Architektenhaftung

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Erklärung zum Begriff Architektenhaftung

Der Architekt wirkt in dem ihm vertraglich obliegenden Angelegenheiten bei der Erfüllung seiner Aufgaben für den Bauherren. Diesem gegenüber hat er die verschiedensten Pflichten zu erfüllen und ist auch in der Haftung. Die primären Haftungsansprüche ergeben sich aus einer mangelhaften Erbringung der vertraglich vereinbarten Leistungen – hieraus entspringt die Haftung gegenüber dem Bauherren. Der Umfang der vom Architekten zu erledigenden Pflichten ergibt sich dabei keineswegs aus der Honorarordnung für Architekten und Ingenieure, sondern vielmehr aus den Haupt- und Nebenpflichten, die in dem Vertrag des Architekten mit dem Bauherren beschrieben sind. Nach den Vorschriften des Gewährleistungsrechts, das hier eintritt, muss der Architekt eine Minderung seines Honorars akzeptieren, wenn er Leistungen nicht oder nicht vollständig erbringt.

Weitergehende Haftungsansprüche

Aus einem abgeschlossenen Architektenvertrag kann nicht nur ebenso die Haftung auch gegenüber Dritten resultieren. Denn es gibt die sogenannte „deliktische Haftung“, die vollkommen unabhängig vom geschlossenen Vertrag oder verschiedenen Leistungsphasen des Architekten in Kraft tritt, nämlich dann, wenn der Architekt Eigentum oder Gesundheit des Bauherren oder von Dritten verletzt.

Leistungsphasen

Nach dem § 34 HOAI existieren neun Leistungsphasen, in denen die Haftung des Architekten grundsätzlich unterschiedlich sein kann.

  • Grundlagenermittlung
  • Vorplanung/Kostenschätzung
  • Entwurfsplanung/Kostenberechnung
  • Genehmigungsplanung
  • Ausführungsplanung
  • Vergabevorbereitung/Erstellung von Leistungsverzeichnissen
  • Kostenanschlag
  • Dokumentation und Bauüberwachung
  • Objektbetreuung

Für jede einzelne der Leistungsphasen hat der Architekt eine Aufklärungspflicht gegenüber dem Bauherren, weiteres hat er auch seine Koordinierungspflichten zu erfüllen. Diese Pflichten sind phasenübergreifend. Ansonsten ist die Haftung in den Phasen 1-5 für die sachgerechte und gebrauchstaugliche Planung. Die Phasen 6 und 7 stehen haftungsmäßig für ordnungsgemäße Vorbereitung und Mitwirkung bei der Vergabe. 8 und 9 sind geprägt von den Überwachungspflichten, genauso aber die Pflichten zur Rechnungsprüfung, die Verkehrssicherungspflichten sowie die Einhaltung eines Zeitplanes. Freie Architekten oder Architektengemeinschaften und angestellte Architekten haften allenfalls deliktisch. Haftungsansprüche verjähren und der Architekt hat ein Nachbesserungsrecht.  Verweigert man ihm dies, verfällt die Haftung.




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Entscheidungen zum Begriff Architektenhaftung

  • BildOLG-STUTTGART, 17.10.2011, 5 U 43/11
    Ein Bauträger kann den mit der Planung von Reihenhäusern beauftragten Architekten nicht wegen Fehlplanung mit der Begründung in Haftung nehmen, das Bauwerk entspreche hinsichtlich des Schallschutzes - trotz Einhaltung der DIN 4109 - nicht dem Stand der Technik, da eine einschalige statt eine doppelschaligen Bauweise geplant worden sei,...
  • BildOLG-DUESSELDORF, 22.02.2011, I-23 U 218/09
    I-23 U 218/09 Oberlandesgericht Düsseldorf, 23. Zivilsenat, Urteil vom 22. Februar 2011 L e i t s ä t z e 1. Ist das gelieferte Werk bei Abnahme für den nach dem Vertrag vorausgesetzten Gebrauch schlechthin ungeeignet bzw. wertlos, kann der Kläger im Wege der Minderung die Herausgabe des gesamten Werklohnes verlangen. Der Besteller...

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38 - Zw/e,i =

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