Behandlungsfehler

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Erklärung zum Begriff Behandlungsfehler

Definiert wird der Behandlungsfehler als eine nicht ordnungsgemäße, das heißt eine zu diesem Zeitpunkt der Behandlung falsche Behandlung, welche nicht den medizinischen Standards entspricht – durch  einen Arzt oder einen Angehörigen von Heilberufen.

Der Behandlungsfehler (auch umgangsprachlich "Ärztepfusch" genannt), man schätzt eine Zahl von 170 000 jährlich, ist wohl eines der schlimmsten Dinge, die einem Patienten passieren kann, der sich vertrauensvoll in die Hände eines Arztes oder einer entsprechenden Institution begeben hat. Eine Chance auf eine „gerechte“ Rechtsprechung ist zumeist sehr zweifelhaft. Der Fehler kann rein organisatorischen Hintergrund haben aber genauso gut medizinischen Charakter haben. Für Schadenansprüche relevant kann auch die mangelnde, fehlende, unverständliche oder gar falsche Aufklärung des Patienten sein.

Wer hilft bei einem Behandlungsfehler?
Zuerst ist einmal der behandelnde Arzt selber der Ansprechpartner. Ist dies sinnlos, wendet man sich an die Krankenkasse. Hier hilft den Patienten das im Februar des Jahres 2013 in Kraft getretene Patientenrechtegesetz. Es sorgt insoweit für Transparenz und mehr Offenheit, als es den Informationsfluss von Behandelnden zum Patienten reglementiert. Es existieren auch außergerichtliche Rechtsberatungen. Bei begründetem Verdacht wird jedoch die Krankenkasse den Medizinischen Dienst der Krankenkassen beauftragen, ein medizinisches Gutachten zu erstellen. Außerdem stehen auch sehr viele Verbraucherzentralen und Selbsthilfegruppen zur Verfügung, die Informationen liefern und auch Adressen von entsprechenden Rechtsberatungen zur Verfügung stellen.

Welche Dokumente sollten bei einem Behandlungsfehler herangezogen werden?
Ganz klar ist eine vollständige Dokumentation der bisher erfolgten Behandlung von allergrößtem Vorteil. Der Patient hat auch jederzeit das Recht, diese Akte einzusehen. Auch Kopien kann er sich anfertigen lassen. Darüber hinaus haben die Angehörigen im Falle des Todes nach dem neuen Patientengesetz dieses Recht ebenfalls grundsätzlich. Vor Gericht ist schlüssig zu beweisen, dass die Schuld beim behandelten Arzt liegt, welcher einen Behandlungsfehler begangen hat. Hier gibt es beispielsweise auch den Begriff des „groben Behandlungsfehlers“, das „voll beherrschbare Risiko“ oder den „Anfängerfehler“. Die Beweisführung gegenüber der Ärzteschaft gestaltet sich wohl immer schwierig wenn nicht unmöglich, die Bemühung eines Fachanwaltes und Spezialisten ist wohl immer unvermeidlich.




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Entscheidungen zum Begriff Behandlungsfehler

  • BildOLG-FRANKFURT-AM-MAIN, 18.09.2007, 8 U 127/03
    Zum Umfang materiellen und immateriellen Schadensersatzes gegen den Arzt, der sich einen Behandlungsfehler vorhalten lassen muss
  • BildOLG-HAMM, 12.08.2013, 3 U 122/12
    Das (einfach) behandlungsfehlerhafte Versäumnis, einen Neurologen zur Beurteilung der Bildgebung einer Computertomographie hinzuzuziehen, begründet einen fiktiven groben Behandlungsfehler, wenn ein massiver Hirnstamminfarkt unentdeckt bleibt, den hinzugezogener Neurologe erkennen musste, so dass ein Versäumnis seinerseits als grober...
  • BildBGH, 08.01.2008, VI ZR 118/06
    Ist ein grober Behandlungsfehler (hier: Hygienefehler bei intraartikulärer Injektion) festgestellt, muss der Arzt beweisen, dass die Schädigung des Patienten nicht auf dem Behandlungsfehler beruht, sondern durch eine hyperergisch-allergische Entzündungsreaktion verursacht ist.
  • BildBGH, 03.07.2001, VI ZR 418/99
    Der Tatrichter darf einen groben Behandlungsfehler nicht ohne ausreichende Grundlage in den medizinischen Darlegungen des Sachverständigen bejahen.
  • BildOLG-KOELN, 17.02.1993, 27 U 42/92
    1.) Zur Schmerzensgeldhöhe bei Verlust des Geruchsvermögens durch ärztlichen Behandlungsfehler. 2.) Zum Anscheinsbeweis hinsichtlich eines ärztlichen Behanldungsfehlers.
  • BildBGH, 27.04.2004, VI ZR 34/03
    Ein grober Behandlungsfehler, der geeignet ist, einen Schaden der tatsächlich eingetretenen Art herbeizuführen, führt grundsätzlich zu einer Umkehr der objektiven Beweislast für den ursächlichen Zusammenhang zwischen dem Behandlungsfehler und dem Gesundheitsschaden. Dafür reicht aus, daß der grobe Behandlungsfehler geeignet ist, den...
  • BildOLG-KOELN, 29.06.1995, 5 U 186/94
    Oberlandesgericht Köln, 5. Zivilsenat, Urteil vom 29.06.1995 - 5 U 186/94 -. Das Urteil ist rechtskräftig. Beweisanzeichen für Behandlungsfehler §§ 823, 847 Spannungsschmerz infolge Teleskopprothetik sind kein Indiz für Behandlungsfehler des Zahnarztes.
  • BildOLG-OLDENBURG, 08.07.2008, 5 W 41/08
    Die Behauptung, dass ein ärztlicher Behandlungsfehler vorliegt bzw. dass die Verletzung einer Person durch einen ärztlichen Behandlungsfehler verursacht worden ist, kann Gegenstand eines selbstständigen Beweisverfahrens sein. Ein selbstständiges Beweisverfahren ist allerdings nur zulässig, wenn der Antragsteller unter Bezeichnung...
  • BildBGH, 16.06.2009, VI ZR 157/08
    Die mangelnde Mitwirkung des Patienten an einer medizinisch gebotenen Behandlung schließt einen Behandlungsfehler nicht aus, wenn der Patient über das Risiko der Nichtbehandlung nicht ausreichend aufgeklärt worden ist.
  • BildOLG-SCHLESWIG, 04.04.2008, 4 U 172/07
    1) Befunderhebungsfehler bei Unterlassung einer Röntgenaufnahme. 2) Zum Zurechnungszusammenhang zwischen Befunderhebungsfehler und Schaden bei grobem Behandlungsfehler eines Drittbehandlers kurz nach dem Befunderhebungsfehler.

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