Dürfen Azubis Überstunden machen? Wie ist die Vergütung?

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Erklärung zum Begriff Azubi Überstunden

Azubi Überstunden auszahlen? (© bluedesign / Fotolia.com)
Azubi Überstunden auszahlen? (© bluedesign / Fotolia.com)

In Deutschland gibt es keine gesetzliche Pflicht, die dem Azubi vorschreibt, Überstunden zu leisten. Auch das Arbeitsrecht verpflichtet den Azubi nicht dazu. Geregelt wird die Pflicht zur Absolvierung von Mehrarbeit in der Regel per Arbeitsvertrag bzw. Ausbildungsvertrag, Tarifvertrag oder Betriebsvereinbarung.

Keine gesetzliche Grundlage zum Ableisten von Überstunden

Sollte es diesbezüglich keinerlei vereinbarte Regelungen geben, ist der Azubi auch nicht verpflichtet, Überstunden zu leisten. Dann ist der Azubi nur  im Notfall aufgrund seiner Treuepflicht dem Ausbilder gegenüber zu Überstunden verpflichtet, z.B. bei Überschwemmungen, Sturm- oder im Brandfall oder in anderen Situationen, wo es um die Abwehr von Gefahren für den Betrieb gilt.

Sollte es doch eine Regelung geben, ist der Azubi verpflichtet, Überstunden zu leisten. Die Grenzen der zu leistenden Überstunden werden vom Arbeitszeitgesetz (ArbZG) und vom Jugend­ar­beits­schutz­gesetz (JArbSchG) gesetzt.

Welche Zeit gilt als Überstunde?

Wenn der Azubi mehr arbeitet, als er vertraglich muss, handelt es sich um Überstunden. Dazu gehören somit alle Zeiträume, die über die regelmäßige Arbeitszeit (die wiederum der Ausbildungsvertrag regelt) hinausgehen. Der Besuch der Berufsschule wird dabei auf die Arbeitszeit angerechnet.

Überstunden bei Azubis über 18 (volljährige Azubis)

Bei Azubis sind in der Regel keine Überstunden vorgesehen. Für volljährige Azubis gelten die gleichen Regelungen wie für die anderen Arbeitnehmer. Wenn es im Betrieb dennoch zu Überstunden kommt, müssen diese dem Ausbildungszweck dienen.

Die Höhe der möglichen Überstunden richtet sich dabei nach dem Arbeitszeitgesetz (ArbZG). Das Arbeitszeitgesetz (ArbZG) beinhaltet die wesentlichen gesetzlichen Vorgaben und beschränkt die zulässige Dauer der Arbeitszeit. Ausgehend von einer 6-Tage-Woche darf die tägliche Ausbildungszeit dabei 8 Stunden nicht überschreiten. Die tägliche Arbeitszeit kann gemäß § 3 Satz 2 ArbZG auf bis zu 10 Stunden verlängert werden (wenn innerhalb der folgenden sechs Monate ein sogenannter Freizeitausgleich ermöglicht wird), wobei leitende Angestellte von diesem Grundsatz ausgenommen werden. Anordnungen und Vereinbarungen von Überstunden, die über diese Grenze hinausgehen, verstoßen gegen ein gesetzliches Verbot und können von Arbeitnehmern und Azubis verweigert werden, ohne dass sie eine Sanktion befürchten müssen. Ruhepausen gehören im Übrigen nicht zur täglichen Arbeitszeit.

Überstunden bei Azubis unter 18 Jahren

Bei Azubis unter 18 Jahren gilt das Jugend­ar­beits­schutz­gesetz (JArbSchG). Danach dürfen Jugend­liche nicht mehr als acht Stunden am Tag und nicht mehr als 40 Stunden in der Woche arbeiten. § 21 des JArbSchG besagt, dass nur bei vorübergehenden und unaufschiebbaren Arbeiten in Notfällen, soweit erwachsene Beschäftigte nicht zur Verfügung stehen, darf ein minderjähriger Azubi Überstunden im Betrieb machen, wobei die Grenze auf achtundhalb Stunden am Tag ausgeweitet werden darf. Der Azubi hat aber dann noch in der gleichen Woche einen Freizeitausgleich zu erhalten. 

Was kann man als Azubi machen gegen Überstunden?

Überstunden in Ausnahmefällen sind in Ordnung. Sollte es jedoch regelmäßig zur Ableistung von Überstunden kommen, sollte man als Azubi dagegen vorgehen und zunächst das Gespräch mit dem Vorgesetzten suchen. Wenn sich der Vorgesetzte (Ausbilder) nicht einsichtig zeigt, sollte man den Betriebsrat einschalten, sich an die Ausbildungsvertretung wenden oder – wenn beides nicht vorhanden ist- an die IHK wenden. Bei der IHK gibt es Ausbildungsberater, die in solchen Fällen tätig werden. In schwerwiegenden Fällen könnte auch ein Rechtsanwalt (für Arbeitsrecht) aufgesucht werden.

Kann man als Azubi freiwillig Überstunden machen?

Da man als Azubi gerade dabei ist einen bestimmten Beruf zu erlernen, kann es auch vorkommen, dass man als Azubi freiwillig zusätzliche Arbeit und Erfahrungen machen möchte. Die meist tarifvertraglich geregelte Ausbildungszeit ist nämlich so kalkuliert, dass sie für das Erlernen des Berufes genügt. Für etwaige zu leistende Überstunden gilt es zu beachten, dass sich die darin geleistete Arbeit auf die Ausbildung beziehen muss und in jedem Fall ein Ausbilder dabei zu sein hat.

Überstunden Vergütung oder ausbezahlen?

Überstunden müssen entweder vergütet oder durch Freizeit abgegolten werden („abbummeln“). Dies schreibt § 17 Berufsbildungsgesetz vor.

Der Azubi bekommt die Überstunden nur vergütet, wenn die Überstunden dem Arbeitgeber zuzurechnen sind. Der Arbeitgeber muss die Überstunden also entweder ausdrücklich angeordnet haben oder wenn er zum Ausdruck bringt, dass er zusätzliche Arbeit des Azubi billigt oder duldet. Der Azubi darf also nicht eigenmächtig Überstunden nach Belieben festlegen und durchführen.  

Wenn es vertragliche Regelungen gibt, wonach die Abgeltung von Überstunden durch Freizeitausgleich („abbummeln“) erfolgt, so gelten diese Regelungen ohnehin vorrangig. Die meisten Arbeitgeber ziehen einen Überstundenabbau durch Freizeitausgleich vor. Sollte es eine solche Regelung nicht geben, kann der Arbeitgeber dennoch auf ein Abbummeln bestehen, allerdings nur wenn der Azubi damit konkret einverstanden ist. Wenn der Azubi nicht einverstanden ist, muss der Arbeitgeber die Überstunden in Geld vergüten.



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