Befunderhebung

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Erklärung zum Begriff Befunderhebung

Der Befund, der erhoben wird, ist, in aller Regel, ein psychopathologischer, der sich in einen strukturierten und einen freien Teil gliedert. Ausgeführt wird eine Befunderhebung in erster Linie von Psychotherapeuten und Ärzten, aber auch Heilpraktikern für Psychotherapie.

Die jeweilige Art und Ausführung der Untersuchung hängt von der speziellen Situation des/der Befragten ab. So kann es sich um einen Notfall handeln oder es besteht eine Kommunikationsbarriere. Zumeist beginnt der Arzt oder Psychotherapeut mit dem freien Teil, um so den Patienten zum freien Reden und zu freier Gefühlsäußerung zu animieren. Er stellt offene Fragen und versucht sich einen Überblick über den allgemeinen psychischen und physischen Zustand, die Beschwerden und den Persönlichkeitseindrücken zu verschaffen. Im zweiten Teil sind die Fragen eher konkret, strukturiert, zielgerichtet und geschlossen. Dabei überprüft der Arzt Merkmalskombinationen und fragt konkrete Symptome ab. 

Psychiatrische Diagnostik

Der psychopathologische Befund stellt die Zusammenfassung der psychiatrischen und psychologischen Untersuchung dar. Er dient der ärztlichen Diagnostik. Ein Befund listet die störungsrelevanten Dinge/Items auf. Beispiele sind Gedächtnisstörungen, Depressionen, die Bewusstseinslage oder auch der Wahn. Der Befund stellt eine standardisierte Zusammenfassung bedeutsamer Einzeltatsachen dar, besitzt daher einen fachlich, objektiven Charakter, was der Wahrheitsfindung vor Gericht dienlich ist.

Dokumentation

Der psychopathologische Befund ist eine Dokumentation für alle Veränderungen des Patientenzustandes, welche die psychische Störung des Patienten anlangen. So ist die Erscheinung wichtig, ob unordentlich oder gepflegt bzw. verwahrlost. Auch das Verhalten, der Ausdruck, das soziale und situative Verhalten genauso wie Affektivität und Stimmung werden bei einer Befunderhebung mit einbezogen. Ebenso sind Orientierung, Aufmerksamkeit, Konzentration, die momentane Gedächtnisleistung Anhaltspunkte, die einer Befunderhebung dienlich sind.

Exkurs: bauliche Befunderhebung

Auch im baulichen Bereich wird von einer Befunderhebung gesprochen. Bei einer baulichen Befunderhebung befindet ein Sachverständiger in selber Weise und Strukturierung über ein bauliches Objekt. Dabei geht es um die finanzielle Bewertung von Immobilien, unbebauten und bebauten Grund oder Eigentumswohnungen. Notwendig für eine bauliche Befunderhebung sind Einteilung in Objektarten sowie die genaue Kenntnis wertrelevanter Aspekte. Die bauliche Befunderhebung zeigt eine sehr breite Anwendungsvielfalt.




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Entscheidungen zum Begriff Befunderhebung

