Abfindung berechnen - Höhe, Formel / Faktor und welche Steuern fallen an?

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Erklärung zum Begriff Abfindung berechnen

Abfindung berechnen  (©  Unclesam / Fotolia.com)
Abfindung berechnen (© Unclesam / Fotolia.com)

Hat der Arbeitgeber im Rahmen einer Kündigung oder eines Aufhebungsvertrages  dem Arbeitnehmer eine Abfindung angeboten, stellt sich die Frage, ob die Berechnung der Höhe angemessen ist.

Höhe der Abfindung

Die Höhe der Abfindung ist von Fall zu Fall verschieden. Es gibt Fälle, wo die Höhe der  Abfindung vorgeschrieben ist. Sodann gibt es Fälle, wo man die Höhe der Abfindung aushandeln kann.

Fälle, wo die Höhe der Abfindung feststeht:

Betriebsbedingte Kündigung

Kündigt der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer aus betriebsbedingten Gründen entsprechend § 1a KSchG, hat der Arbeitnehmer einen Anspruch auf Erhalt einer Abfindung. In solchen Fällen richtet sich die Höhe der Abfindung nach der Dauer der Betriebszugehörigkeit.

Pro Beschäftigungsjahr hat der Arbeitgeber ein halbes Bruttogehalt zu zahlen, vgl. § 1a KSchG. Bei der Ermittlung der Dauer des Arbeitsverhältnisses ist ein Zeitraum von mehr als sechs Monaten auf ein volles Jahr aufzurunden.

Auflösungsurteil

Bei einem sog. „Auflösungsurteil“, welches durch das Arbeitsgericht ergeht, steht die Höhe der Abfindung im Ermessen des Arbeitsgerichts.  Die Beendigung des Arbeitsverhältnisses durch ein Auflösungsurteil ist jedoch selten.

Sozialplan

Wenn ein Sozialplan existiert, der zwischen dem Betriebsrat und dem Arbeitgeber vereinbart wurde. Im Rahmen dieses Sozialplanes haben sich Arbeitgeber und Betriebsrat auf eine Abfindung geeinigt. Hierauf hat der betroffene Arbeitgeber einen Zahlungsanspruch und kann diesen – wenn nötig – einklagen.

Tarifvertrag / Arbeitsvertrag

Wenn ein Tarifvertrag oder auch ein Arbeitsvertrag die Zahlung einer bestimmten Abfindung vorsieht.

Gesetzliche Abfindung

Gesetzliche Abfindung (§ 113 BetrVG). Hierbei führt der Arbeitgeber eine geplante Betriebsänderung durch. Damit sind grundlegende Neuausrichtungen oder Einschränkungen von betrieblichen Abläufen gemeint, die  zur Stilllegung wesentlicher Betriebsteile oder zur Stilllegung des Betriebes führen können.

 

Aushandeln der Abfindung

Ansonsten muss der Arbeitnehmer bzw. dessen Rechtsanwalt eine angemessene Abfindung mit dem Arbeitgeber aushandeln.

 

Abfindung berechnen - welcher Faktor und wie ist die Faustformel?

Hierfür gibt es keine einheitliche verbindliche Antwort.  Es hängt – wie so oft – vom Einzelfall ab. Bei der Abfindungsberechnung spielen folgende Kriterien eine Rolle:

  • Länge der Betriebszugehörigkeit
  • Alter des Arbeitnehmers
  • Rechtmäßigkeit der Kündigung?
  • Anwendbarkeit des Kündigungsschutzgesetzes?
  • Verhandlungsgeschick
  • Konsequenzen des Arbeitsplatzverlustes für den Arbeitnehmer

 

Die Höhe der Abfindung bemisst sich in der Regel nach folgender Faustformel:

Jahre der Betriebszugehörigkeit x 0,5 Monatsgehalt

 

Weil es eben keine einheitlichen Regelungen für eine Abfindung gibt und die Höhe der Abzüge der Abfindung von vielen Kriterien (Bundesland, Steuerklasse, Kinderfreibeträge etc.) abhängt, kann die tatsächliche Höhe der Abfindung nicht auf Anhieb vorhergesagt werden.  Man kann lediglich ermitteln, was einem an Abfindung - ausgehend von der  Faustformel „pro Beschäftigungsjahr ein halbes Brutto-Monatsgehalt“ – ungefähr zustehen würde.   Die Höhe der Abfindung soll an nachfolgenden Berechnungsbeispielen verdeutlicht werden.

