a maiore ad minus

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Erklärung zum Begriff a maiore ad minus


Bei dem argumentum a maiore ad minus handelt es sich in der juristischen Methodenlehre um den Schluss vom Größeren zum Kleineren.

 

I.  Das "argumentum a maiore ad minus"

Der Begriff „argumentum a maiore ad minus“ stammt aus der juristischen Methodenlehre. Er beschreibt den Rückschluss vom Größeren zum Kleineren. Kerngedanke dieses Rückschlusses ist, dass wenn etwas für das „Größere“ gilt, muss es auch für das „Kleinere“ gelten. Der umgekehrte Schluss nennt sich „argumentum a minore ad maius“. Beide Fälle sind Unterfälle des sog. Erst-Recht-Schlusses (sog. „argumentum a fortiori“).

Beispiele:

  1. Das Bürgerliche Gesetzbuch bestimmt in § 2255 BGB, dass man das gesamte Testament durch Vernichtung oder Veränderung widerrufen kann. Es enthält jedoch keine Regelung darüber, ob dies auch für einzelne Teile möglich ist. Im Sinne des „argumentum a minore ad maius“ muss dies jedoch gerade auch für einzelne Teile möglich sein, wenn es doch für das gesamte Testament möglich ist.
     
  2. Wenn einer Behörde gesetzlich das Ermessen zusteht, dass sie eine Erlaubnis erteilen oder versagen kann, so kann sie im Sinne des „argumentum a minore ad maius“ erst recht auch eine Erlaubnis mit einer Beschränkung (etwa Auflage oder Befristung) erteilen.
     
  3. Wenn schon der schwerer wiegende fahrlässige Schwangerschaftsabbruch, der schließlich zur Tötung der Leibesfrucht führt, nicht von § 218 StGB [Strafgesetzbuch] sanktioniert wird, dann kann im Sinne des „argumentum a minore ad maius“ erst nicht der die bloße fahrlässige Schädigung der Leibesfrucht erfasst sein.
     

II.  Überblick über weitere zulässige bzw. unzulässige Argumentationsformen

1. Zulässige Argumentationsformen

  • Die klassischen Canones
    Argument mit den klassischen Auslegungsmethoden (historisch, grammatikalisch, systematisch und teleologisch)
     
  • argumentum e simile (Gleichheitsschluss)
    Beim „argumentum e simile“ handelt es sich um die Analogie, d.h. Gleiches muss gleich behandelt werden.
     
  • argumentum e contrario (Ungleichheits-/Umkehrschluss)
    Ein Umkehrschluss untermauert die eigene These mit der Falsifizierung des Gegenteils. Hierbei handelt es sich zudem um das Gegenstück zur Analogie.
     
  • argumentum a fortiori (Erst-Recht-Schluss)
    Das „argumentum a fortiori“ zeigt auf, dass die bestehende Behauptung noch sicherer ist als eine bereits mit hinlänglicher Sicherheit bewiesene.
     
  • argumentum ad absurdum (Argument aus den Folgen)
    Beim „argumentum ad absurdum“ wird eine andere als die bevorzugte Auslegung geprüft, wobei dies zu einem untragbaren Ergebnis führt. Aus dem absurden Ergebnis der anderen Auslegung wird dann gefolgert, dass die vertretene Auslegung zu bevorzugen ist.
     
  • Präjudizien, Dogmatik, argumentum ad autoritate
    Als Präjudiz (lat. Vorentscheid) bezeichnet man einen richtungsweisenden Gerichtsentscheid. Beim „argumentum ad autoritate“ wird hingegen mit dem Argument der herrschenden Meinung / Kommentaren / etc. argumentiert.
     
  • Sachgerechtigkeit, Angemessenheit, etc.

     

2. "Unzulässige" Argumentationsformen

  • argumentum ad personam (direkte Persönlichkeitsangriffe)
    Mit dem „argumentum ad personam“ unterstellt man dem Gegner allgemein, dass ihm die Fähigkeit zum korrekten Argumentieren bzw. das Fachwissen fehlt und dass damit seine Schlüsse allgemein ungültig sind, und versucht die Zuhörer zu dem Fehlschluss zu verleiten, dass irrelevante, aber allgemein negativ besetzte Eigenschaften der Person (Geschlecht, Profession, politische Orientierung etc.) etwas mit dem Wahrheitsgehalt der Argumentation zu tun haben.
     
  • Zirkelschlüsse
    Ein Zirkelschluss ist der Versuch, eine Aussage durch Deduktion zu beweisen, indem die Aussage selbst als Voraussetzung verwendet wird.
    [Mit Hilfe der Deduktion werden spezielle Einzelerkenntnisse aus allgemeinen Theorien gewonnen.]
     
  • Tautologie, petitio principii
    Eine „petitio principii“ ist ein argumentativer Fehlschluss, der dann vorliegt, wenn eine Behauptung, für deren Wahrheit argumentiert werden soll, in der Argumentation für diese Behauptung bereits als wahr vorausgesetzt wird.
     
  • Verdrehung, Verstellung
     
  • Sophismen
    Ein mit der Absicht, andere zu täuschen, herbeigeführter Fehlschluss wird als Sophismus bezeichnet.


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a maiore ad minus Urteile und Entscheidungen

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    » EUGH, 17.07.1959, 32-58
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