Erbauseinandersetzung

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Erklärung zum Begriff Erbauseinandersetzung


Wenn die sogenannte „gesetzliche Erbfolge“ mehrere Personen zu Erben erklärt, sind sie in einer Erbengemeinschaft. Keiner der Mitglieder dieser Erbengemeinschaft darf über die Dinge aus dem Nachlass verfügen. Der Nachlass muss gemeinsam verwaltet werden, was alleine aufgrund von Örtlichkeiten und Kommunikationsschwierigkeiten oft nur schlecht möglich ist. Auch kommen oft gespannte Verhältnisse zwischen den einzelnen Mitgliedern der Erbengemeinschaft vor, sodass ein gemeinsames Vorgehen oft ungemein schwer, wenn nicht unmöglich ist.

Die Auseinandersetzung der Erbgemeinschaft

Der § 2042 BGB definiert die Regeln, welche für die Auseinandersetzung einer Gemeinschaft Gültigkeit haben. Nach § 752 BGB ist der Nachlass zunächst in „Natur“ zu teilen. Jeder nimmt sich, was er zu benötigen meint. Oft ist das wegen Wertunterschieden oder weil es nur einen Vermögenswert im Nachlass gibt, nicht möglich. In diesem Fall wird der Wert verkauft oder zwangsversteigert.

Gerichtsweg

Ist eine Einigung unter den Mitgliedern der Erbengemeinschaft unmöglich, können diese das Nachlassgericht in Anspruch nehmen. Ist es nach wie vor, auch mit Hilfe dieser Instanz nicht möglich, sich zu einigen, geht der Rechtsweg über die Klage vor herkömmlichen Zivilgerichten weiter. Im Leitsatz eines BFH-Urteiles ist formuliert, dass die Kosten einer Erbauseinandersetzung nach dem § 10 Absatz 5 Nr. 3 ErbStG abzugsfähig sind, als Nachlassverbindlichkeiten. So kann auch die Grundstückschätzung eines Sachverständigen von der Steuer abgesetzt werden. Auch die Bewertungen der Gegenstände aus dem Nachlass, die Notariatskosten, die Gerichtskosten, die anwaltliche Beratung und die Vertretung der Miterben in der Erbauseinandersetzung sind von der Steuer absetzbar. Gibt es einen Rechtsstreit zwischen den Erben, so sind auch die Gerichtskosten anzurechnen. Die Erbfallkosten sind im Übrigen die Kosten der Bestattung, Grabdenkmal, Grabpflege, Gebühren für Testamentseröffnung, Erteilung des Erbscheins sowie Aufwendungen zur Novellierung des Grundbuches. Für die steuerliche Absetzbarkeit der im Zusammenhang mit der Auseinandersetzung stehenden Kosten ist es irrelevant, ob die gesetzliche Erbfolge oder Teilungsanordnungen nach Paragraph 2048 vorliegen, die Erbauseinandersetzung auf einer Vereinbarung besteht. Die Kosten sind dann abzugsfähig, wenn sie unmittelbar im Zusammenhang mit der Regelung des Nachlasses stehen.




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Entscheidungen zum Begriff Erbauseinandersetzung

  • BildLG-DETMOLD, 25.07.2008, 3 T 115/08
    Keine gebührenfreie Eintragung der Erben im Grundbuch aufgrund Erbauseinandersetzung
  • BildOLG-FRANKFURT, 23.02.2007, 1 UF 371/06
    Zur Ergänzungspflegerbestellung für die Vertretung des Kindes bei der Erbauseinandersetzung.
  • BildBFH, 14.12.2004, IX R 23/02
    Die von einem Miterben im Rahmen einer Erbauseinandersetzung übernommenen Schulden der Erbengemeinschaft bilden insoweit Anschaffungskosten der von ihm übernommenen Nachlassgegenstände, als sie seinen Anteil am Nachlass übersteigen.
  • BildNIEDERSAECHSISCHES-FG, 17.09.2003, 7 K 323/97
    Ausgleichszahlungen im Rahmen einer Erbauseinandersetzung sind steuerrechlich unbeachtlich, soweit die vom Erblasser festgesetzte Erbquote nicht überschritten wird. Revision eingelegt - BFH-Az. IX R 44/04
  • BildOLG-FRANKFURT, 20.03.2003, 20 W 76/03
    Die Gebührenfreiheit nach § 60 Abs. 4 KostO gilt nicht für die Eintragung von (Mit-)erben als Eigentümer im Grundbuch auf Grund vorausgegangener Erbauseinandersetzung (Aufrechterhaltung der bisherigen Senatsrechtsprechung).
  • BildBFH, 21.03.2002, IV R 1/01
    Die vom Großen Senat des BFH aufgestellten Grundsätze über die Erbauseinandersetzung eines sog. Mischnachlasses mit der Möglichkeit einer gewinnneutralen Realteilung können nicht auf die Aufteilung gemeinschaftlichen Vermögens bei Beendigung einer ehelichen Zugewinngemeinschaft unter Lebenden angewandt werden.
  • BildOLG-CELLE, 14.06.2001, 22 U 1/00
    Die Erbauseinandersetzung des Pfändungspfandgläubigers hängt nicht von der Zustimmung des Miterben ab, dessen Erbteil gepfändet wurde (entgegen Urt. d. 4. Sen. v. 6. Feb. 1998 - 4 U 78/97).
  • BildBFH, 09.12.2009, II R 37/08
    Die Kosten einer Erbauseinandersetzung sind gemäß § 10 Abs. 5 Nr. 3 ErbStG als Nachlassverbindlichkeiten abzugsfähig. Dazu gehören auch die Aufwendungen für die Bewertung der im Nachlass befindlichen Grundstücke durch Sachverständige.
  • BildOLG-NUERNBERG, 22.11.2013, 4 VA 1939/13
    1.) Lehnt ein Gerichtsvollzieher den zur Herbeiführung einer Erbauseinandersetzung gestellten Antrag auf Durchführung des Pfandverkaufs im Wege der öffentlichen Versteigerung ab, stellt dies einen Justizverwaltungsakt dar.2.) Die Verwertung eines einzelnen beweglichen Nachlassgegenstandes durch Pfandverkauf im Wege der öffentlichen...
  • BildBVERWG, 31.03.2004, BVerwG 8 C 1.03
    Für die kausale Verknüpfung bei § 1 Abs. 2 VermG zwischen Kostenunterdeckung der Mieten und Überschuldung besteht auch dann eine Vermutung, wenn die Immobilie zwar unter Geltung der DDR-Verhältnisse zur Finanzierung einer Erbauseinandersetzung beliehen, durch den geschädigten Eigentümer und seinen Erblasser danach aber noch lange Zeit...

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