 

Beschäftigungsjahre            Bruttogehalt mtl.      Abfindung brutto (Faustformel)

1                                             4000                           2000

3                                             4000                           6000

5                                             4000                           10000

10                                           4000                           20000

20                                           4000                           40000

40                                           4000                           80000

 

 

In welchen Fällen gibt es eine höhere Abfindung als die Regelabfindung?

  • Kündigung eher unwirksam: Wenn die Kündi­gung eher unwirksam ist, ist es leichter, eine höhere Abfindung rauszuholen. Wenn die Kündigung „per se“  und offenkundig unwirksam ist, kann eine umso höhere Abfindung rausgeholt werden. Voraussetzung ist, dass sich der Arbeitnehmer fristgerecht gegen die Kündigung wehrt und entsprechende Kündigungsschutzklage erheben lässt. Wenn der Arbeitnehmer im Recht ist und sich vor Gericht per Vergleich dennoch auf eine Beendigung des Arbeitsverhältnisses einigt, sollte er pro Beschäftigungsjahr ein volles Monatsgehalt verlangen oder auf seinen Arbeitsplatz bestehen.

 

  • Son­derkündi­gungs­schutz: Wenn der Arbeitnehmer Sonderkündigungsschutz genießt (Schwangere, Schwerbehinderte, Betriebsratsmitglieder etc.)  und daher or­dent­lich unkünd­bar bzw. nur unter bestimmten Voraussetzungen kündbar ist und dennoch gekündigt wurde, sind die Chancen auf eine höhere Abfindung (bis zu einem vollen Bruttogehalt pro Beschäftigungsjahr) relativ groß.

 

  • Aufhebungsvertrag: Wenn der Arbeitgeber den Arbeitnehmer loswerden möchte und diesem einen Aufhebungsvertrag anbietet, der Arbeitnehmer jedoch nicht kündbar wäre. Wenn man sich als Arbeitnehmer dennoch auf den Aufhebungsvertrag und den Arbeitsplatzverlust einlässt, kann eine höhere Abfindung als die Regelabfindung herausgeholt werden. 

 

Was bedeutet Monatsgehalt? (Brutto/netto)

Bei der Berechnung der Abfindung wird das monatliche Bruttogehalt zugrunde gelegt. Gibt es Einmalzahlungen, Überstunden oder Zuschläge, ist dies kein Problem. Man sollte stets das Jahreseinkommen durch zwölf teilen, um so auf den monatlichen Bruttolohn zu kommen. Das Jahresgehalt gibt der Arbeitgeber in der Regel in der Dezemberabrechnung an. Hieran sollte man sich orientieren. 

 

Lohnsteuer / Steuer auf Abfindung 

Leider fließt die Abfindung dem Arbeitnehmer nicht in voller Höhe zu. Es müssen Abzüge hingenommen werden. Positiv ist, dass auf die Abfindung keine Sozialversicherungsbeiträge gezahlt werden müssen. D.h. also, dass die Kranken-, Renten-, Arbeitslosen- und Pflegeversicherungen nicht bedient werden müssen.

Doch auch bei der Abfindung hält der Staat die Hand auf und verlangt eine Steuer auf die Abfindung. Die Abfindung unterliegt komplett der Einkommenssteuer, wobei die Versteuerung unter die sogenannten „außerordentlichen Einkünfte“ fällt. So kann man wenigstens die Vorteile der sog. „Fünftelregelung“ nutzen.

 

Das Wichtigste zur Fünftelregelung

Mit der Anwendung der Fünftelregelung spart man (vor allem bei hohen Abfindungen) Geld.

Bei dieser Methode wird die Abfindung durch fünf geteilt und dieses Fünftel auf das Jahresbruttogehalt angerechnet.  Daraus errechnet man den Steuersatz sowie den auf die Abfindung zu zahlenden Steuerbetrag. Dieser wird wiederum mit Fünf mal genommen, so dass man auf die endgültige auf die gesamte Abfindung zu zahlende Steuer kommt. So erhält man in der Regel immer einen niedrigeren Steuersatz als bei der Anrechnung der gesamten Abfindung auf ein Steuerjahr.


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