Kosten und Finanzierung des LL.M

Dr.jur. (Promotion) & LL.M.

Die Kosten eines LL.M.-Studiums sind gerade im Ausland recht hoch. Neben den Studiengebühren, die je nach Universität sehr stark differieren, sollten auch die Lebenshaltungskosten und die Miete für die Unterkunft berücksichtigt werden. Zusammengerechnet kann ein LL.M.-Studium im Ausland dann ganz schnell einmal 50.000 Euro verschlingen. Umso wichtiger ist es, schon vor der eigentlichen Bewerbung die eigenen finanziellen Möglichkeiten auszuloten. Sobald die Finanzierung sichergestellt ist, kann dann die Bewerbung um das gewünschte LL.M.-Studium beginnen. Es bestehen verschiedene Möglichkeiten, die Finanzierung des gewünschten Aufbaustudiums sicherzustellen. Neben der Eigenfinanzierung kann das Studium auch mithilfe von Drittmitteln finanziert werden.

a) Eigenfinanzierung des LL.M.-Studiums

Kosten und FinanzierungEin LL.M.-Studium aus eigener Tasche zu bezahlen ist ein recht teures Vergnügen und wird für die meisten Interessenten allein schon aus finanziellen Erwägungen nicht in Betracht gezogen. Denn wer während des Jurastudiums oder nach dem Ersten Staatsexamen eine LL.M.-Qualifizierung anstrebt, wird sicherlich noch nicht in der Lage sein, das Studium aus Eigenmitteln zu bestreiten. Es sei denn, die Familie ist bei der Finanzierung behilflich. Für Absolventen des Zweiten Staatsexamens mit mehrjähriger Berufserfahrung ist eine Eigenfinanzierung schon wahrscheinlicher, schließlich besteht dort die Möglichkeit, Geld für das Studium anzusparen. Doch auch wenn Sie in der Lage sein sollten, ein LL.M.-Studium aus der Portokasse zahlen zu können, kann es sich schonend auf Ihren Geldbeutel auswirken, wenn Sie ein Stipendiums in Betracht ziehen. Der Vorteil einer kompletten Eigenfinanzierung des LL.M.-Studiums liegt in der schnellen Durchführbarkeit. Drittmittelfinanzierungen hingegen erfordern einen hohen Verwaltungsaufwand. Es kann sich natürlich auch eine Kombination zwischen Eigen- und Fremdmittelfinanzierung anbieten. Zudem sollte man ins Auge fassen, ob die Kosten für die Weiterqualifikation durch einen Job an der angestrebten Universität (z.B. in der Bibliothek oder als Seminarleiter für Deutschkurse) abgefedert werden können. Diese Jobs bieten zudem den Vorteil, dass dazu im Ausland meist keine gesonderte Arbeitserlaubnis notwendig ist. 

b) Finanzierung des LL.M. durch Fremdmittel

Jeder, der sein gewünschtes LL.M.-Studium nicht aus Eigenmitteln bestreiten kann oder will, muss sich zwangsläufig mit der Finanzierung aus Drittmitteln auseinandersetzen. Gerade LL.M.-Studien in den USA verschlingen schnell höhere fünfstellige Summen. Deshalb ist es sinnvoll, auch einmal über den Tellerrand zu blicken, denn in Großbritannien sind LL.M.-Studien schon für vierstellige Pfundbeträge möglich. Da Drittmittel in den meisten Fällen (abgesehen von Stipendien) wieder zurückgezahlt werden müssen, ist diese kosteneffektive Lösung sicherlich eine Überlegung wert.

LL.M. – Stipendien als Finanzierung

Stipendien sind natürlich die kostengünstigste Möglichkeit, einen LL.M.-Abschluss zu finanzieren. Generell können das Teil- und das Vollstipendium unterschieden werden. Beim Teilstipendium wird das LL.M.-Studium finanziell bis zu einer bestimmten Höhe bezuschusst, während das Vollstipendium das komplette Studium finanziert. Für den Otto-Normal-Studenten ist ein Vollstipendium nahezu unerreichbar, da hier außergewöhnlich hohe Ansprüche angesetzt werden und die Mitbewerberdichte natürlich auch sehr hoch angesiedelt ist. Aber auch Teilstipendien sind sehr begehrt. Wer sich den hohen Anforderungen an ein Stipendium gewachsen fühlt, der sollte sich frühzeitig (mindestens ein Jahr vor Beginn des LL.M.-Studiums) bewerben. Ein Prädikatsexamen wird bei der Vergabe von Stipendien meist vorausgesetzt. Trotz Prädikatsexamen ist es empfehlenswert, noch weitere Qualifikationen anzuführen. Dies müssen nicht unbedingt spezielle berufliche Qualifikationen sein. Auch ein herausragendes soziales Engagement in der Freizeit kann in Verbindung mit einer Top-Qualifikation, den Ausschlag geben, dass Stipendium zu erteilen. Sie können sich bei unterschiedlichen Instituten um ein Stipendium bewerben. Im Folgenden finden Sie eine Auflistung von Organisationen, bei denen Sie sich um ein Stipendium bewerben können:

