Durchfallquoten, Examensnoten und Klausuren

Rechtsreferendariat

Wie bereitet man sich auf das Rechtsreferendariat vor?

Ist das erste juristische Staatsexamen endlich erfolgreich abgeschlossen, dann tritt die Vorbereitung auf das Referendariat und damit auch das zweite juristische Staatsexamen in den Mittelpunkt des Interesses. Um einen Referendariatsplatz zu erhalten, müssen Bewerbungen an die OLG geschrieben werden und es ist teilweise mit langen Wartezeiten zu rechnen, bis der Arbeitsplatz aufgenommen werden kann. Dies ist natürlich von der jeweiligen Examensnote abhängig. Wer von vornherein schon weiß, dass aufgrund der Examensnote mit einer längeren Wartezeit zu rechnen ist, der sollte sich überlegen wie diese Zeit sinnvoll überbrückt werden kann (am besten durch Weiterqualifizierungen). So kann man sich für spätere Arbeitnehmer als Absolvent noch attraktiver machen.

Zweite juristische Staatsexamen: Durchfallquoten bei der Wahl der Rechtsreferendariatsstelle berücksichtigen

Interessant ist es auch, sich vorab über die Durchfallquoten im Zweiten juristischen Staatsexamen zu informieren. Diese können nämlich abhängig vom jeweiligen Bundesland stark auseinanderliegen. Derzeit gelten Bayern, Sachsen und Sachsen-Anhalt als Länder  mit der höchsten Durchfallquote im Zweiten juristischen Staatsexamen! Wer in diesen Ländern sein erstes juristisches Staatsexamen absolviert hatte, sollte sich vorher definitiv darüber Gedanken machen, ob eine Bewerbung in einem Bundesland mit positiverer Aussicht zweckmäßig erscheint. Schließlich ist niemand dazu verpflichtet, das Referendariat im Bundesland der eigenen Studienuniversität  aufzunehmen.

Bewerbung um eine Ausbildungsstelle als Rechtsreferendar

Grundsätzlich ist die Ausbildung der Rechtsreferendare Sache der Bundesländer. Die Ausbildung erfolgt in sogenannten Dienststellen. Diese Dienststellen sind meist in den Oberlandesgerichten angesiedelt.  In einigen Bundesländern sind diese auch direkt dem Justizministerium unterstellt. Bei der Wahl der Dienstelle empfiehlt es sich, rechtzeitig in die Prüfungsordnungen der einzelnen Bundesländer zu schauen, da diese sich in einigen wichtigen Punkten sehr stark unterscheiden.

Deshalb sollten Sie vor allem folgende Punkte genauer unter die Lupe nehmen:

Wie viele Examensklausuren sind im Rahmen der Ausbildungsordnung für das Zweite juristische Staatsexamen vorgeschrieben?

In manchen Bundesländern müssen elf Klausuren geschrieben werden, während andere wiederum fast nur die Hälfte an Klausuren verlangen. Die geringste Anzahl an Klausuren muss mit 7 Klausuren im Saarland geschrieben werden. Mit dem größten Klausuraufwand werden Prüflinge in Bayern (11 Klausuren), Mecklenburg-Vorpommern (10 Klausuren), Thüringen (10 Klausuren) und Sachsen (9 Klausuren) konfrontiert. Die restlichen Bundesländer liegen mit 8 Klausuren im Mittelfeld. 

Wie lange muss ich mit meiner Examensnote auf einen Referendariatsplatz warten?

In bestimmten Bundesländern werden Sie auch mit einer schlechteren Examensnote im ersten Staatsexamen schneller einer Ausbildungsplatz erhalten als in anderen. Besonderen Wert auf die Leistung im Ersten juristischen Staatsexamen legen die Bundesländer Baden-Württemberg (60%), Niedersachsen (60%), Rheinland-Pfalz (60%), Sachsen (60%), Hessen (50%), Sachsen-Anhalt (45%), Thüringen (40%) und Mecklenburg-Vorpommern (35%). Einen geringeren Wert auf die Leistung im Ersten Staatsexamen legen die Bundesländer  Schleswig-Holstein (20%), Brandenburg (20%), Hamburg (18%) und Berlin (10%).

Wie viele Personen fallen im jeweiligen Bundesland durchschnittlich durch das Zweite juristische Staatsexamen?

Es ist bekannt, dass einige Bundesländer signifikant höhere Durchfallquoten im Zweiten juristischen Staatsexamen aufweisen, als andere. Die Wahl des richtigen Bundeslandes erhöht statistisch gesehen die Wahrscheinlichkeit, das Zweite juristische Staatsexamen zu bestehen. Gerade für schwächere Prüflinge kann dies unter Umständen prüfungsentscheidend sein.

Statistischen Erhebungen des Bundesamtes für Justiz aus dem Jahr 2007 lässt sich entnehmen, dass die Wahrscheinlichkeit durch das Zweite juristische Staatsexamen zu fallen, in Brandenburg (29,5%), Sachsen-Anhalt (24,8%), Nordrhein-Westfalen (20,9%), Schleswig-Holstein (20,9%) und Mecklenburg-Vorpommern (20,7%) am größten ist. Die geringsten Durchfallquoten im 2. juristischen Staatsexamen wiesen im Jahr 2007 die Bundesländer  Hamburg (11,8%), Rheinland-Pfalz (11,9%), Thüringen (12,2%), Bremen (13,6%), Baden-Württemberg (13,6%)  und Hessen (14,3%) auf. Die restlichen Bundesländer liegen im Mittelfeld.

Wie hoch ist die Belastung durch Teilnahme an verpflichtenden Arbeitsgemeinschaften?

Immense Unterschiede bestehen in den einzelnen Bundesländern auch darin, wie viele und in welchem Umfang verpflichtende Arbeitsgemeinschaften besucht werden müssen. Ein Vergleich ist somit sehr lohnenswert und kann wertvolle Zeit zur Vorbereitung auf die eigentlichen Examensklausuren einsparen. Während beispielsweise in Mecklenburg-Vorpommern außer den Einführungs- und Begleitarbeitsgemeinschaften keine weiteren Veranstaltungen verpflichtend sind, so sind in Bayern Veranstaltungen zum Steuer- und Arbeitsrecht obligatorisch. In Baden Württemberg ist zudem die Teilnahme an einer sechzigstündigen besonderen Lehrveranstaltung (z.B. im Zwangsvollstreckungsrecht) notwendig.


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