Delikt

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Erklärung zum Begriff Delikt

Als Delikt werden in der juristischen Fachsprache folgende Dinge bezeichnet

Die Kriminologie verwendet den Ausdruck Delikt als Oberbegriff für alle im weitesten Sinne strafrechtlich relevanten Verfehlungen eines Rechtssubjektes.

I. Der Deliktbegriff im Zivilrecht

Als Deliktsrecht wird in der deutschen Rechtssprache (terminologisch etwas verwirrend und von Laien häufig nicht verstanden) das Rechtsgebiet bezeichnet, das sich mit der zivilrechtlich unerlaubten Handlung beschäftigt (also gerade nicht mit dem strafrechtlichen Aspekt einer Tat). Die so genannte deliktische Haftung umfasst also die außervertragliche (denn es geht beim Delikt nicht um das Nichteinhalten von Verträgen, sondern um "schlechthin" unerlaubtes Tun) Haftung eines Schädigers für eine Handlung, die er nicht tun durfte (und die durchaus gleichzeitig auch eine Straftat darstellen kann, aber nicht muss), gegenüber dem Geschädigten (Wiedergutmachung, Schadensersatz usw.). Die strafrechtliche Verantwortung für die Tat (ob also etwa der Staatsanwalt eingeschaltet, ein Bußgeld verhängt, eine Freiheitsstrafe ausgesprochen wird usw.) ist nicht Gegenstand des Deliktsrechts.

Der Urheber einer unerlaubten Handlung wird zivilrechtlich zumeist als Schädiger (nicht jedoch als Delinquent) bezeichnet.

II. Kriminelles Delikt

Um das Delikt des Strafrechts von dem im Zivilrecht relativ eng verwendeten Begriff zu unterscheiden, kann man entweder gleich Straftat oder strafbare Handlung sagen oder Ausdrücke wie "strafrechtliches" oder "kriminelles Delikt" verwenden.

Zu den Delikten im strafrechtlichen Sinn gehören nach der deutschen Systematik grundsätzlich nur Verbrechen und Vergehen. Ordnungswidrigkeiten stellen im Unterschied zu den früher auch dem deutschen Strafrecht bekannten und in anderen Rechtsordnungen noch heute existierenden Übertretungsdelikten (Bagatellstraftaten) kein kriminelles Delikt (also keine Straftat im Rechtssinn) dar. Im allgemeinen, nicht näher bestimmten Sinn lassen sich aber auch die nur nach dem Ordnungswidrigkeitenrecht zu ahndenden Rechtsverstöße durchaus als Delikte bezeichnen, vereinzelt spricht man sogar ausdrücklich von "Ordnungswidrigkeitsdelikten". So sind etwa sehr viele "Verkehrsdelikte" bloße Ordnungswidrigkeiten (Verkehrsordnungswidrigkeiten), während man von Verkehrsstraftaten erst dann sprechen kann, wenn es sich bereits um Vergehen, also um einen echten Straftatbestand handelt.

Wer ein strafrechtlich relevantes Delikt begeht, kann als Delinquent bezeichnet werden.

Zur Kategorisierung von strafbaren Handlungen verwendet man u. a. die Rechtsbegriffe:

III. Der Deliktbegriff in der Kriminologie

Als weitere terminologische Besonderheit kommt hinzu, dass die Kriminologie die Bezeichnung Delikt als allgemeinen (eher soziologisch als juristisch definierten) Begriff für eine strafrechtlich relevante Verfehlung pflegt und dem (enger, weil streng juristisch definierten) Begriff der Straftat vorzieht. In gleicher Weise sprechen Soziologie und Kriminologie vom Straftäter auch als von dem Delinquenten. Von Delinquenz wird in den Sozialwissenschaften sowohl bei der vollendeten Begehung krimineller Delikte (dann gleichbedeutend mit individueller Kriminalität) als auch im Sinne einer anhand objektiver Kriterien (in der Regel Handlungen) feststellbaren, subjektiv verankerten Neigung dazu gesprochen.

Kriminologisch werden bestimmte Arten von Straftaten oder Rechtsverstößen auch zu Deliktgruppen zusammengefasst:

  • Beziehungsdelikte
  • Drogendelikte
  • Gewaltdelikte
  • Sittlichkeitsdelikte
  • Verkehrsdelikte
  • Offizialdelikt / Antragsdelikt
  • und viele andere mehr

Im allgemeinen Sprachgebrauch spricht man bei vorgeblich "entschuldbaren" Taten auch von einem Kavaliersdelikt.

