Biosphärenreservat

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Erklärung zum Begriff Biosphärenreservat


Ein Schutzgebiet, welches hinsichtlich seiner Vegetationszonen repräsentativ ist oder Besonderheiten aufweist, wird als Biosphärenreservat bezeichnet.

Die UNESCO weist weltweit Biosphärenreservate im Rahmen des Programms Mensch und Biosphäre (Man and Biosphere - MAB) zum Schutz typischer Landschaften aus.

Dieses Programm wurde 1970 als zwischenstaatliches und interdisziplinäres Wissenschaftsprogramm von der UNESCO gestartet. Die UNESCO Generalversammlung legte 1995 in Sevilla, Spanien die Internationalen Leitlinien für das Weltnetz der Biosphärenreservate fest und definierte Biosphärenreservat wie folgt:

„Biosphärenreservate sind Gebiete, bestehend aus terrestrischen und Küsten- sowie Meeresökosystemen oder aus einer Kombination derselben, die international im Rahmen des UNESCO-Programms Der Mensch und die Biosphäre (MAB) nach Maßgabe vorliegender internationaler Leitlinien für das Weltnetz der Biosphärenreservate anerkannt werden.“

Es geht daher in erster Linie um den Schutz der vom Menschen geschaffenen Kulturlandschaften, für welche die UNESCO zuständig ist, und nicht um Natur- oder Landschaftsschutz. Im Oktober 2005 gab es 489 Biosphärenreservate in 102 Ländern.

Inhaltsübersicht

I. Zielsetzung

Biosphärenreservate sollen Modellstandorte zur Erforschung und Demonstration von Ansätzen zu Schutz und nachhaltiger Entwicklung auf regionaler Ebene sein und haben die folgenden Funktionen:

  • Schutz: Beitrag zur Erhaltung von Landschaften, Ökosystemen, Arten und genetischer Vielfalt
  • Entwicklung: Förderung einer wirtschaftlichen und menschlichen Entwicklung, die soziokulturell und ökologisch nachhaltig ist
  • Logistische Unterstützung: Förderung von Demonstrationsprojekten, Umweltbildung und -ausbildung, Forschung und Umweltbeobachtung im Rahmen lokaler, regionaler, nationaler und weltweiter Themen des Schutzes und der nachhaltigen Entwicklung

Zur Umsetzung der verschiedenen Ziele und Funktionen sind Biosphärenreservate räumlich in drei Zonen gegliedert:

  • Kernzonen: Zonen, die langfristigem Schutz gewidmet sind und die mit den Schutzzielen des Biosphärenreservats übereinstimmen sowie eine ausreichende Größe zur Erfüllung dieser Ziele aufweisen. Kernzonen sind in der Regel von jeglicher Nutzung ausgeschlossen.
  • Pflegezonen: Zonen, die die Kernzonen umschließen oder an sie angrenzen, in denen nur Aktivitäten stattfinden, die mit den Schutzzielen vereinbar sind. Hier darf nur eine schonende, naturnahe Landnutzung stattfinden.
  • Entwicklungszonen: Zonen in der Vorgehensweisen zur nachhaltigen Bewirtschaftung von Ressourcen gefördert und entwickelt werden.

II. Umsetzung

Die einzelnen Biosphärenreservate verbleiben unter der Hoheitsgewalt des Staates, zu dem sie gehören. Im Rahmen der Internationalen Leitlinien der UNESCO ergreifen die Staaten Maßnahmen, die sie nach Maßgabe ihres nationalen Rechtes als erforderlich erachten.

Deutschland

"Biosphärenreservate sind nach § 25 BNatSchG "einheitlich zu schützende und zu entwickelnde Gebiete, die

  • großräumig und für bestimmte Landschaftstypen charakteristisch sind,
  • in wesentlichen Teilen ihres Gebiets die Voraussetzungen eines Naturschutzgebiets, im Übrigen überwiegend eines Landschaftsschutzgebiets erfüllen,
  • vornehmlich der Erhaltung, Entwicklung oder Wiederherstellung einer durch hergebrachte vielfältige Nutzung geprägten Landschaft und der darin historisch gewachsenen Arten- und Biotopvielfalt, einschließlich Wild- und früherer Kulturformen wirtschaftlich genutzter oder nutzbarer Tier- und Pflanzenarten, dienen und
  • beispielhaft der Entwicklung und Erprobung von die Naturgüter besonders schonenden Wirtschaftsweisen dienen."

