Staatsanwaltschaftsstation

Rechtsreferendariat

Das Referendariat soll seine Absolventen in allen verschiedenen Praxis-Bereichen des juristischen Berufsumfeldes ausbilden. Deshalb ist das Jura-Referendariat in mehrere Stationen gegliedert. Verpflichtend sind für jeden Absolventen die Zivilrechtsstation, die Staatsanwaltsstation, die Verwaltungsrechtstation und die Anwaltsstation. Neben diesen Pflichtstationen wird jedem Referendar eine Wahlstation zugestanden,  welche die Anpassung der praktischen  Ausbildung an die eigenen Bedürfnisse ermöglicht. 

Wo wird die Staatsanwaltschaftsstation absolviert?

In den meisten Bundesländern beginnt die Referendarausbildung mit der Staatsanwaltsstation oder Gerichtsstation. Diese Station kann sowohl bei der Staatsanwaltschaft als auch bei Strafrichtern am Amtsgericht oder bei einer Strafkammer am Landgericht durchgeführt werden. In den meisten Fällen wird die Ausbildung allerdings bei den Staatsanwaltschaften erfolgen, Ausbildungen am Gericht werden nur durchgeführt, wenn bei der Staatsanwaltschaft keine Referendarplätze mehr frei sind. Da die Staatsanwaltschaftsstation ganz am Anfang der Referendarausbildung liegt, ist es hier meist nicht möglich, sich selbst um eine geeignete Stelle zu bemühen. Die Zuteilung erfolgt vielmehr über die Ausbildungsstelle des Referendariats.

Was gilt es in der Staatsanwaltschaftsstation zu beachten?

Um auf die Staatsanwaltsstation vorzubereiten, werden Arbeitsgemeinschaften durchgeführt, die im Schnellverfahren grundlegende Kenntnisse zur erfolgreichen Absolvierung der Staatsanwaltsstation vermitteln sollen. Grundsätzlich ist immer eine Ausbildung bei der Staatsanwaltschaft, der Ausbildung bei einem Richter vorzuziehen, da im Zweiten Staatsexamen auch das Verfassen von Klageschriften oder Einstellungsverfügungen geprüft werden kann.

Inhalte der Staatsanwaltschaftsstation

Staatsanwaltschaft-StationDie Staatsanwaltschaftsstation soll neben dem praktischen Verfassen von Klageschriften auch theoretische und praktische Erfahrungen im Strafprozessrecht vermitteln. Besonders spannend ist für Referendare meist die Möglichkeit, eigenständig bei Gericht als Staatsanwalt auftreten zu können (nach Einweisung und Erlaubnis durch den Ausbilder).  Bevor der Referendar allerdings komplett eigenständig auftreten darf, muss er in Gegenwart des Ausbilders meist vorher an Hauptverhandlungen teilnehmen. Sollte dies nicht der Fall sein, empfiehlt es sich auf jeden Fall, darauf zu bestehen, vorab mal den Ausbilder bei einer Sitzungsvertretung zu begleiten.

Der Ablauf bei der Sitzungsvertretung als Rechtsreferendar bei der Staatsanwaltschaft ist dann beispielsweise so:  

Man holt sich als Referendar ein paar Tage vor dem Verhandlungstermin die Strafakten bei seinem Staatsanwalt ab und bespricht ggf. diese noch kurz mit ihm oder er gibt einem Tipps. Hierbei ist es aber nicht selten der Fall, dass Staatsanwälte es im Zeugnis als besonders erwähnenswert finden, wenn man die Fälle immer ohne große Vorbesprechung und Einweisung selbst erledigen konnte.

Zuhause bereitet man sich dann auf die Akten vor. Es können schon mal ein paar Verhandlungen pro Tag anstehen, so dass man sich auf mehrere  Anklageschriften und Verhandlungen einstellen sollte.