 




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Nachrichten zu Delikt

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Entscheidungen zum Begriff Delikt

  • BildOLG-STUTTGART, 29.04.2008, 5 W 9/08
    Das Organ einer juristischen Person haftet bei Verletzung der Verkehrssicherungspflicht persönlich aus Delikt.
  • BildOLG-HAMM, 08.08.2005, 2 Ss 63/05 OLG
    Gewerbsmäßig handelt, wer sich aus wiederholter Tatbegehung eine nicht nur vorübergehende Einnahmequelle von einigem Umfang verschaffen möchte.Die Wiederholungsabsicht muss sich hierbei auf dasjenige Delikt beziehen, dessen Tatbestand durch das Merkmal der Gewerbsmäßigkeit qualifiziert ist.
  • BildBGH, 19.10.2004, X ZR 142/03
    Der aus Delikt in Anspruch Genommene trägt die Beweislast für die Einwilligung in eine Eigentumsverletzung, die bei Ausführung eines Werkvertrags erfolgt, dessen Inhalt hinsichtlich Art und Umfang der geschuldeten Eingriffe streitig ist.
  • BildBGH, 22.07.1999, 4 StR 185/99
    § 306 b Abs. 2 Nr. 1 StGB ist kein erfolgsqualifiziertes Delikt, sondern setzt auch hinsichtlich des Eintritts der Gefahr Vorsatz voraus. BGH, Urteil vom 22. Juli 1999 - 4 StR 185/99 - Landgericht Münster -
  • BildBAYOBLG, 17.09.2003, 1Z AR 94/03
    Gerichtsstandsbestimmung für eine Klage auf Schadensersatz wegen Verlustes einer Kapitalanlage gegen die von der Kapitalanlagegesellschaft beauftragte Steuerberater- und Wirtschaftsprüfergesellschaft und deren zuständigen Mitarbeiter aus Vertrag mit Schutzwirkung zu Gunsten Dritter, aus Prospekthaftung und aus Delikt, wenn der...
  • BildOLG-KARLSRUHE, 24.04.2002, 7 U 53/01
    1. Ein Anspruch auf Erstattung des Unterhaltsbedarf für ungewollt geborene Kinder kann sich nur aus der Verletzung des Behandlungsvertrags nicht hingegen aus Delikt ergeben. 2. Die deliktischen Behandlungspflichten eines Arztes werden durch Zweck und Anlass des Arztbesuches bestimmt. Fragen des Patienten zu außerhalb der...
  • BildOLG-KOBLENZ, 27.09.2000, 1 Ws 481/00
    Leitsatz: Ist für das angezeigte Delikt die in § 78 III StGB bestimmte Verjährungsfrist abgelaufen, muss der Klageerzwingungsantrag darlegen, dass und aus welchem Grund die Tat trotzdem noch verfolgbar ist; andernfalls ist davon auszugehen, dass der Erhebung der öffentlichen Klage das Verfahrenshindernis der Strafverfolgungsverjährung...
  • BildOLG-KOBLENZ, 06.01.2000, 2 Ws 816/99
    Leitsatz: 1. Der Klageerzwingungsantrag ist nicht deshaslb unzulässig, weil er sich nicht mit allen Gründen des Einstellungsbescheides auseinandersetzt; es genügt, wenn er die (aus objektiver Sicht) tragenden Gründe abhandelt. 2. War die (falsche) Aussage noch nicht genehmigt worden, weil dies in einem nächsten Termin erfolgen...
  • BildBGH, 31.05.2001, I ZR 85/00
    Die Zuständigkeitsregelungen des Art. 31 Abs. 1 CMR kommen grundsätzlich auch bei der Geltendmachung von außervertraglichen Ansprüchen, etwa aus Delikt, zur Anwendung. Das gilt auch dann, wenn ein Unterfrachtführer als bloße Hilfsperson (Art. 3 CMR) des Hauptfrachtführers von dessen Auftraggeber bzw. von dem Rechtsnachfolger des...
  • BildBGH, 19.05.1999, 2 StR 86/99
    StGB 1975 §§ 9 Abs. 1, 17, 258 Abs. 1 Zum Verbotsirrtum beim Delikt der Strafvereitelung, wenn der Täter Ausländer ist und nur im Ausland handelt, dadurch aber den Begünstigten der inländischen Srafverfolgung entzieht. BGH, Urteil vom 19. Mai 1999 - 2 StR 86/99 - Landgericht Frankfurt am Main

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