Arbeitsvertrag - Probezeit

Lexikon | 1 Kommentar

Erklärung zum Begriff Arbeitsvertrag - Probezeit


Mit der Vereinbarung einer Probezeit besteht für den Arbeitgeber wie auch für den Arbeitnehmer die Möglichkeit, gegenseitig abzuwägen, ob man auf Dauer erfolgreich zusammenarbeiten kann.

1. Wie kann die Probezeit im Arbeitsvertrag vereinbart werden?

Eine Probezeit kann in einem unbefristeten Arbeitsvertrag ausdrücklich vereinbart werden. Diese kann in den Arbeitsvertrag mit aufgenommen werden. Ihre Dauer wird dann schriftlich festgehalten und sie gilt mit Unterschrift beider Parteien unter den Arbeitsvertrag als vereinbart.

Weiterhin besteht die Möglichkeit, von vornherein mit dem jeweiligen Arbeitnehmer einen entsprechenden befristeten Probearbeitsvertrag abzuschließen. Dieser endet dann mit Ablauf der vereinbarten Befristung. Eine explizite Kündigung ist in dem Fall nicht erforderlich. Ein Probearbeitsvertrag unterliegt dem Schriftformerfordernis. Er kann nicht mündlich abgeschlossen werden.

2. Dauer der Probezeit

Die Dauer der Probezeit kann unterschiedlich ausfallen. Im Regelfall beträgt die Höchstdauer der vereinbarten Probezeit 6 Monate. Sie kann unter Umständen auch auf eine Dauer von 9 Monaten vereinbart werden, das ist aber nur in Ausnahmefällen gerechtfertigt. Kürzere Probezeiten sind natürlich auch denkbar. So kann die Probezeit auch 2-3 Monate betragen. Meistens ist das der Fall, wenn es sich um Tätigkeiten handelt, an die eher geringere Anforderungen zu stellen sind. Ein Arbeitsplatz der eine höhere Qualifikation erfordert, wird in der Regel eine Probezeit von 6 Monaten vereinbart.

Wird eine längere Probezeit als die Zeit von 6 Monaten vereinbart, kann sich dies im Hinblick auf den Kündigungsschutz als problematisch erweisen. Nach dem Kündigungsschutzgesetz wird nach Ablauf von 6 Monaten zugunsten des Arbeitnehmers der Kündigungsschutz wirksam. Das heißt, dass der Arbeitnehmer einem höheren Kündigungsschutz unterliegt und sich andere Kündigungsfristen ergeben, als die kürzeren Kündigungsfristen aus der Probezeit.

3. Welche Kündigungsfristen gibt es während der Probezeit?

In der Probezeit gelten kürzere Kündigungsfristen. Diese liegen bei zwei Wochen zum Monatsende oder auch zum 15. eines Kalendermonats. So haben Arbeitgeber wie auch der Arbeitnehmer die Möglichkeit, das bestehende Arbeitsverhältnis schnell und unkompliziert wieder zu beenden.

Einer ausdrücklichen Kündigung bedarf es nicht, wenn ein befristeter Probearbeitsvertrag abgeschlossen wurde.

Ist allerdings ein unbefristeter Arbeitsvertrag mit einer vereinbarten Probezeit abgeschlossen worden, so kann nur innerhalb der vereinbarten Probezeit mit der 2-Wochen-Frist gekündigt werden. Bis zum letzten Tag der Probefrist haben Arbeitgeber wie auch Arbeitnehmer die Möglichkeit, das Arbeitsverhältnis unter Einhaltung der verkürzten Kündigungsfrist zu beenden. Geschieht das nicht, geht das Arbeitsverhältnis in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis über. Dann greifen die Bedingungen des Kündigungsschutzgesetzes, wenn das Unternehmen dem Kündigungsschutz generell unterliegt. Dies erfordert bestimmte Voraussetzungen, die unter Umständen gerichtlich geklärt werden müssen.

4. Muss ein Kündigungsgrund für eine Kündigung während der Probezeit vorliegen?

Ein Arbeitsverhältnis kann während der Probezeit ohne besonderen sachlichen Kündigungsgrund gekündigt werden. Dennoch kann ein Arbeitnehmer unter Umständen eine Kündigungsschutzklage erheben. Wenn keine Willkür oder Sittenwidrigkeit vorliegen ist die Kündigung rechtswirksam.

Ein Anlass zur Kündigung während der Probezeit kann beispielsweise ein ungepflegtes Erscheinungsbild in Verbindung mit extremem Körpergeruch sein. Zu dieser Thematik hat das Landgericht Köln ein Urteil gefällt. Der Arbeitgeber konnte aus diesem Grunde seinem Arbeitnehmer während der Probezeit kündigen. Hier hat das Gericht überprüft, ob Willkür oder Sittenwidrigkeit vorlagen. Dies war nach Ansicht des Gerichts nicht der Fall und so war die Kündigung statthaft. [AG Köln, 25.03.2010, 4 Ca 10458/09]




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Bisherige Kommentare zum Begriff (1)

Soistdas  (09.02.2015 14:02 Uhr):
Während einer Probezeit kann ich jeden TAg kündigen, da spielt es keine Rolle, ob ich zum 15. oder zum was auch immer kündige. Ich muss lediglich die zwei Wochen Frist einhalten, aber an welchem oder zu welchem Tag ich kündige, ist unerheblich. Bitte korrigieren.



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