Diese nationale rechtliche Regelung eröffnet den Ländern die Möglichkeit, Biosphärenreservate auszuweisen, die zunächst noch nicht mit den internationalen Vorgaben der UNESCO übereinstimmen. Viele Bundesländer haben bereits vor der rahmenrechtlichen Regelung die Biosphärenreservate, z.T. mit Erwähnung der UNESCO-Anerkennung, in ihre Landesnaturschutzgesetze aufgenommen (MAYERL 20041). Gemäß den Leitlinien des internationalen Programms "Der Mensch und die Biosphäre" (MAB) werden seit 1976 Biosphärenreservate von der UNESCO anerkannt. Das internationale Prädikat "Biosphärenreservat" wird auf der Grundlage des "Statutory Framework of the World Network of Biosphere Reserves" (UNESCO 1995, 1996) verliehen. Ziel der UNESCO-Biosphärenreservate ist es, eine ausgewogene Beziehung zwischen Mensch und Biosphäre zu fördern sowie beispielhaft darzustellen (DEUTSCHES MAB-NATIONALKOMITEE 2004) (BUNDESAMT FÜR NATURSCHUTZ 2006)".

Biosphärenreservate haben zum Ziel, historisch geprägte Kulturlandschaften zu erhalten, zu entwickeln oder wiederherzustellen. Dadurch tragen sie dazu bei, natürliche Ressourcen zu erhalten, Umweltbelastungen vorzubeugen und umweltgerechtes Verhalten bewusst zu machen. Biosphärenreservate sollen im Wesentlichen die Voraussetzungen für ein Naturschutzgebiet mitbringen und im Übrigen überwiegend einem Landschaftsschutzgebiet entsprechen.

Grundsätzlich sind hier alle Handlungen, Eingriffe und Vorhaben verboten, die dem Schutzzweck zuwiderlaufen. Wie auch außerhalb von Schutzgebieten gilt für die meisten baulichen oder sonstige Vorhaben die Eingriffs-Ausgleichs-Regelung des Bundesnaturschutzgesetzes.

Die Entwicklungsziele der Biosphärenreservate sind bei der Bauleitplanung zu berücksichtigen und müssen in Bebauungsplänen dargestellt und beachtet werden, soweit sie in dem Maßstab eine Rolle spielen. Man spricht hier von einer nachrichtlichen Übernahme.

Österreich

Dieser Abschnitt stellt die Situation in Deutschland und der Schweiz dar. Hilf mit sie in Österreich zu beschreiben.

Schweiz

Auf nationaler Ebene sind in der Schweiz der Nationalpark geschützt und auch die Moore (gemäss Rothenthurm-Initiative, welche eigentlich die Nutzung von Mooren als Waffenplätze verbietet).

Auf kantonaler Ebene sind Flächen als Naturschutzgebiete ausgeschieden, und Private (zum Beispiel pro natura) sind im Besitz von eigenen Reservaten.

Sonstige Schutzgebietskategorien

Neben dem Biosphärenreservat kennt das Bundesnaturschutzgesetz weitere Schutzmöglichkeiten, die mehr oder weniger rigide sind und unterschiedliche Zweckbestimmungen haben:

  • Besonderer Gebietsschutz: Naturschutzgebiete, Nationalparke, Landschaftsschutzgebiete, Naturparke,
  • Schutz einzelner Landschaftsteile: Naturdenkmale, geschützte Landschaftsbestandteile
  • Schutz von Arten und Biotopen: Biotopschutz
  • Europäische Schutzgebiete nach der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie zur Bildung eines europäischen Biotopverbundsystems Natura 2000