LL.M. mit Studiengebührenerlass

Sobald Sie von einer Universität einen positiven Bescheid erhalten haben, wird auch zeitnah der Studiengebührenbescheid eintreffen. In jedem Fall ist es empfehlenswert, eine Ermäßigung oder einen Erlass der Gebühren anzustreben. Dadurch können enorme Kosten eingespart werden. Vielen deutschen Bewerbern ist nicht bekannt, dass in vielen ausländischen Hochschulen eine Studiengebührenermäßigung ganz normal ist. Beispielsweise zahlen in den USA lediglich unter 20 % aller Studenten den vollen Studiengebührenanteil. Um einen Erlass der Gebühren zu erwirken, können Sie sich an die „Financial Aid“-Büros der jeweiligen Universität wenden. Diese sind extra für die Belange von Gebührenermäßigungen und Erlassen an den Hochschulen eingerichtet worden. In jedem Fall ist es lohnenswert nach dem Erhalt des Studiengebührenbescheids über die Kostenhöhe zu verhandeln.

LL.M. – Finanzierung durch Darlehen

Die Möglichkeiten ein Studium über ein Darlehen zu finanzieren sind sehr vielfältig und reichen von staatlichen Bildungskrediten bis zu Bankkrediten. Im Gegensatz zu regulären Bankkrediten bieten staatliche Bildungskredite den Vorteil, dass keine Sicherheiten verlangt werden und die Zinsen sehr gering sind. Postgraduelle Studiengänge wie der LL.M. werden im Rahmen des Bildungskredites bis zum 36. Lebensjahr gefördert. Ausgezahlt werden derzeit 300 Euro im Monat, über einen Zeitraum von 2 Jahren. Die genauen Zugangsvoraussetzungen für den Bildungskredit, insbesondere im Rahmen von ausländischen Studiengängen, können Sie im Flyer der  KfW-Bank nachlesen. Auf den Bildungskredit besteht kein rechtlicher Anspruch, es ist also vom Ermessen des Institutes abhängig, ob Ihnen der Kredit gewährt wird.  Deshalb sollten Sie sich nicht allein auf die Zusage der Bank verlassen. Auch ist der zeitliche Rahmen zur Beantragung des Kredites sehr knapp bemessen. Der Bildungskredit kann frühestens sechs Wochen vor Studienbeginn beim Bundesverwaltungsamt beantragt werden. Da nur begrenzte finanzielle Mittel für den Bildungskredit zur Verfügung stehen, kann nicht garantiert werden, dass auch  jeder Bewerber eine Zusage erhält. Sind die finanziellen Mittel ausgeschöpft, werden keine weiteren Kredite mehr erteilt. Trotzdem ist der Bildungskredit eine sehr kostengünstige Möglichkeit, um zumindest einen Teil der Studienkosten zu decken. Zudem sind die Rückzahlungsbedingungen sehr moderat gestaltet. Erst vier Jahre nach Erhalt des Kredites beginnt die Rückzahlung in Monatsraten von derzeit 120 Euro.

Wer sich nicht allein auf die Zusage eines Bildungskredites verlassen will oder aufgrund seines Alters die Förderkriterien nicht erfüllt, kann sich auch nach einem regulären Bankkredit umschauen. Die Konditionen der jeweiligen Institute sollten Sie hierbei auf jeden Fall genau unter die Lupe nehmen, je nach Institut liegen die Zinssätze zur Zeit zwischen 5-9 %. Auch die anderen Vertragsbedingungen sollten genau beachtet werden. Vor allem die Rückzahlungsbedingungen zur Kredittilgung sind wichtig. Viele Banken knüpfen die Kreditvergabe an ein bestimmtes Höchstalter und auch die Auszahlungshöhe unterscheidet sich stark. Ähnlich wie bei den Bildungskrediten erfolgt die Rückz1ahlung erst ein paar Jahre nach Erhalt des Kredits. Vielfach werden von den Kreditinstituten für Ausbildungskredite keine gesonderten Sicherheiten verlangt. Allerdings muss bei der Bank fast immer ein Studienplan eingereicht werden, der Auskunft über die Studienziele des Antragsstellers erteilt.  

