§ 48 VwVfG - Rücknahme eines rechtswidrigen Verwaltungsaktes

Verwaltungsverfahrensgesetz | Jetzt kommentieren

Stand: 23.10.2017
   Teil III (Verwaltungsakt)
      Abschnitt 2 (Bestandskraft des Verwaltungsaktes)

(1) Ein rechtswidriger Verwaltungsakt kann, auch nachdem er unanfechtbar geworden ist, ganz oder teilweise mit Wirkung für die Zukunft oder für die Vergangenheit zurückgenommen werden. Ein Verwaltungsakt, der ein Recht oder einen rechtlich erheblichen Vorteil begründet oder bestätigt hat (begünstigender Verwaltungsakt), darf nur unter den Einschränkungen der Absätze 2 bis 4 zurückgenommen werden.

(2) Ein rechtswidriger Verwaltungsakt, der eine einmalige oder laufende Geldleistung oder teilbare Sachleistung gewährt oder hierfür Voraussetzung ist, darf nicht zurückgenommen werden, soweit der Begünstigte auf den Bestand des Verwaltungsaktes vertraut hat und sein Vertrauen unter Abwägung mit dem öffentlichen Interesse an einer Rücknahme schutzwürdig ist. Das Vertrauen ist in der Regel schutzwürdig, wenn der Begünstigte gewährte Leistungen verbraucht oder eine Vermögensdisposition getroffen hat, die er nicht mehr oder nur unter unzumutbaren Nachteilen rückgängig machen kann. Auf Vertrauen kann sich der Begünstigte nicht berufen, wenn er

1.
den Verwaltungsakt durch arglistige Täuschung, Drohung oder Bestechung erwirkt hat;
2.
den Verwaltungsakt durch Angaben erwirkt hat, die in wesentlicher Beziehung unrichtig oder unvollständig waren;
3.
die Rechtswidrigkeit des Verwaltungsaktes kannte oder infolge grober Fahrlässigkeit nicht kannte.
In den Fällen des Satzes 3 wird der Verwaltungsakt in der Regel mit Wirkung für die Vergangenheit zurückgenommen.

(3) Wird ein rechtswidriger Verwaltungsakt, der nicht unter Absatz 2 fällt, zurückgenommen, so hat die Behörde dem Betroffenen auf Antrag den Vermögensnachteil auszugleichen, den dieser dadurch erleidet, dass er auf den Bestand des Verwaltungsaktes vertraut hat, soweit sein Vertrauen unter Abwägung mit dem öffentlichen Interesse schutzwürdig ist. Absatz 2 Satz 3 ist anzuwenden. Der Vermögensnachteil ist jedoch nicht über den Betrag des Interesses hinaus zu ersetzen, das der Betroffene an dem Bestand des Verwaltungsaktes hat. Der auszugleichende Vermögensnachteil wird durch die Behörde festgesetzt. Der Anspruch kann nur innerhalb eines Jahres geltend gemacht werden; die Frist beginnt, sobald die Behörde den Betroffenen auf sie hingewiesen hat.

(4) Erhält die Behörde von Tatsachen Kenntnis, welche die Rücknahme eines rechtswidrigen Verwaltungsaktes rechtfertigen, so ist die Rücknahme nur innerhalb eines Jahres seit dem Zeitpunkt der Kenntnisnahme zulässig. Dies gilt nicht im Falle des Absatzes 2 Satz 3 Nr. 1.

(5) Über die Rücknahme entscheidet nach Unanfechtbarkeit des Verwaltungsaktes die nach § 3 zuständige Behörde; dies gilt auch dann, wenn der zurückzunehmende Verwaltungsakt von einer anderen Behörde erlassen worden ist.


Erwähnungen von § 48 VwVfG in anderen Vorschriften

Folgende Vorschriften verweisen auf § 48 VwVfG:

  • Verwaltungsverfahrensgesetz (VwVfG)
    • Teil III (Verwaltungsakt)
      • Abschnitt 1 (Zustandekommen des Verwaltungsaktes)
    • § 38 Zusicherung
      • Abschnitt 2 (Bestandskraft des Verwaltungsaktes)
    • § 49 Widerruf eines rechtmäßigen Verwaltungsaktes
    • § 50 Rücknahme und Widerruf im Rechtsbehelfsverfahren
    • § 51 Wiederaufgreifen des Verfahrens
  • Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen (GWB)
    • Teil 1 (Wettbewerbsbeschränkungen)
      • Kapitel 9 (Markttransparenzstellen für den Großhandel mit Strom und Gas und für Kraftstoffe)
        • Abschnitt 1 (Markttransparenzstelle für den Großhandel im Bereich Strom und Gas)
      • § 47d Befugnisse



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    Zulage für flugzeugtechnisches Personal;Bewilligung der Zulage durch Bescheid;Erforderlichkeit einer Rücknahme des Bewilligungsbescheids;Beweislast bei Rücknahme eines begünstigenden Verwaltungsakts
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