Antragsdelikt nach StGB - Absolute & relative Antragsdelikte inkl. Auflistung

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Erklärung zum Begriff Antragsdelikt


Antragsdelikte sind Straftaten, die grundsätzlich nur dann verfolgt werden, wenn der Verletzte die Strafverfolgung beantragt.

 

 

Arten von Antragsdelikt

Es gibt 2 verschiedene Arten von Antragsdelikt

  • relatives Antragsdelikt (können auch bei fehlendem Strafantrag verfolgt werden, jedoch nur bei öffentlichem Interesse. Beispiel: einfache vorsätzliche Körperverletzung)
  • absolutes Antragsdelikt (sind immer antragsbedürftig, Beispiel: Hausfriedensbruch, Beleidigung)

Als Antragsdelikt wird ein Delikt bezeichnet, bei dem die Justizbehörden grds, nur auf Antrag des Geschädigten tätig werden. Im Gegensatz dazu steht das Offizialdelikt, bei dem der Staatsanwalt tätig werden muss. Voraussetzung für ein Antragsdelikt ist demnach ein Strafantrag. Ohne dass der Betroffene einen solchen Strafantrag stellt, dürfen die Behörden -bei einem absoluten Antragsdelikt- nicht tätig werden. Als bestes Beispiel dafür kann der Hausfriedensbruch § 123 StGB  genannt werden.

Ausnahme: Relative Antragsdelilkte. Diese können auch ohne Strafantrag dann verfolgt werden, wenn die Staatsanwaltschaft der Ansicht ist, dass ein besonderes öffentliches Interesse an der Strafverfolgung vorliegt. In diesem Fall kann sie einen fehlenden Straftantrag des Geschädigten durch das öffentliche Interesse ersetzen. Die "einfache" und die fahrlässige Körperverletzung gemäß §§ 223, 229 sind Beispiele dafür.

 

Absolute Antragsdelikte*

 

Relative Antragsdelikte*

  • Körperverletzung § 223 StGB
  • fahrlässige Körperverletzung § 229 StGB
  • Nachstellung § 238 Abs. 1 StGB
  • Diebstahl und Unterschlagung geringwertiger Sachen § 248a StGB
  • Entziehung Minderjähriger § 235
  • Computersabotage § 303b StGB
  • Sexueller Missbrauch von Jugendlichen § 182 (Nur Abs. 3) StGB
  • Sachbeschädigung § 303 StGB
  • Datenveränderung § 303a
  • Exhibitionistische Handlungen § 183 StGB
  • Verletzung des persönlichen Lebens- und Geheimbereichs §§ 202 a und 202 b StGB
  • Bestechlichkeit und Bestechung im geschäftlichen Verkehr § 299 StGB

*Die Aufzählungen sind nicht abschliessend

 

Der Strafantrag zur Eröffnung eines Strafverfahrens

Ein Strafantrag als Voraussetzung für die Eröffnung eines Strafverfahrens bei einem solchen Delikt muss innerhalb von drei Monaten bei der Polizei oder der Staatsanwaltschaft eingehen. Diese dreimonatige Frist beginnt nach Ablauf des Tages, an dem der Geschädigte von der Tat und insbesondere von der Person des Täters Wissen erhält. Nach Fristablauf muss die Staatsanwaltschaft automatisch das Strafverfahren einstellen, wenn sie nicht bei einem relativen Antragsdelikt das besondere öffentliche Interesse bejaht. Gleiches gilt, wenn der Strafantrag zurückgezogen wird.

Hält die Staatsanwaltschaft wegen des gebotenen öffentlichen Interesses die Strafverfolgung für notwendig, kann sie von sich aus tätig werden. Wird dieses öffentliche Interesse nicht bejaht oder das Delikt von der Staatsanwaltschaft nicht weiter verfolgt, ist oftmals Privatklage möglich. Diese Fälle sind in § 374 StPO aufgezählt. Der Geschädigte kann dann den Täter verklagen und somit eine Verurteilung anstreben. Dies kann Vorteile bei der Schadenersatzregulierung haben. Bei einigen Delikten ist jedoch ein vorheriger, gescheiterter Sühneversuch vorgeschrieben [§ 380 StPO].

Im Allgemeinen sind Antragsdelikte jene Tatbestände, die eine eher nur geringe Beschwer hervorrufen.




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