LL.M. und Auslandsbafög

Eine weitere Möglichkeit der Finanzierung des LL.M.-Studiums ist das Auslandsbafög. Wer die Kriterien für den Erhalt von Bafög nicht erfüllt, kann auch nicht vom Auslandsbafög profitieren. Zudem sollte der Zeitpunkt zur Beantragung des Bafögs genau berücksichtigt werden. Wer erst nach dem abgeschlossenen Erststudium im Rahmen eines Aufbaustudiums Auslandsbafög beantragt, wird keine Chance auf finanzielle Förderung erhalten. Da gemäß der gesetzlichen Bestimmungen ein Aufbaustudium nur dann gefördert wird, wenn das Studium rechtlich erforderlich ist, um die Zugangsberechtigung zum angestrebten Beruf zu erhalten (§7 Abs. 2 Nr. 2 Bafög). Dies ist beim LL.M.-Aufbaustudium nicht der Fall. Eine Förderung durch Auslandsbafög ist nur dann möglich, wenn der LL.M. nicht als Aufbaustudium erworben wird. Daher ist eine Förderung durch Auslandsbafög nur vor dem Bestehen des Ersten Staatsexamens möglich. Allerdings nur unter der Voraussetzung, dass die ausländischen Studienleistungen auf die Studienleistungen im Ausland anrechenbar sind. Deshalb sollte immer schon vor der Beantragung des Auslandsbafögs die Anrechenbarkeit überprüft werden. Die Hochschule sollte hier immer der erste Ansprechpartner sein. Einige Universitäten bieten studienbegleitend den Erwerb des LL.M. an. In diesen Fällen ist eine Förderung durch Auslandsbafög meist möglich. Beispielsweise bietet die Universität Hannover den Erwerb des Magister Legum Europae (MLE) an, der schon vor dem Absolvieren des Ersten Staatsexamens erworben werden kann.

LL.M. – Kosten: Steuerliche Vorteile?

Unter bestimmten Voraussetzungen lässt sich ein Teil der Ausbildungskosten für den LL.M. von der Steuer wieder zurückholen. Auf jeden Fall sollte dieser Punkt nicht aus dem Auge gelassen werden, denn bei Studienkosten von etwa 65000 $ (in den USA)  ist auf jeden Fall mit einer niedrigen fünfstelligen Eurosumme als Steuereinsparung zu rechnen. Allerdings müssen dazu bestimmte Voraussetzungen vorliegen. Wird der LL.M. nach dem Zweiten Staatsexamen erworben, dann ist die steuerliche Geltendmachung möglich. Selbständige können das Aufbaustudium als Betriebsausgaben deklarieren und dann vor der Steuer geltend machen. Bei Angestellten besteht die Möglichkeit, das Zusatzstudium als Werbungskosten abzusetzen. Achten Sie auf jeden Fall darauf, dass alle relevanten Rechnungen und Belege archiviert werden. Diese müssen schließlich im Rahmen der Einkommensteuererklärung im Original beigefügt werden. Auch wenn Sie zum Zeitpunkt der steuerlichen Einreichung noch in keinem Angestelltenverhältnis stehen, sollten Sie unbedingt eine Steuererklärung durchführen. Die entstandenen Kosten für das Aufbaustudium können dann von dem Einkommen, welches erst in späteren Jahren erzielt wird, abgesetzt werden. Abgesetzt werden können beispielsweise Reisekosten, Zinsen für Darlehen, Studiengebühren, Miete, Lebenshaltungskosten und Studienmaterial (Bücher, Büromaterial etc.).  

In jedem Fall sollte aus steuerlicher Sicht der Aspekt der doppelten Haushaltsführung berücksichtigt werden. Die Lebenshaltungs- und Mietkosten können nur dann steuerlich abgesetzt werden, wenn die eine doppelte Haushaltsführung vorliegt. Damit ist gemeint, dass neben der Miete im ausländischen Studienort noch eine Wohnung im Heimatort vorliegt, für die Zahlungen erfolgen müssen. Wichtig ist hierbei, dass ein eigener Hausstand vorliegen muss. Ein angemietetes Zimmer bei den Eltern fällt also nicht unter die Regelung. Wer auf den komplizierten Nachweis der entstandenen Kosten verzichten möchte, kann sich auch mit Pauschalbeträgen für Auslandsübernachtungen und Verpflegungskosten zufriedengeben. Diese können, abhängig vom Bundesland, über einen bestimmten Zeitraum, zu vorgegebenen Prozentsätzen angerechnet werden. Da die pauschalen Erstattungsbeträge meist relativ hoch angesetzt sind, kann eine Pauschalerstattung in vielen Fällen sinnvoll sein.