Am Tag der mündlichen Hauptverhandlung betritt man kurz vor Beginn der Verhandlung den Sitzungssaal. Zuvor sollte man sich bei seiner Ausbildungsstelle die entsprechende Robe ausgeliehen haben. Leider kommt es öfters vor, dass die richtige Größe nicht mehr verfügbar ist. Teilweise verleihen in der Not auch die ausbildenden Staatsanwälte dem Referendar vorübergehend ihre Roben. Notfalls den Ausbilder oder Arbeitsgemeinschaftsleiter daher fragen, wenn gar keine Robe mehr frei sein sollte.

Nach Feststellung der Anwesenheit, liest man als Vertreter der Staatsanwaltschaft die Anklageschrift vor. Hierzu sollte man aufstehen, selbst wenn es sich um einer mehrseitige sehr lange Anklageschrift handeln sollte. Den Aufbau einer Anklageschrift lernt man in der Arbeitsgemeinschaft in der Staatsanwaltschaftsstation.

Nachdem der Angeklagte ggf. gehört und die Zeugen ausgesagt haben, hält man am Ende vor dem Strafverteidiger und Angeklagten das Plädoyer. Dieses folgt auch einem speziellen Aufbau, den man in der Arbeitsgemeinschaft lernt. Hier sollte man eigentlich nicht groß aufgeregt sein. Im Grunde fast man in den meisten Fällen noch einmal zusammen, was schon in der Anklage stand und dass man dies als bestätigt nach den Erkenntnissen aus der Hauptverhandlung an sieht. Zuletzt stellt man einen Antrag, der in der Regel auf Verurteilung lautet. Möchte man das Verfahren einstellen, muss man in der Regel seinen Ausbilder telefonisch um Erlaubnis fragen. Daher empfiehlt es sich, die Dienstnummer des Ausbilders und des Arbeitsgemeinschaftsleiters immer in der Hosentasche zu haben. Die Richter kennen diese Prozedur der Nachfrage und daher sollte man dies dem Richter ggf. auch einfach mitteilen. Kommt man zu der Überzeugung, dass ein Freispruch gerechtfertigt ist, muss man hinsichtlich dieses Antrags niemanden um Erlaubnis fragen.

Strafgerichtsstation

Die meisten Referendare werden sicherlich die Staatsanwaltschaftsstation der Strafgerichtsstation vorziehen und zwar aus dem Grund, da bei der Staatsanwaltschaft das Erstellen von Anklageschriften und Einstellungsverfügungen eingeübt werden kann. Dies stellt eine gute Vorbereitung für die Klausuren im Zweiten Staatsexamen dar. Trotzdem hat das Absolvieren der Gerichtsstation auch Ihren Reiz. Bei Gericht wird vornehmlich die Erstellung von Urteilsentwürfen im Mittelpunkt stehen.

Trinktest und Knastbesuch in der Staatsanwaltschaftsstation

Egal ob Sie sich für die Station bei der Staatsanwaltschaft oder für die Gerichtsstation entscheiden, die meisten Ausbildungsstellen für Referendare bieten im Rahmen dieser Stationen noch weitere praktische Einblicke an. So wird in den meisten Fällen auch die Besichtigung einer Justizvollzugsanstalt angeboten. Ebenso gehört zu den Highlights der Ausbildung die Teilnahme an einer nächtlichen Streifenfahrt mit der Polizei. Bei der nächtlichen Streifenfahrt ist natürlich besonders das Wochenende interessant, da hier mit den meisten Streifeneinsätzen zu rechnen ist. Legendär und beliebt ist auch der sog. Trinktest, der meistens in einem Hotel unter ärztlicher Aufsicht durchgeführt wird. Hierbei kann man je nach Ausbildungsstelle mehr oder weniger Alkohol zu sich nehmen. Teilweise werden nur Bier und Wein angeboten, aber teilweise auch hartes Zeug. Nach einer bestimmten Zeit von z.B. 2 Stunden wird dann mittels Atemalkoholtestgerät oder auch manchmal per Blutprobe der Blutalkoholgehalt gemessen. Allgemein ist zu sagen, dass die kollegiale Stimmung mit steigendem Alkoholkonsum immer besser wird. Argerlich ist es allerdings, wenn man am Folgetag Sitzungsvertretung hat („A-Karte“).



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