Bruchteilsgemeinschaft & Bruchteilseigentümer nach BGB: Definition & Auflösung

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Erklärung zum Begriff Bruchteilsgemeinschaft

Besitzen mehrere Personen gemeinsam eine Sache, so wird diese im deutschen Zivilrecht als „Bruchteilseigentum“ oder „Miteigentum nach Bruchteilen“ bezeichnet. Seine gesetzlichen Regelungen findet das Bruchteilseigentum in den §§ 1008 bis 1011 BGB.

Wie hoch der individuelle Anteil der einzelnen Personen ist, wird nach Bruchteilen bestimmt. Über diesen Anteil, der rechtlich selbständig ist, darf jeder Eigentümer selbst verfügen, wobei dieser Anteil ideell zu verstehen ist.

Eine Verfügung über die Sache im Ganzen ist jedoch nur durch eine gemeinschaftliche Verfügung sämtlicher Bruchteilseigentümer beziehungsweise durch eine Bevollmächtigung eines Eigentümers durch alle anderen möglich. Auch die Verwaltung der betreffenden Sache ist gemäß § 744 Abs. 1 nur gemeinschaftlich möglich, wobei eine Stimmenmehrheit notwendig ist. Eine Ausnahme von der gemeinschaftlichen Verwaltung besteht gemäß § 744 Abs. 2 in jenen Fällen, in denen für die Erhaltung der Sache notwendige Maßnahmen getroffen werden müssen: dies ist auch jedem einzelnen der Bruchteilseigentümer gestattet. Die von ihm aufgewandten Kosten kann er sich wiederum gemäß § 748 von den anderen Bruchteilseigentümern erstatten lassen.

 

Bruchteilsgemeinschaft

Die Gesamtheit der jeweiligen Bruchteilseigentümer einer Sache wird alsBruchteilsgemeinschaft bezeichnet, deren Vorschriften gemäß §§ 741 - 758 BGB geregelt werden. Sie entsteht per Gesetz oder per Vertrag und besteht immer an individuellen Gegenständen und nie an einem Vermögen. Gesetzliche Bruchteilsgemeinschaften entstehen beispielsweise

Auch bei Eheleuten kann eine Bruchteilsgemeinschaft bestehen [OLG Naumburg, 26.06.2006, 10 U 23/06]. Einfache Bruchteilsgemeinschaften gelten als schlichte Interessengemeinschaften ohne bestimmten Zweck und sind dementsprechend nicht als Gesellschaften anzusehen. Dementsprechend sind sie von den sogenannten „Gesamthandgemeinschaften“ zu unterscheiden, welche beispielsweise Erbengemeinschaften oder eine Personengesellschaften sind und einen gemeinschaftlichen Zweck besitzen.

 

Auflösung einer Bruchteilsgemeinschaft

Die Auflösung einer Bruchteilsgemeinschaft kann auf Antrag eines der Bruchteilseigentümer erfolgen, zu dem jeder der Eigentümer gemäß § 749 BGB berechtigt ist. Sollte eine tatsächliche Teilung nicht möglich sein, so kommt es gemäß § 753 BGB zu einer Versteigerung der betreffenden Sache mit anschließender Aufteilung des erzielten Erlöses.

Auch kann ein Gläubiger die Auflösung einer Bruchteilsgemeinschaft verlangen, und zwar in jenen Fällen, in denen er Ansprüche gegenüber einem Bruchteilseigentümer besitzt: da Miteigentum der Pfändung und Zwangsvollstreckung unterliegt, können derartige Ansprüche geltend gemacht werden. Zu beachten ist allerdings, dass der entsprechende Pfändungsbeschluss auch an alle Miteigentümer der Bruchteilgemeinschaft zugestellt werden muss, da sie in diesem Fall als Drittschuldner angesehen werden.




