Gerichtsstation

Rechtsreferendariat

GerichtsstationIm Rahmen der Rechtsreferendarausbildung gehört die Gerichtsstation bei einem ordentlichen Gericht in Zivilsachen zu den Pflichtstationen. Die Absolvierung der Pflichtstationen soll dazu dienen, den angehenden Volljuristen möglichst einheitliches Wissen in den Pflichtbereichen zu vermitteln. Der Gerichtsstation als erste Station des Referendariats, schließt sich meist vorab eine kurze Einführungsphase von 4-6 Wochen an, in der durch einen Ausbilder allgemeine Theorie über die ZPO gelehrt wird. In dieser Arbeitsgemeinschaft lernt man dann auch die so genannte Relationstechnik. Die praktischen Stationen werden dabei immer durch theoretische Arbeitsgemeinschaften begleitet.

Wo findet die Gerichtsstation statt?

Im Rahmen der Gerichtsstation ist man dabei in der Regel einer Kammer am Landgericht oder einem Einzelrichter am Amtsgericht zugeteilt. Hierbei kann der Schwerpunkt der Richter in den unterschiedlichsten Bereichen des Zivilrechts liegen. Nutzen Sie während der Gerichtsstation auch die Möglichkeit, Gerichtsverhandlungen, Notdiensten oder der beruflichen Tätigkeit von Gerichtsvollziehern beizuwohnen, da diese Bereiche auch prüfungsrelevant sind.

Hierbei kann ich aus meiner Zeit als Rechtsreferendar berichten, dass m.E. die Ausbildung beim Einzelrichter am Amtsgericht dankbarer und prüfungsrelevanter ist, da Berufungen meistens nicht so oft in Examensklausuren vorkommen, aber man diese beim Landgericht im Vergleich zum Amtsgericht natürlich schon öfters vorgelegt bekommt. Zudem muss man sich beim Landgericht gleich mit mehreren Berufsrichtern ggf. arrangieren. Der Aktenumfang ist beim Landgericht m.E. auch größer als beim AG.

Aufgabenbereiche des Referendars in der Gerichtsstation

Als Rechtsreferendar bekommt man dann von dem Ausbilder, also dem Richter, Akten zur Bearbeitung vorgelegt. Der Referendar arbeitet hierbei die Aktien durch und fertigt zum Beispiel einen entsprechenden Urteilsentwurf. Der Richter bewertet und korrigiert dies dann. Es kommt hierbei nicht selten vor, dass eine gute Ausarbeitung eines Urteils durch den Richter eins zu eins übernommen und ausgeurteilt wird („Prädikatsjurist“).

Neben dieser praktischen Erstellung von Urteilen, ist es auch üblich, dass man selbst einmal eine Gerichtssitzung als Rechtsreferendar leitet. Der Richter sitzt dann nur neben dem Referendar und beobachtet im Idealfall ohne größeres Eingreifen die Gerichtsverhandlung. Neben der Erstellung von Urteilsentwürfen wird der Referendar auch in sämtliche Vorgänge wie beispielsweise Aktenbearbeitung, Diktate, Vergleiche usw. eingeführt. Zudem sind neben der Erstellung von Urteilsentwürfen auch vom Referendar Gutachten-, Beschlussentwürfe und manchmal auch Relationen anzufertigen. Auch Aktenvorträge und das Durchführen von Sitzungsleitungen sollen in der Zivilgerichtsstation eingeübt werden.

Die Dauer der Gerichtsstation ist im Rahmen der Juristenreform immer mehr gekürzt worden zu Gunsten der Anwaltsstation.

Gerichtsstation: Leitung der mündlichen Verhandlung als Vertreter des Richters in einer mündlichen Verhandlung

In der Gerichtsstation sollen Referendare in der Praxis die Aufgaben eines Richters beobachten und auch durchführen. Deshalb muss im Rahmen der Gerichtsstation mindestens eine mündliche Verhandlung durch den Referendar selbst durchgeführt werden. Dies ist allerdings erst nach ausreichender Einweisung durch den Ausbilder nötig. Bevor der Rechtsreferendar in der Lage ist, selbständig eine Verhandlung zu führen, muss er zuvor an einigen Sitzungen seines Ausbilders teilnehmen und auch den Sitzungsvorbereitungen beigewohnt haben. 

Vor der eigenständigen Sitzungsvertretung durch den Rechtsreferendar sollte der Sitzungsgegenstand mithilfe des Ausbilders genauestens besprochen werden. Schließlich müssen die Klage, Widerklage und alle weiteren Punkte hohen Qualitätsanforderungen entsprechen und dürfen nicht fehlerhaft sein. Dies ist daher eine nicht ganz so einfache Aufgabe in der Gerichtsstation.

Daher sollte natürlich schon im Rahmen der Vorbereitung auf die Sitzungsvertretung eine intensive Beschäftigung mit dem Aktenauszug des Sitzungsgegenstandes erfolgen. Da in der Sitzung mündlich vorgetragen werden muss, empfiehlt es sich zuvor kurze Notizen zu dem Streitgegenstand zu machen, um im Notfall den Faden nicht zu verlieren. Schließlich wird die mündliche Sitzungsvertretung durch den Ausbilder später benotet und nur durch eine vernünftige Vorbereitung wird ein solides Ergebnis erzielt werden.

Ziemlich ätzend kann es hierbei hinsichtlich des live Diktierens der Aussagen der Parteien und Zeugen werden. So manch ein Referendar ist hieran schon in verzweifelt. Üben kann man sowas im Vorfeld natürlich auch nur schwerlich, leider. Daher habe ich die Vertretung des Richters in der mündlichen Verhandlung immer als super undankbar empfunden, vor allem, wenn man eh nicht Richter werden will.



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