Anwaltsstation

Rechtsreferendariat

Ein Großteil der Juristen nimmt nach dem Zweiten juristischen Staatsexamen eine Tätigkeit als Rechtsanwalt auf. Falls Sie auch mit dem Gedanken spielen sollten, nach dem Referendariat als Rechtsanwalt zu arbeiten, dann ist die Anwaltsstation der wichtigste Teil Ihrer Ausbildung. Schließlich können Sie vor allem in den Kanzleien lernen, welches Rüstzeug Sie als Existenzgründer einer eigenen Anwaltskanzlei benötigen. Aber auch wenn Sie später als angestellter Rechtsanwalt arbeiten möchten, kann das Referendariat und insbesondere die Anwaltsstation ein Sprungbrett für eine spätere Festanstellung darstellen.

Viele Kanzleien rekrutieren den Anwaltsnachwuchs vornehmlich aus den bei ihnen während des Referendariats tätigen Rechtsreferendaren, dabei fungiert das Referendariat und damit vor allem die Anwaltsstation quasi als verlängerte Probezeit. Wenn es Ihnen hierbei gelingt, einen professionellen Eindruck zu hinterlassen, dann können Sie wahrscheinlich mit einer späteren Anstellung rechnen. Klären Sie am besten schon bei der Bewerbung ab, ob in der jeweiligen Kanzlei unter Umständen Bedarf an einer Übernahme nach dem Referendariat besteht. In der Regel dauert die Anwaltsstation neun Monate. Sollten Sie sich von vornherein sicher darüber sein, später den Anwaltsberuf ergreifen zu wollen, dann können Sie auch noch die dreimonatige Wahlstation beim Rechtsanwalt absolvieren. Kümmern Sie sich auf jeden Fall rechtzeitig um eine geeignete Stelle. Die Ausschreibungen finden Sie meist über Ihre jeweilige Ausbildungsstelle.

Oftmals wird die doch recht lange und bei uns in Niedersachsen zum Beispiel neun Monate dauernde Anwaltsstation zum so genannten Abtauchen genutzt. Abtauchen bedeutet hierbei, dass sich der Referendar mehr oder weniger inoffiziell und legal ein paar Monate vor dem Klausuren, die zumeist während oder knapp am Ende der Anwaltsstation geschrieben werden, "freistellen" lässt. Dieses Abtauchen kann man sehen wie man will. Nicht wenige Rechtsanwälte lassen im Hinblick auf die Klausuren und einer Verringerung der Arbeitszeit mit sich reden. Man kann hierbei auch schon in den Monaten zuvor ggf. entsprechende Mehrarbeit leisten. Wie es leider in der juristischen Ausbildung allgemeinen so ist, zählen am Ende nur die Noten, so dass jeder selbst entscheiden muss, wie er es mit dem Abtauchen hält. Fest steht allerdings aus meiner Erfahrung, das ist doch mehr oder weniger unerlässlich ist, praktische Erfahrung als Rechtsreferendar bei einem Anwalt zu sammeln, um dann möglichst schnell selbst als Rechtsanwalt in der Praxis bestehen zu können.

Inhalte der Anwaltsstation

AnwaltsstationDas Ziel der Anwaltsstation ist es, einen tieferen Einblick in die Organisation und die Tätigkeit des Rechtsanwaltes (Leitungs- und Überwachungsaufgaben) zu gewinnen.

Hierbei ist vor allem auch die Termin- und Fristenkontrolle als wichtiger Punkt zu nennen. Sie sollten während der Anwaltsstation aber auch nicht davor zurückschrecken, die Büroorganisation der Rechtsanwaltsgehilfen genauer unter die Lupe zu nehmen. Hier können Sie sich für die eigene Kanzleiorganisation eine Menge abschauen.

Nutzen Sie auf jeden Fall auch die Gelegenheit, bei Mandantengesprächen dabei zu sein und auch an Verhandlungen teilzunehmen. Ihr Ziel sollte es sein, später auch einmal selbständig Gerichtstermine als Vertreter des Anwalts wahrzunehmen. Dies ist ihnen nach der Berufsordnung als zugewiesener Stationsreferendar vor dem Amtsgericht ausdrücklich erlaubt.

Ein weiterer wichtiger Aspekt bei der Ausbildung in der Anwaltsstation ist, dass gelernt wird, Anwaltsschriftsätze zu erstellen. Dazu gehört vor allem das Einüben von Klageschriften, Klageerwiderungen, Prozesskostenhilfeanträgen und Anträge auf Erlass von Einstweiligen Verfügungen.

Weitere Informationen und Material zur Anwaltsstation finden Sie hier.

DAV-Anwaltsausbildung in der Anwaltsstation

Der Deutsche Anwaltverein bietet an der Fern-Uni-Hagen die DAV-Anwaltsausbildung (LL.M. Masterstudiengang „Anwaltsrecht und Anwaltspraxis“) an. Die DAV-Ausbildung ist eingebettet in eine zwölfmonatige praktische Ausbildung, einen dreimonatigen Theoriekurs und schließt mit einem Zertifikat ab. Auch ein viertägiges Präsenzseminar ist in der Ausbildung enthalten. Die Absolvierung des Kurses erfolgt während des Referendariats. Ziel ist es, durch die Anwaltsausbildung zertifizierte Kenntnisse über den Anwaltsberuf zu erlangen, denn im Referendariat werden diese Fähigkeiten meist nur oberflächlich vermittelt. Um eine hohe Qualität der Anwaltsausbildung zu gewährleisten, kooperiert der Deutsche Anwaltverein mit zertifizierten Kanzleien in ganz Deutschland. Die gesamte Ausbildung über werden die Lernfortschritte in dem DAV-Ausbildungshandbuch festgehalten. Gleichzeitig dient es als Arbeitsbuch zu den jeweiligen Themen der Anwaltsausbildung. In dem Handbuch sind zudem die verpflichtenden Ausbildungsinhalte hinterlegt.

Was bietet die DAV-Anwaltsausbildung?

Die DAV-Anwaltsausbildung behandelt in der Anwaltsstation unter anderem die außergerichtliche Konfliktbeilegung, Kanzleibuchhaltung oder die Gestaltung von Vertragsentwürfen. Auch das Büromanagement, die Anwaltshaftung und Marketingstrategien für Rechtsanwälte bleiben in der Anwaltsausbildung des DAV nicht unerwähnt. Am Ende der Anwaltsausbildung wird zudem der akademische Titel LL.M. in „Anwaltsrecht und Anwaltspraxis“ erworben, was die DAV-Ausbildung auch vor dem Hintergrund bevorstehender Bewerbungen als Rechtsanwalt nach dem Referendariat attraktiv macht. Die DAV-Anwaltsausbildung ist auch für Absolventen des Ersten Staatsexamens empfehlenswert, denn während der Wartezeit auf das Referendariat kann der dreimonatige Theoriekurs an der Fern-Uni-Hagen schon absolviert werden. Der Praxisteil wird dann während des Referendariats durchgeführt.  Die Anwaltsausbildung des Deutschen Anwaltvereins ist ein kompletter LL.M. Masterstudiengang und kostet derzeit nur 2250€. Dies ist im Vergleich zu ausländischen LL.M. Studiengängen extrem günstig, da diese meist im fünfstelligen Eurobereich angesiedelt sind. 

Hier finden Sie weitere Informationen zur DAV-Anwaltsausbildung



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