Öffentlichkeitsarbeit in den Medien - Rechtsanwaltskanzlei

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Was ist Öffentlichkeitsarbeit?

Durch das Veröffentlichen von Pressemitteilungen, Zeitungsartikeln zu juristischen Themen oder Vorträgen können Sie Öffentlichkeitsarbeit (auf Englisch: PR) betreiben. Im Gegensatz zur reinen Werbung soll durch Öffentlichkeitsarbeit langfristig ein positives Image aufgebaut werden.Öffentlichkeitsarbeit Mit stetigen Veröffentlichungen, wie beispielsweise Zeitungsartikel zu neuen Gesetzgebungen, können Sie sich dauerhaft in der Öffentlichkeit als Experte in Ihrem Sachgebiet präsentieren. Dies führt im Laufe der Zeit zur Vertrauensbildung in der Öffentlichkeit. Potentielle Mandanten werden Sie als Experten wahrnehmen und im Fall der Fälle Ihre Dienstleistungen anderen Anbietern vorziehen. Allerdings benötigen Sie dazu Durchhaltevermögen, denn nur stetige Veröffentlichungen bringen Sie in das Bewusstsein der Öffentlichkeit. Natürlich sollten Sie sich auch nicht wegen jedem kleinen Fall an die Medien wenden, denn dies würde Sie eher der Lächerlichkeit preisgeben. Deshalb sollten Sie im Rahmen Ihrer Öffentlichkeitsarbeit von vornherein überprüfen, ob Ihr Fall oder Artikel überhaupt in den Medien auf Interesse stoßen wird.


Ist mein Fall zur Öffentlichkeitsarbeit geeignet?JaNein
Beinhaltet der Fall ein derzeit aktuelles Thema aus den Medien?
Handelt es sich um einen Fall mit politischer Bedeutung (regional, national oder international)?
Wird der Fall möglicherweise eine Gesetzesänderung zur Folge haben?
Steht der Fall im Zusammenhang mit Dingen, welche auch den Otto-Normal-Verbraucher auch in irgendeiner Form betreffen?
Ist der Fall geeignet, starke Emotionen hervorzurufen?
Sind bekannte Persönlichkeiten oder Unternehmen in den Fall verwickelt?
Zieht der Fall das Interesse der Lokal- oder Fachzeitungen auf sich?
Steht der Fall im Zusammenhang mit hohen Geldsummen?
Ist der Fall in gewisser Hinsicht ungewöhnlich?
Beinhaltet der Fall die Anwendung einer sonderbaren gesetzlichen Vorschrift?

Erläuterungen

Beinhaltet der Fall ein derzeit aktuelles Thema aus den Medien?

Wenn Sie regelmäßig die Medien beobachten, dann wird Ihnen sicherlich auffallen, dass auch Zeitungsinhalte bestimmten Modewellen unterliegen. Einige Themen werden in den Medien breitgetreten und verschwinden dann wieder aus dem Licht der Öffentlichkeit. Wenn Sie wirksame Öffentlichkeitsarbeit betreiben wollen, dann sollten Sie sich immer auf dem Laufenden halten, was Medientrends angeht. Vielleicht vertreten Sie zufälligerweise ein jugendliches Gewaltopfer, welches einer Straßengang zum Opfer gefallen ist. Jugendliche und Gewalt ist derzeit ein Thema, welches von den Medien gerne aufgegriffen wird.

Politische Bedeutung

In der Öffentlichkeitsarbeit sind auch Fälle von politischer Relevanz immer für die Medien interessant. Vor allem wenn davon viele Personen betroffen sein könnten. Beispielsweise klagt sich derzeit ein Hartz-IV-Empfänger bis in die höchsten Instanzen, weil ihm eine Steuerrückerstattung nicht als Einkommen angerechnet wird und daher der Freibetrag in Höhe von 100 Euro nicht gewährt wird. Die Arge forderte ihn daher zur Rückzahlung der Steuerrückerstattung in voller Höhe auf. Sollte sich in höchstrichterlicher Instanz herausstellen, dass die Rückforderung nicht rechtens war, so kann dies Auswirkungen auf alle ALG-II-Empfänger haben, die von einer ähnlichen Situation betroffen waren. Sollte Sie einen derartigen Fall betreuen, so lohnt es sich, damit an die Öffentlichkeit zu gehen.

Hat der Fall eine Gesetzesänderung zur Folge?

Besonders prestigeträchtig sind für Rechtsanwälte und Journalisten Fälle, in denen eine Klage zu einer Gesetzesänderung führen konnte. In solchen Fällen sind Sie als Rechtsanwalt blitzschnell in den Medien vertreten. Eine hohe Öffentlichkeitswirkung erreichte vor geraumer Zeit das sogenannte Sorgerechtsurteil des Europäischen Gerichtshofes. Ein nichtverheirateter Vater klagte vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte, da er seine Tochter nur zu bestimmten Besuchszeiten sehen durfte. Der Europäische Gerichtshof entschied, dass auch bei nichtverheirateten Eltern das Sorgerecht beiden Elternteilen gleichermaßen zusteht. Eine Bevorzugung des mütterlichen Sorgerechts verstoße gegen die Menschenrechte (Diskriminierungsverbot).

Sind die Verbraucher vom Fall betroffen?