III. Biosphärenreservate

Deutschland

  • 1979: Biosphärenreservat Vessertal, s. Thüringer Wald (17.000 ha) (1991 erweitert)
  • 1979: Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe (374.432 ha), AGUBE, (1997 erweitert) mit den vier Teil-Biosphärenreservaten:
    • Biosphärenreservat Mittelelbe (Sachsen-Anhalt)
    • Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe - Brandenburg
    • Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe - Mecklenburg-Vorpommern
    • Biosphärenreservat Niedersächsische Elbtalaue (56.760 ha)
  • 1981: Biosphärenreservat Bayerischer Wald, s. Bayerischer Wald (13.300 ha)
  • 1990: Biosphärenreservat Berchtesgaden (46.742 ha)
  • 1990: Biosphärenreservat Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer (285.000 ha)
  • 1990: Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin (129.161 ha)
  • 1991: Biosphärenreservat Rhön (siehe auch Rhön) (130.488 ha)
  • 1991: Biosphärenreservat Spreewald, (Brandenburg) (47.492 ha)
  • 1991: Biosphärenreservat Südost-Rügen (23.500 ha)
  • 1992: Biosphärenreservat Hamburgisches Wattenmeer (11.700 ha)
  • 1992: Biosphärenreservat Niedersächsisches Wattenmeer (240.000 ha)
  • 1996: Biosphärenreservat Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft (30.120 ha)
  • 1998: Biosphärenreservat Pfälzerwald-Vosges du Nord, grenzüberschreitend (deutscher Anteil: 179.800 ha)
  • 2000: Biosphärenreservat Schaalsee, s. Schaalsee (30.257 ha)
  • 2006: Biosphärenreservat Schwäbische Alb, in Vorbereitung (70.000 ha)
  • 2007: Biosphärenregion Bliesgau (Saarland) (36.152 ha),

zusammen etwa 4,3% des Bundesgebietes.

Österreich

In Österreich gibt es 18 vom Europarat anerkannte Reservate und sechs Biosphärenreservate, die der UNESCO unterstehen.

  • 1977: Gossenköllesee (Tirol)
  • 1977: Gurgler Kamm (Tirol)
  • 1977: Lobau (Wien)
  • 1970: Neusiedler See (Burgenland)
  • 2000: Großes Walsertal (Vorarlberg)
  • 2005: Wienerwald (Niederösterreich/Wien)

Schweiz

  • 1979: Schweizer Nationalpark (Kanton Graubünden)
  • 2001: Entlebuch (Kanton Luzern)
  • geplant: Val Müstair

IV. Übersicht aller Biosphärenreservate

Eine Liste der Biosphärenreservate auf der Welt
Weitere Biosphärenreservate siehe Kategorie:Biosphärenreservat

V. Weiterführende Literatur

  • DEUTSCHES NATIONALKOMITEE FÜR DAS PROGRAMM "DER MENSCH UND DIE BIOSPHÄRE" (MAB)(Hrsg.)(2004): Voller Leben. UNESCO Biosphärenreservate - Modellregionen für eine nachhaltige Entwicklung. Springer Verlag, ISBN 3-540-20080-0, 314 S.
  • DEUTSCHES NATIONALKOMITEE FÜR DAS PROGRAMM "DER MENSCH UND DIE BIOSPHÄRE" (MAB) (HRSG.) (1996): Kriterien für Anerkennung und Überprüfung von Biosphärenreservaten der UNESCO in Deutschland. - Bonn, ISBN 3-927907-58-8, 72 S.
  • German National Committee for the UNESCO "Man and the Biosphere" (MAB) Programme (1996): Criteria for designation and evaluation of UNESCO biosphere reserves in Germany.- Bonn, ISBN 3-927907-57-X, 72 S.
  • UNESCO (Hrsg.) (1996): Biosphärenreservate. Die Sevilla-Strategie und die Internationalen Leitlinien für das Weltnetz. - Bonn (Bundesamt für Naturschutz), 24 S
  • UNESCO (HRSG.) (1995): Statutory Framework of the World Network of Biosphere Reserves. - UNESCO, Paris.
  • Ständige Arbeitsgruppe der Biosphärenreservate in Deutschland (Hrsg.): Biosphärenreservate in Deutschland. Leitlinien für Schutz, Pflege und Entwicklung. Springer Verlag, Berlin, Heidelberg, New York 1995, ISBN 3-540-58722-5
  • Ingrid Klaffl, Irene Oberleitner, Maria Tiefenbach: Biogenetische Reservate und Biosphärenreservate in Österreich. (Biogenetic Reserves and Biosphere Reserves in Austria - English Summary), Wien 1999, (Reports; R-161)

VI. Verweise

International

Deutschland

Österreich




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