LL.M. mit Arbeitgeberfinanzierung

Unter Umständen besteht die Möglichkeit, die LL.M.-Qualifizierung über den Arbeitgeber finanzieren zu lassen. Dies ist allerdings meist nur bei international agierenden Topkanzleien möglich. Viele Arbeitgeber fördern vornehmlich Weiterbildungen zum Fachanwalt oder ähnliche Qualifizierungsmaßnahmen, die in kurzer Zeit absolviert werden können und zudem mit geringen Kosten verbunden sind. Der LL.M. bietet aus Arbeitgebersicht nicht viele Vorteile, da er relativ teuer und oftmals auch mit einem längeren Auslandsaufenthalt verbunden ist. Während dieser langen Zeit müsste der Arbeitgeber dann auf den Mitarbeiter verzichten und das können und wollen viele Kanzleien nicht finanzieren. Deshalb sollte in einem solchen Fall das Arbeitsverhältnis für die Dauer des LL.M.-Studiums ruhend gestellt werden, so dass der Arbeitgeber vom Kostendruck befreit ist.

Unter Umständen kann es sinnvoll sein, den Arbeitgeber zumindest um eine anteilige Beteiligung an der LL.M.-Weiterbildung zu bitten. Überlegen Sie allerdings vorher genau, an welchen Kosten sich Ihr Arbeitgeber beteiligen könnte.  Im Falle einer Beteiligung an den Studienkosten, wird der Arbeitgeber höchstwahrscheinlich seine Kostenbeteiligung vertraglich absichern, für den Fall, dass der frischgebackene LL.M.-Absolvent nach der Qualifizierung sein Arbeitsverhältnis lösen sollte.

LL.M. – Finanzierung durch die Familie

Auch die Familie sollte als „Fremdmittelfinanzierung“ des LL.M.-Studiums nicht außer Acht gelassen werden. Hierbei muss nicht immer eine komplette Finanzierung ins Auge gefasst werden. Auch eine Teilfinanzierung durch ein elterliches Darlehen zu einem günstigen Zinssatz kann Sie dem Traum vom LL.M.-Studium näherbringen. Auf jeden Fall sollte dann dieses Darlehen auch schriftlich in einem Darlehensvertrag festgehalten werden, denn dann können die Zinsen im Rahmen der Einkommenssteuer wieder abgesetzt werden. Sollten die Eltern allerdings selbst bei einer Bank einen Kredit für das LL.M.-Studium Ihres Nachwuchses aufgenommen haben und die Geldsumme dann quasi verschenken, ist eine steuerliche Absetzbarkeit für beide Seiten nicht mehr vorhanden.

LL.M. Bildungsfonds

Der LL.M. Bildungsfonds ist ein Angebot von Brain Capital, das gemeinsam mit der Deutsch-Amerikanischen Juristen-Vereinigung konzipiert wurde. Anders als bei einem Bankkredit verpflichten sich Teilnehmer nicht zu festen Tilgungs- und Zinszahlungen, sondern sie leisten nach ihrem Studium einkommensabhängige Rückzahlungen. Während des Studiums bestehen keine Zahlungsverpflichtungen. Durch die einkommensabhängige Rückzahlung wird sichergestellt, dass jeder Absolvent nur im Rahmen seiner individuellen Leistungsfähigkeit belastet wird. Wer wenig verdient, zahlt weniger an den Fonds zurück – wer einen sehr gut bezahlten Job erreicht, ist zu höheren Rückzahlungen verpflichtet, die einer neuen Generation von Studierenden ein LL.M.-Studium ermöglichen. Weitere Informationen finden Sie unter: www.llm-bildungsfonds.de.

College Contact

College Contact ist eine Organisation, die Studierende kostenlos zu den verschiedensten Möglichkeiten des Auslandsstudiums in derzeit 40 Ländern berät und sie bei der Bewerbung für ein Auslandssemester als "Free Mover", eine Summer Session oder auch ein komplettes Master- oder Promotionsstudium an rund 240 Partnerhochschulen in 40 Ländern weltweit unterstützt - im Bereich LLM sind es 32 Hochschulen weltweit. Der Service ist kostenlos, weil die Partnerhochschulen die Beratungs- und Vermittlungsarbeit von College Contact finanzieren. Hierzu finden Sie weitere Informationen unter www.college-contact.com/llm.



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