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Entscheidungen zum Begriff Bruchteilsgemeinschaft

  • BildOLG-CELLE, 18.11.2002, 7 W 34/02
    Bringt der Hoferbe zu Bauland gewordene Hofgrundstücke im Wege entgeltlicher Veräußerung zunächst in eine Bruchteilsgemeinschaft ein (an der er selbst beteiligt ist), um auf diese Weise ein förmliches Umlegungsverfahren zu vermeiden, ist für die Bemessung des Ergänzungsanspruchs der weichenden Erben grundsätzlich auf den Erlös aus der...
  • BildKAMMERGERICHT-BERLIN, 01.10.2008, 1 W 455/08
    Klagt ein Mitglied einer Bruchteilsgemeinschaft gegen ein anderes Mitglied der Gemeinschaft auf Auflassung des der Gemeinschaft gehörenden Grundstücks an sich, so richtet sich der Streitwert gemäß § 3 ZPO nach dem Anteil des beklagten Miteigentümers. Grundstücksbelastungen sind nicht zu berücksichtigen.
  • BildOLG-MUENCHEN, 28.06.2005, 32 Wx 46/05
    Aus dem gesetzlichen Schuldverhältnis der Bruchteilsgemeinschaft erwächst dem einzelnen Wohnungseigentümer in der Regel nicht die Verpflichtung, sich bereits im Vorfeld einer Wohnungseigentümerversammlung zu seinem Kommen und/oder zu seinem Abstimmungsverhalten zu äußern.
  • BildBFH, 01.10.1998, V R 31/98
    BUNDESFINANZHOF 1. Erwerben mehrere Landwirte gemeinsam als Bruchteilsberechtigte einen Mähdrescher, um diesen in ihren eigenen landwirtschaftlichen Betrieben einzusetzen, so sind sie umsatzsteuerrechtlich Leistungsempfänger, wenn die Bruchteilsgemeinschaft selbst keine Umsätze ausführt. 2. In diesem Fall steht jedem der Landwirte...
  • BildBFH, 06.09.2007, V R 41/05
    1. Überträgt ein Vermietungsunternehmer das Eigentum an einem umsatzsteuerpflichtig vermieteten Grundstück zur Hälfte auf seinen Ehegatten, liegt darin eine Geschäftsveräußerung im Ganzen, wenn das Grundstück alleiniger Vermietungsgegenstand war. 2. Dieser Vorgang löst beim Vermietungsunternehmer keine Vorsteuerkorrektur gemäß § 15a...
  • BildBGH, 28.09.2005, VIII ZR 399/03
    Der über eine Wohnung und eine Garage geschlossene einheitliche Mietvertrag wird durch die Veräußerung der Wohnung und der Garage an verschiedene Erwerber nicht in mehrere Mietverhältnisse aufgespalten; vielmehr treten die Erwerber in den einheitlichen Mietvertrag ein. Ihr Verhältnis bestimmt sich nach den Regelungen über die...
  • BildOLG-KOBLENZ, 17.10.2002, 5 U 1735/01
    Überlässt ein Mitglied einer Bruchteilsgemeinschaft dem anderen Miteigentümer über viele Jahre die Verwaltung und erweckt er dabei den Eindruck keine näheren Informationen über veranlasste Maßnahmen und die Verwendung von Geldern zu wünschen, schuldet der Verwalter am Ende der Verwaltungszeit nach Treu und Glauben nur im...
  • BildBVERWG, 28.04.1998, BVerwG 7 C 3.97
    Leitsatz: Hat der staatliche Verwalter an der Veräußerung eines gemeinschaftlichen Gegenstandes durch die Bruchteilsgemeinschaft nur mitgewirkt, ohne das Geschäft selbst zu betreiben, ist der Schädigungstatbestand des § 1 Abs. 1 Buchst. c VermG nicht erfüllt. Urteil des 7. Senats vom 28. April 1998 - BVerwG 7 C 3.97 - I. VG Weimar...
  • BildBGH, 28.09.2011, VIII ZR 242/10
    a) Der Klageantrag auf Duldung der Modernisierung einer Mietwohnung ist hinreichend bestimmt, wenn der erstrebte Duldungserfolg sowie der Umfang der zu duldenden Arbeiten in seinen wesentlichen Umrissen und Schritten im Antrag umschrieben werden. b) Ist eine Mietwohnung von einer Bruchteilsgemeinschaft vermietet, kann die von der...
  • BildBFH, 22.11.2007, V R 5/06
    1. Eine Geschäftsveräußerung i.S. von § 1 Abs. 1a UStG 1993 liegt auch dann vor, wenn der bisherige Alleineigentümer eines Grundstücks, das er bisher teilweise steuerpflichtig vermietete und teilweise für eigenunternehmerische Zwecke nutzte, einen Miteigentumsanteil auf seinen Sohn überträgt (Fortführung von BFH-Urteil vom 6. September...

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