Eingruppierung - Zeitanteile

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Erklärung zum Begriff Eingruppierung - Zeitanteile

Wenn ein Beschäftigter im öffentlichen Dienst eingestellt werden soll, muss festgelegt werden, welches Entgelt er für seine Tätigkeiten erhalten soll. Damit dieses ermittelt werden kann, muss eine Eingruppierung des beschäftigten vorgenommen werden. Um eine konkrete Eingruppierung eines Angestellten im öffentlichen Dienst vornehmen zu können, bedarf es gemäß § 22 BAT verschiedener Schritte. Eine sehr wichtige Voraussetzung für eine Stellenbewertung ist die Feststellung der Zeitanteile. Diese sind als Spiegelung der Verteilung des zeitlichen Aufwandes anzusehen, welcher für die einzelnen Arbeitsgänge angewendet wird. Für jeden dieser Arbeitsgänge wird eine individuelle Beurteilung erstellt.

Dabei muss gemäß § 22 Abs. 1 BAT beachtet werden, dass sich eine Eingruppierung nach den Tätigkeitsmerkmalen der Vergütungsordnung richten. Demzufolge erhält der Beschäftigte im öffentlichen Dienst die Vergütung gemäß der Vergütungsgruppe, in der er eingruppiert ist.

Gemäß § 22 Abs. 2 BAT wird der Beschäftigte in jene Vergütungsgruppe eingruppiert, deren Tätigkeitsmerkmalen die gesamte von ihm nicht nur vorübergehend auszuübende Tätigkeit entspricht. Dabei ist zu beachten, dass diese „gesamte auszuübende Tätigkeit“ den Tätigkeitsmerkmalen einer Vergütungsgruppe entspricht, wenn zeitlich mindestens zur Hälfte Arbeitsvorgänge anfallen, die für sich genommen die Anforderungen eines Tätigkeitsmerkmals oder mehrerer Tätigkeitsmerkmale dieser Vergütungsgruppe erfüllen“. Sollte die Erfüllung einer Anforderung jedoch erst bei Betrachtung mehrerer Arbeitsvorgänge festgestellt werden, wie es beispielsweise bei vielseitigen Fachkenntnissen der Fall ist, so sind diese Arbeitsvorgänge für die Feststellung, ob diese Anforderungen erfüllt sind, zusammen zu beurteilen.

Wenn nun bei der Aufteilung der Tätigkeit eines Beschäftigten festgestellt wird, dass diese aus verschiedenen Arbeitsgängen besteht, so muss weiter ermittelt werden, wie groß die zeitlichen Anteile dieser Arbeitsgänge an der Gesamtarbeitszeit des Beschäftigten sind. Dies ist jedoch nicht an einem Tag oder einer Woche möglich; in der Regel ist ein längerer Zeitraum, welcher bis zu sechs Monate dauern kann, für die Beurteilung eines Beschäftigten notwendig.

Zu beachten ist hierbei, dass die Zeitanteile so genau wie möglich anzugeben sind. Generell beziehen sie sich immer zu 100 % auf den beschriebenen Arbeitsplatz. Dies bedeutet, dass nicht nur Vollzeitarbeitsplätze, sondern auch Teilzeitarbeitsplätze mit 100 % anzugeben sind.

Arbeitsvorgänge, welche sich auf dieselbe Tätigkeit beziehen, werden für die Beurteilung der Zeitanteile zusammengefasst. Was geschieht aber, wenn die Arbeitsvorgänge unter 50 % der Gesamtarbeitsleistung liegen? Gemäß § 22 Abs. 2 BAT finden diese dann keine Beachtung, was in der Praxis häufig zu Unzufriedenheit bei den Beschäftigten führt, nämlich in jenen Fällen, in denen die betreffenden Arbeitsvorgänge zwar nicht die Hälfte der Gesamttätigkeiten ausmachen, aber für diese höher fachliche Qualifikationen erforderlich sind. Würden diese Beachtung finden, würde der betreffende Beschäftigte automatisch höherwertig eingruppiert werden.

Ermittlung Zeitanteile

In der Praxis stehen zur Ermittlung der Zeitanteile verschiedene Methoden zur Verfügung:

  • Laufzettelverfahren
  • Qualifizierte Schätzung durch den Vorgesetzten
  • Stichprobenverfahren
  • Tagebuch des Beschäftigten

 

Das Laufzettelverfahren wird als sogenannte „objektorientierte“ Methode der Ermittlung der Zeitanteile angesehen. Bei diesem Verfahren werden detailliert Wege, Erfassung- sowie Bearbeitungszeiten eines individuellen Falles (beispielsweise einer Akte) aufgeschrieben. Dieses geschieht mit Hilfe eines Laufzettels, der an dem betreffenden Fall angebracht ist und an jeder Station, an der er bearbeitet wird, ausgefüllt werden muss (Arbeitsablauf etc.).

Eine qualifizierte Schätzung durch den Vorgesetzten setzt voraus, dass der betreffende Vorgesetzte über genügend Erfahrungswerte verfügt, um Arbeitsgänge objektiv beurteilen zu können. Ist dies der Fall, kann er zukünftige Arbeitsabläufe anhand seines Wissens beurteilen.

Das Stichprobenverfahren wird in der Form angewendet, dass aus vielen Beobachtungen, welche katalogisiert werden, statistische Zeit- oder auch Mengenangaben abgeleitet werden können. Empfehlenswert ist dieses Verfahren vor allem in jenen Fällen, in denen häufig wiederkehrende Tätigkeiten zu erwarten sind (beispielsweise Kontrolle des täglichen Posteingangs und Verteilen der Sendungen an die Mitarbeiter).

Das Führen eines Tagebuches eines Beschäftigten wird als Kernelement der sogenannten „Selbstaufschreibung“ angesehen: der Beschäftigte legt seine täglichen Arbeitsgänge inklusive des dafür verwendeten Zeitaufwandes schriftlich nieder. Dabei ist zu beachten, dass sowohl die Anfangs-, als auch die Endzeitpunkte aufgeführt sein müssen.




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