Jura-Scheine

Jurastudium

Im juristischen Studium ist die Voraussetzung für die Zulassung zum Examen nach dem Wortlaut des Gesetzgebers die erfolgreiche oder die regelmäßige Teilnahme an einer Lehrveranstaltung. Dabei wird in der Regel von sogenannten Scheinen gesprochen.

Diese sind eine Bestätigung, vielmehr ein Leistungsnachweis, dass die geforderte Leistung entsprechend erbracht wurde. Im Grunde ist der Begriff Schein, allerdings ein Oberbegriff, der sich aus einzelnen Teilleistungen zusammensetzt.

Gerade in der juristischen Ausbildung wird zwischen den kleinen- und großen Scheinen unterschieden. Die kleinen Jura-Scheine meinen in der Regel die Leistungserfordernisse für Anfänger. Hingegen können die großen Jura-Scheine in der Übung für Fortgeschrittene erlangt werden.

Die „kleinen Scheine“

Zu Beginn des Studiums sollte das Ziel die Erlangung der erforderlichen kleinen Scheine sein.

Damit soll sichergestellt werden, dass der Studierende die Grundzüge des BGBs, des StGBs, der VwGO und der VwVfG bekommt und damit dann erfolgreich an den Übungen für Fortgeschrittene teilnehmen kann.

Häufig können die Jura-Scheine am Ende des Semesters durch das Bestehen der Semesterabschlussklausuren in den Übungen für Anfänger plus eine dazugehörige, in den Ferien abzulegende, Hausarbeit in den Bereichen des Zivilrechts, des Öffentlichen Rechts und des Strafrechts erlangt werden.

Erfahrungsgemäß werden pro Rechtsgebiet zwei bis drei Klausuren angeboten, sowie ebenfalls zwei bis drei Hausarbeiten, sodass die Möglichkeit besteht, falls sie durch eine Klausur oder Hausarbeit durchgefallen sind, weitere Chancen besitzen den Schein zu erwerben.

Die Klausuren und die dazugehörige Hausarbeit müssen innerhalb eines Semesters erbracht werden. Daraus ergibt sich, dass eine Teilscheinregelung grundsätzlich nicht möglich ist. Zusätzlich ist an manchen Universitäten gefordert, dass man zuvor an einer Arbeitsgemeinschaft teilgenommen hat, umso an den Abschlussklausuren teilnehmen zu dürfen.

Darüber hinaus sind innerhalb des Jurastudiums noch weitere kleine Jura-Scheine notwendig. Diese werden auch Grundlagenscheine genannt. Damit soll vor allem das Grundverständnis weiter gefördert werden. An den meisten Universitäten können diese in den Bereichen der Rechtsgeschichte, Rechtsphilosophie, sowie Rechtssoziologie erworben werden. In Lehrveranstaltungen zu Grundlagenfächern ist es möglicherweise dem Dozenten überlassen, welchen Leistungsnachweis er fordert, also ob er eine Klausur, Hausarbeit oder ein Referat verlangt. Üblicherweise ist dies allerdings eine Klausur, denn die Anzahl der Teilnehmer lässt oftmals etwas andere gar nicht zu.

Ein weiterer, aber für viele auch lästiger Schein, ist der Schein aus einer fremdsprachigen rechtswissenschaftlichen Veranstaltung. Diese Jura-Scheine stellen die Förderung der Fremdsprachenkompetenz in den Vordergrund. In der Praxis bietet sich häufig eine Veranstaltung an, die mit einer anderen Sprache sich in Verbindung setzten lässt. Gerade das Europarecht ist ideal. Die entsprechende Universität legt dabei fest, welcher Leistungsnachweise zur Erlangung des Scheines erbracht werden muss.

Die „großen Scheine“

Häufigste und wichtigste Voraussetzung für die Zulassung zur ersten juristischen Staatsprüfung sind die Jura Scheine aus den Übungen für Fortgeschrittene. Insgesamt gibt es drei Übungen im Bereich des Strafrechts, des Öffentlichen Rechts und des Zivilrechts.

In einigen Bundesländern wird auf eine derartige Übung verzichtet und nur das Bestehen der Zwischenprüfung verlangt. Hingegen setzten einige Bundesländer, darunter Niedersachen, das Bestehen der Zwischenprüfung als auch die Scheine der Übung für Fortgeschrittene voraus.

Inhaltlich ist wichtig, dass die Übungen eigenständige Veranstaltungen sind und nicht unmittelbar an andere Vorlesungen angekoppelt sind. Es können also alle Bereiche des in Frage kommenden Rechtsgebiets in den Klausuren abgeprüft werden. Allerdings wird erfahrungsgemäß der für die Klausur erforderliche Stoff eingegrenzt, sodass die Möglichkeit besteht sich vernünftig vorzubereiten und keine böseren Überraschungen zu erwarten sind.

Die Anforderungen an die Studenten innerhalb der Übungen können innerhalb der Bundesländer variieren. In Hannover müssen die Studenten beispielsweise zwei von vier Klausuren in einem Semester und eine Hausarbeit je Übung bestehen, um den Leistungsnachweis zu erbringen und damit den ersehnten Schein zu bekommen.

Auch die Zulassung zu den Übungen ist von Bundesland zu Bundesland verschieden. Teilweise sind die kleinen Jura-Scheine ausreichend, um an der Übung teilnehmen zu dürfen. Teilweise wird das Bestehen der Zwischenprüfung verlangt. Näheres regelt die Prüfungsordnung des jeweiligen Landes.

Ziel der großen Übungen ist wie der Name schon sagt, die Übung der Fallbearbeitung im jeweiligen Rechtsgebiet. Die Studenten sollte die Übung als Möglichkeit sehen, dass jeweilige Rechtsgebiet in Stoff und Klausurtechnik in einer Weise zu wiederholen und einzuüben, dass sie für die Phase der Examensvorbereitung darin fit sind. Aus diesem Grund ist es besonders empfehlenswert an der Übung auch dann teilzunehmen, wenn man den erforderlichen Leistungsnachweis in der Übung schon erbracht hat.


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