  • BildOLG-STUTTGART, 19.12.2005, 3 U 28/05
    Zur Frage der Befangenheit eines Sachverständigen bei Beteiligung nur einer Partei an Maßnahmen, welche der Befunderhebung vorausgehen.
  • BildOLG-ZWEIBRüCKEN, 21.08.2001, 5 U 9/01
    1. Zur Diagnostik/Befunderhebung bei Kopfschmerzen und Symptomatik eines aneurysmas der arteria cerebri posterior; 2. Eine Haftung wegen unterbliebener Befunderhebung entfällt, wenn ein Schutzzweckzusammenhang/Rechtswidrigkeitszusammenhang zum eingetretenen Schaden fehlt. Wenn sich das Auffinden eines aneurysmas nach unterstellter...
  • BildOLG-STUTTGART, 27.11.2001, 14 U 62/2001
    1. Bei einer aktinischen Keratose ist eine Gewebeprobe zu entnehmen, um sie auf ein Plattenepithelkarzinom zu untersuchen. 2. Beweiserleichterungen wegen unterlassener Befunderhebung setzen voraus, dass der unterbliebene Befund wahrscheinlich ein medizinisch reaktionspflichtiges Ergebnis gehabt hätte. Daran fehlt es, wenn das Ergebnis...
  • BildOLG-HAMM, 14.09.2012, 26 U 204/10
    Die unterlassene Befunderhebung stellt dann keinen Sorgfallsverstoß dar, falls der Patient eine solche Untersuchung verweigert und der Patient auf die Gefahr einer solchen Verweiterung hingewiesen worden ist.
  • BildOLG-KARLSRUHE, 26.08.2004, 19 U 118/03
    Für die Beurteilung des Eintritts der Berufsunfähigkeit kommt es nicht auf den Zeitpunkt der letzten mündlichen Verhandlung sondern auf den Zeitpunkt der Prognosestellung durch die Befunderhebung an. Der späteren Entwicklung des Gesundheitszustandes kommt (nur) Indizwirkung zu.
  • BildOLG-HAMM, 08.11.2013, 26 U 51/13
    Ein Zahnarzt, den ein Patient mit Zahnbeschwerden im Oberkieferfrontbereich aufsucht, handelt grob fehlerhaft, wenn er den Patienten zur Befunderhebung nur röntgt und eine Vitalitäts- und Perkussionsprüfung der schmerzenden Zähne versäumt.
  • BildOLG-STUTTGART, 20.03.2001, 14 U 41/99
    1. Eine Beweiserleichterung wegen eines groben Behandlungsfehlers durch eine unterlassene Kernspintomographie scheidet aus, wenn feststeht, dass kein reaktionspflichtiger Befund erhoben worden wäre. 2. In diesem Fall kommt auch keine Beweiserleichterung unter dem Gesichtspunkt einer unterlassenen Befunderhebung in Betracht.
  • BildBGH, 03.11.1998, VI ZR 253/97
    BGB § 823 Aa, C, I; ZPO § 282 (Beweislast) Zur Beweiserleichterung bei unterlassener Befunderhebung (hier: unterlassene computertomographische Untersuchung bei Subarachnoidalblutung). BGH, Urteil vom 3. November 1998 - VI ZR 253/97 - OLG Hamm LG Dortmund
  • BildOLG-NAUMBURG, 01.11.2007, 1 U 13/07
    1. Zum Nachweis einer erfolgreichen Behandlung einer Kiefergelenksluxation trotz fehlender Dokumentation. 2. Es ist kein Behandlungsfehler, wenn der Arzt keinen bildgebenden Nachweis des Erfolgs seiner Behandlung schafft, soweit es für diese Befunderhebung keinen medizinischen Zweck gibt.
  • BildBGH, 16.10.2007, VI ZR 229/06
    Ein Arzt im vertragsärztlichen Bereitschaftsdienst kann bei differentialdiagnostischen Anzeichen für eine coronare Herzerkrankung (hier: einen akuten Herzinfarkt) zur Befunderhebung (Ausschlussdiagnostik) und damit zur Einweisung des Patienten in ein Krankenhaus verpflichtet sein.

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Bisherige Kommentare zum Begriff (1)

Paukenschlag  (06.01.2016 22:11 Uhr):
Ich hatte einen Hb Wert von 10,6, einen Tag später einen Hb Wert von 10,1, wurde dann von der Akutklinik in eine Reha verlegt. Dort bekam ich neben ASS 300 noch zusätzlich das Medikament Fraxiparin. Schon am nächsten Tag hatte ich einen Hb Wert von nur noch 5,9. Der Verdacht einer Blutung war hier meines Erachtens gegeben und hätte durch eine laborchemische Kontrolle überprüft werden müssen. Liege ich dar richtig? Paukenschlag



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