Adäquanz

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Erklärung zum Begriff Adäquanz

Adäquanz (vom Lateinischen adäquat = angemessen, entsprechend) beschreibt in der Rechtswissenschaft ein Eingrenzungskriterium für Fragen der Kausalität und Zurechnung. Der Begriff findet somit insbesondere im Schadensersatzrecht sowie im Strafrecht Anwendung. Nach der sog. Adäquanztheorie liegt ein Kausalzusammenhang immer dann vor, wenn eine Handlung direkt ursächlich für einen Schaden ist.

I.  Allgemeines zur Begrifflichkeit

Der Begriff Adäquanz selbst findet maßgeblich im zivilrechtlichen Schadensersatzrecht Anwendung. Man spricht insoweit auch von einem adäquaten Kausalzusammenhang oder von der Adäquanztheorie. Im Strafrecht wurde der Begriff von der sog. objektiven Zurechenbarkeit verdrängt, die jedoch im Wesentlichen inhaltsgleich mit der Adäquanztheorie ist.
 

II. Definition

Adäquanz liegt immer dann vor, wenn ein direkter, ursächlicher und angemessener Zusammenhang zwischen der Handlung eines Schädigers und dem dadurch entstandenen Schaden gegeben ist. Der Schädiger muss also nicht für solche Ereignisse einstehen, die nach der normalen Lebensanschauung eines objektiven, informierten Dritten völlig außerhalb der Erfahrung und Erwartung liegen. Aspekte wie unwahrscheinliche, ungewöhnliche oder eigenartige Verhaltensweisen bleiben also demnach unberücksichtigt.
 

III. Abgrenzung

1. zur Äquivalenz

Äquivalenz (vom Lateinischen aequus = gleich und valere = wert sein => Gleichwertigkeit) beschreibt in der Rechtswissenschaft ebenso ein Eingrenzungskriterium für Fragen der Kausalität und Zurechnung, geht dabei jedoch weiter als die Adäquanz und wird deshalb von der Adäquanztheorie auch eingeschränkt. Nach der Äquivalenztheorie sind Handlung und Schaden nämlich dann bereits kausal zueinander, wenn die Handlung nicht hinweg gedacht werden kann, ohne das der konkrete Erfolg – also der Schaden – entfiele (conditio sine qua non).
 

2. zum „Schutzzweck der Norm“

Mittlerweile wird zum Teil aber auch die Adäquanztheorie als zu weit empfunden, weshalb diese nochmals durch den sog. Schutzzweck der Norm eingeschränkt wird. Danach muss stets über die Kausalität hinaus geprüft werden, ob die einschlägige Norm gerade vor genau dem Schaden schützen soll, welchen das (an sich) rechtswidrige Verhalten kausal verursacht hat. Eine solche Eingrenzung ist auch deshalb erforderlich, da in einigen Fällen sowohl die Äquivalenz- als auch die Adäquanztheorie zu unbilligen Ergebnissen führt.
 

IV.  Besonderheit im Zivilrecht: Die Beweislast

Im Zivilrecht ergibt sich hinsichtlich der Kausalität eine Besonderheit  bei der Beweislast:
Bei Schadensersatzklagen ist grundsätzlich der Kläger – also der Geschädigte – für den Kausalzusammenhang darlegungs- und beweispflichtig. Sollte das schädigende Ereignis hier jedoch in einem Unterlassen liegen, so ist derjenige beweispflichtig, der behauptet, dass der Schaden auch bei einer ordnungsgemäßen Handlung eingetreten wäre (so BGH NJW 73, 1688).
 

V.  Beispiele

1. Der Schädiger schlägt dem Opfer mit einem Schlagstock auf den Kopf, wodurch dieser eine Gehirnerschütterung erleidet. Der Schlag ist somit sowohl nach der Äquivalenz- als auch nach der Adäquanztheorie kausal zur Gehirnerschütterung.

Der Kauf des Schlagstockes ist kausal nach der conditio-sine-qua-non-Formel, da der Kauf nicht hinweggedacht werden kann, ohne dass der letztliche Erfolg – also die Gehirnerschütterung – entfiele, denn ohne den gekauften Schlagstock, wäre es niemals zu dieser schädigenden Handlung gekommen. Den Schädiger allein wegen des Kaufs jedoch zivil- und strafrechtlich zu belangen, ginge zu weit. Zwischen dem Kauf und der Schädigung besteht nämlich kein adäquat kausaler Zusammenhang.
 

2. Ein Autofahrer verursacht einen Zusammenstoß mit einem Fahrradfahrer. Der Fahrradfahrer stürzt deshalb von seinem Fahrrad und bricht sich dabei sein Bein. Zwischen der Handlung des Autofahrers und der Verletzung des Fahrradfahrers besteht somit ein adäquat kausaler Zusammenhang.

Der gleiche Fahrradfahrer soll nun wegen seiner Verletzung ins Krankenhaus gebracht werden. Der Rettungswagen gerät jedoch auf dem Weg zum Krankenhaus in einen Verkehrsunfall, weswegen sich der Fahrradfahrer nun noch einen Arm bricht. Nach der condicio-sine-qua-non-Formel wäre dieses Ereignis kausal zu dem Zusammenstoß zwischen dem Autofahrer (von oben) und dem Fahrradfahrer, da ohne diesen Zusammenstoß der Verkehrsunfall des Rettungswagens sich (mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit) nicht ereignet hätte. Eine Zurechnung des Verkehrsunfalls zulasten des Autofahrers ginge zu weit. Er musste mit diesem Folgeergebnis nicht rechnen. Daher besteht kein adäquater kausaler Zusammenhang zwischen dem Zusammenstoß Autofahrer – Fahrradfahrer und dem Verkehrsunfall des Rettungswagens.




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