Verbraucherthemen sind in der Öffentlichkeit immer sehr gefragt und werden von Redaktionen auch immer gerne veröffentlicht. Sie können sich also fast sicher sein, dass ein solcher Fall die Aufmerksamkeit der Medien erregen wird. Dies sollten Sie sich im Rahmen Ihrer Öffentlichkeitsarbeit dann unbedingt zu Nutze machen. Beispielsweise wurde vom Amtsgericht OLG Frankfurt (AZ: 6 U 215/00) entschieden, dass eintägige Sonderrabatte unzulässig sind. Es handelt sich hier vielmehr um Lockvogelangebote, welche dem Kunden keine Gelegenheit zum Preisvergleich lassen.

Ruft der Fall starke Emotionen hervor?

Besonders geeignet für die Öffentlichkeitsarbeit sind zudem Fälle, die starke Emotionen hervorrufen können. Hierzu eignen sich besonders solche, die in der Öffentlichkeit zu Empörung führen können. Stellen Sie sich beispielsweise eine todkranke Mandantin vor, der von ihrer Krankenkasse die helfende, aber teure Schmerzbehandlung nicht genehmigt wird. Die Krankenkasse spielt auf Zeit und versucht mit immer weiteren Maßnahmen die Zahlung zu verzögern. Dies wird garantiert in der Öffentlichkeit ein gewaltiges Medienecho auslösen und die beteiligte Krankenkasse unter Zugzwang bringen.

Sind bekannte Persönlichkeiten oder Unternehmen verwickelt?

Das Beste, was Ihnen in der Öffentlichkeitsarbeit passieren kann, ist wenn Ihr Fall in Verbindung mit Prominenten Personen oder bekannten Unternehmen steht. Natürlich gibt es viele Abstufungen von prominent. In einer Kleinstadt kann schon der Bestechungsskandal eines Bürgermeisters Aufsehen erregen, während in jeder Großstadt schon kein Hahn mehr nach diesem Politiker krähen würde. Trotzdem eignet sich auch die Lokalprominenz gut für PR. Sollten Sie natürlich einen Hollywood-Star vertreten, dann wird die PR-Maschinerie auch ohne Ihre Bemühungen in Gang gesetzt werden.

Haben Lokal- oder Fachzeitschriften Interesse am Fall?

In großen Zeitschriften und Zeitungen werden Sie wahrscheinlich nur mit sehr außergewöhnlichen Fällen Punkten können. Anders hingegen sieht die Sache in Lokal- oder Fachzeitschriften aus. Sollten Sie einen Fall betreuen, der für eine bestimmte Region relevant ist und auch Interesse beim Leser wecken kann, dann können Sie sich sicher sein, dass dieser Fall auch gerne in den lokalen Nachrichten veröffentlicht wird. Ähnlich verhält es sich mit fachspezifisch ausgerichteten Zeitungen, falls Sie einen Fall betreuen, der sich auf ein eng eingegrenztes Sachgebiet bezieht und für eine Fachleserschaft von Interesse sein könnte.

Geht es um hohe Geldbeträge?

Auch Fälle in denen es um hohe Geldsummen geht sind für die Öffentlichkeitsarbeit sehr gut geeignet. Die Medien berichten natürlich gerne über solche Themen. Vor allem strafrechtliche Fälle wie Bankraub oder Erpressung werden gerne von der Presse aufgenommen, da das Interesse der Leserschaft hierbei immer sehr groß ist. Aber auch Fälle mit hohen Schadensersatzforderungen oder hohem Vermögensschaden im Millionenbereich sind für die Journalisten attraktiv. Doch es müssen nicht immer Fälle sein, in denen es um Millionen geht. Ein hohes Medieninteresse wurde in der letzten Zeit auch durch Fälle erreicht, in denen es um sehr geringe Geldsummen ging, die allerdings unverhältnismäßig hohe rechtliche Konsequenzen für die Betroffenen Personen zur Folge hatten. So zum Beispiel der Fall einer 58-jährigen Altenpflegerin, die sechs Maultauschen von Ihrer Arbeitsstelle mitgenommen hatte und deshalb wegen Diebstahls eine Kündigung erhalten hatte.

Ist der Fall ungewöhnlich?

Sollten Sie einen Fall betreuen, der in gewisser Hinsicht einzigartig ist, dann können Sie sich sicher sein, dass auch die Medien Interesse daran haben werden. Dies sollten Sie im Rahmen Ihrer Öffentlichkeitsarbeit berücksichtigen. Ein normaler Einbruch würde sicherlich schon das Interesse der Medien wecken. Noch stärker wäre das Interesse sicherlich, wenn der Einbruch durch eine alte Dame durchgeführt wurde, die wegen Ihrer kleinen Rente keinen anderen Ausweg mehr gesehen hatte. Kaufen Sie sich einfach einmal die Bild-Zeitung und lesen Sie dort einige Artikel, dann wird Ihnen sicherlich schnell auffallen, welche ungewöhnlichen Fällen das Interesse der Medien auf sich ziehen.

Anwendung einer sonderbaren gesetzlichen Vorschrift

Auch wenn besonders seltsam anmutende Rechtsvorschriften in einem Ihrer Fälle zur Anwendung gelangen, könnte sich dies für die Öffentlichkeitsarbeit als zuträglich erweisen. So war beispielsweise bis 1998 noch § 1300 BGB in Kraft. Diese Regelung erlaubte Frauen, von Ihrem Ex-Verlobten Schadensersatz für den geleisteten Sex zu verlangen, falls der Verlobte die Frau verlassen hat und beide zuvor gemeinsam in einer Wohnung zusammengelebt haben.


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