Gemeinschaft nicht als Ganzes verklagt werden. Das Amtsgericht München hat im Jahr 2010 entschieden, dass eine Gemeinschaft von Erben nicht verklagt werden kann, da ihr die Rechtspersönlichkeit fehlt. Deshalb muss bei Rechtsstreitigkeiten innerhalb der Gemeinschaft gegen jeden Miterben einzeln vorgegangen werden [AG München, 01.02.2010, 231 C 12827/09].

Auflösung der Gemeinschaft

Eine Erbengemeinschaft dient normalerweise dem Zweck der Selbstauflösung, sobald das Erbe verteilt wurde. Deshalb wird diese Gemeinschaft von Nachlassgerichten gemäß Gesetz auch nur als nicht rechtsfähige Gesellschaft eingestuft. Sie kann auf unterschiedliche Art und Weise aufgelöst (auseinandergesetzt) werden:

  1. Erbanteilsübertragung (§ 2032 BGB)
  2. schuldrechtliche Erbauseinandersetzung (§ 2042 BGB)
  3. einvernehmliches Ausscheiden eines Miterben aus der Gemeinschaft der Erben

Allerdings können die Miterben, zwecks dauerhafter Verwaltung des Erbvermögens, natürlich auch den Status einer BGB-Gesellschaft anstreben und erlangen.



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Häufige Rechtsfragen zum Thema

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    Hallo,hier mal ein Fall.A und B gehören zu einer Erbengemeinschaft, wobei B dies erst nach 20 Jahren erfährt,als A ein Grundstück (Ackerland von verstorbenen Vater) verkaufen will.In diesen 20 Jahren hat A die gesamte Pachte erhalte. Im Grundbuch steht immer noch der verstorbenen Vater drin.A und B sind laut handschriftlichen Testament... » weiter lesen
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    Der Fall!Ein Harz4 Empfänger bezieht ALGII den Standard Satz.Das geerbte Haus hat etwa ein verkehrswert von 100000€es gibt insgesamt 3 Personen in der Erbengemeinschafteine Person in der Erbengemeinschaft bezieht Harz 4die andern 2 Personen Verdienen recht gut (über 3000€ netto im Monat) .Keiner wohnt in der ImmobilieEs gib... » weiter lesen
  • Heizkostenverteilung bei Erbengemeinschaft mit leerstehender Wohnung HerrAugustin schrieb am 20.09.2016, 15:12 Uhr:
    Sehr geehrte Damen und Herren,wie verteilen sich die Heizkosten bei einer zwei Wohnungen mit Zentralheizung umfassenden Immobilie einer Erbengemeinschaft (bestehend aus Partei A und Partei B), sofern eine Wohnung seit geraumer Zeit leersteht?Mit freundlichen Grüßen, » weiter lesen
  • Erbengemeinschaft ist wahrlich die Hölle, betr.: Blockade in selbiger nicht die Mama schrieb am 13.08.2015, 16:15 Uhr:
    Man stelle sich - passend zu den Außentemperaturen - folgende Situation vor:Mehrere Geschwister erben unter ein anderem ein Haus zu gleichen Teilen.Einige möchten nun vermieten, während andere finden, das rechnet sich nicht und möchten verkaufen, zumal derzeit gute Preise erzielt werden.Nun exitiere die erschwerende Bedingung, dass... » weiter lesen
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  • BildLeitsatz: Klagen einzelne Mitglieder einer Erbengemeinschaft auf Rückerstattung eines Grundstücks an die Erbengemeinschaft, so ist der Streitwert nach dem dem jeweiligen Erbanteil entsprechenden Teil des Verkehrswerts zu bemessen. Beschluß des 8. Senats vom 2. August 1999 - BVerwG 8 KSt 12.99 (8 B 93.99) - I. VG Weimar vom...

    » BVERWG, 02.08.1999, BVerwG 8 KSt 12.99
  • BildLeitsatz: Klagen einzelne Mitglieder einer Erbengemeinschaft auf Rückerstattung eines Grundstücks an die Erbengemeinschaft, so ist der Streitwert nach dem dem jeweiligen Erbanteil entsprechenden Teil des Verkehrswerts zu bemessen. Beschluß des 8. Senats vom 2. August 1999 - BVerwG 8 B 93.99 (8 KSt 12.99) - I. VG Weimar vom...

    » BVERWG, 02.08.1999, BVerwG 8 B 93.99

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